Kolumne
Kolumne Inter­net of Things

Damit tech­ni­scher Fort­schritt auch gesell­schaft­lich akzep­tiert wird

Digitalisierung, KI, Internet der Dinge – allesamt Schlagwörter, die eng miteinander verknüpft sind. Und es sind Schlagwörter, die Fragen nach den mit diesen Trends verbundenen Risiken aufwerfen – Fragen, die am Ende uns alle und natürlich auch Versicherer angehen. Dabei braucht künstliche Intelligenz (KI) auch immer intelligente Regeln.

Forscher aus Europa sind besorgt: Sie fürchten beim Thema KI mit Rivalen aus China und den Vereinigten Staaten künftig nicht mehr konkurrieren zu können. Unlängst haben sich immerhin 550 führende europäische KI-Experten deshalb zusammengeschlossen, um einen Forschungsverbund auf den Weg zu bringen: Claire (Confederation of Laboratories for Artificial Intelligence in Europe) soll helfen, Europa zu einem konkurrenzfähigen Forschungsstandort für KI zu machen. 

Auch die Europäische Union hat das Problem erkannt: „So wie die Dampfmaschine und die Elektrizität das in der Vergangenheit gemacht haben, verändert nun die Künstliche Intelligenz die Welt“, sagte der für den Digitalen Binnenmarkt zuständige stellvertretende Kommissions-Präsident Andrus Ansip im April. Die Europäische Kommission hatte da gerade Investitionen von 1,5 Milliarden Euro in Technologien angekündigt, die auf KI basieren.

Neue Risiken rechtzeitig erkennen und eindämmen

Die Digitalisierung wälzt in einer nie gekannten Dynamik nahezu sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens um. Die Chancen und Möglichkeiten können aber nur dann zu einer positiven Entwicklung führen, wenn kritische Fragen nicht ignoriert, sondern beantwortet und neue Risiken rechtzeitig erkannt und eingedämmt werden. Das gilt insbesondere für unsere Branche.

Lassen Sie mich ein Beispiel herausgreifen: Versicherer in Deutschland zählen jährlich mehr als 250 Arbeitsunfälle mit Industrierobotern, bei denen Beschäftigte verletzt werden oder sogar sterben. Unbeeindruckt davon trug die Hannover Messe im April den Titel „Connect and collaborate“ und drehte sich um die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine in der digitalen Fabrik. „Der Robot wird zum Cobot und verlässt sein Sicherheitsgehege“, beschreibt eine Story unseres Verbandsmagazins „Positionen“ mit dem Titel „Bloß nicht durchdrehen“ die Lage. „Wir fürchten, Amazons Alexa könnte uns aushorchen, und stellen sie trotzdem auf den Küchentisch. Selbstfahrende Autos verursachen tödliche Unfälle, dennoch werden sie sich wohl durchsetzen.“

Die einseitige Verschiebung der Haftung auf den Hersteller wäre innovationsfeindlich

Was heißt das für die Politik? Für Wirtschaft und Gesellschaft? Und für Versicherer? Künstliche Intelligenz braucht intelligente Regeln - und damit ein ausgewogenes Haftungssystem. Richtig ist: Intelligente Roboter, autonome Fahrzeuge und vernetzte Produkte müssen allesamt berechtigten Sicherheitserwartungen entsprechen. Diese müssen wir in industriellen Normen und Standards sowie im Produktsicherheitsrecht aktualisieren. Sie konkretisieren dann das bestehende und bewährte Haftungsrecht, das die Interessen und die Verantwortung der Hersteller ebenso die der Nutzer angemessen berücksichtigt. Die geltenden Regeln schaffen einen fairen und auch für die digitale Ökonomie zukunftsfähigen Rahmen. Eine einseitige Verschiebung der Haftung auf den Hersteller wäre innovationsfeindlich und sollte deshalb vermieden werden, ebenso wie zusätzliche Pflichtversicherungen oder schnell geforderte Entschädigungsfonds unnötig und kontraproduktiv sind.

So wie der Hersteller für ein fehlerfreies Produkt einzustehen hat, sind die Käufer und Nutzer eines Produkts für die bestimmungsgemäße Verwendung und Wartung verantwortlich – und im Schadenfall entsprechend verantwortlich. Selbst wenn niemandem ein Verschulden nachzuweisen ist und ein intelligenter Roboter einfach, nun ja, durchdreht, existiert eine Regelung, auf die sich alle einigen können: Es ist die sogenannte Gefährdungshaftung. Sie gilt heute ganz selbstverständlich für  jeden, der etwa einen Hund hält oder ein Flugzeug betreibt – und kann und sollte zukünftig auch für die Betreiber intelligenter Maschinen gelten.

Unser Beitrag, damit rasanter technischer Fortschritt gesellschaftlich akzeptiert wird

Die Versicherungswirtschaft bietet Herstellern wie Nutzern intelligenter Systeme, autonomer Fahrzeuge und vernetzter Geräte schon heute den jeweils geeigneten Risikoschutz an – und wird dies auch weiterhin tun. Sie schützt damit nicht nur ihre Kunden, sondern gewährleistet einen optimalen Schutz für die Opfer und trägt so maßgeblich dazu bei, dass der rasante technische Fortschritt gesellschaftlich akzeptiert wird.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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