Kolumne
Kolumne zur Jah­res­pres­se­kon­fe­renz

An einer Reform der Alters­vor­sorge kommt kei­ner vor­bei

Die Frage, wie das Rentensystem in Zukunft aussieht, wird intensiv diskutiert. Das war auch auf der Jahrespressekonferenz des GDV in Berlin zu spüren. Mit Blick auf Demografie und die Niedrigzinsen ist der Reformbedarf offensichtlich – und er betrifft längst nicht nur Versicherer allein.

Bei den Vorbereitungen auf unsere Jahrespressekonferenz musste ich in den vergangenen Tagen häufiger an den Ausspruch von Mark Twain denken: „Die Nachrichten über meinen Tod sind stark übertrieben.“ Das kann man wohl mit Fug und Recht über die Lebensversicherung behaupten. Nach dem Rekordjahr 2014 sanken die Beitragseinnahmen der Branche hier zwar, allerdings lediglich um 1,1 Prozent auf immerhin noch 92,7 Milliarden Euro. Ich bezeichne das als quicklebendig.

Das Produkt Lebensversicherung entwickelt sich weiter

Dabei ziele ich gar nicht mal nur auf diese Zahlen ab. Mindestens genauso wichtig ist für mich die Tatsache, dass Versicherer das Produkt Lebensversicherung erfolgreich weiterentwickeln und an die andauernde Niedrigzinswelt anpassen. 37 Prozent aller neuen Verträge werden mittlerweile mit Produkten abgeschlossen, die mit neuen Garantiemodellen höhere Renditen in der Altersvorsorge erzielen können. Die Garantien dieser Produkte sind eingeschränkter als früher, gehen aber einher mit einer renditeträchtigeren Kapitalanlage. Das entspricht den neuen Marktbedingungen und wird von den Kunden akzeptiert. Im Vorjahr hatten die Angebote mit alternativen Garantien noch einen Anteil von 31 Prozent, in 2013 nur von 24 Prozent.

Das ist nur ein Beispiel, wie wir Versicherer auf die demografische Entwicklung und die Niedrigzinsen reagieren. Sicher, weitere Schritte werden zur Lösung der Rentenfrage folgen müssen – von unserer Branche, aber auch von der Politik. Wir alle müssen Altersvorsorge neu denken. An einer Reform kommt keiner vorbei. Nehmen Sie das Thema Renteneintrittsalter. Gerade erst hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) die Rentenpolitik der Bundesregierung kritisiert und erheblichen Reformbedarf ausgemacht. So empfiehlt die OECD das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Vor allem raten die Experten allerdings, es weiter anzuheben. Die bisher vorgesehene stufenweise Erhöhung auf 67 Jahre bis zum Jahr 2029 reiche nicht aus.

Wer die Rückkehr zur Rente mit 65 fordert, verkennt die Realität

Ich wäre schon froh, wenn wir dieses Ziel erreichen würden – nachdem es bereits aufgeweicht wurde und die Rente mit 63 Jahren für bestimmte Berufsgruppen wieder Realität geworden ist. Schon wegen der steigenden Lebenserwartung müssen wir darüber diskutieren, wann und wie wir die durchschnittliche Lebensarbeitszeit ausdehnen. Wer dagegen die Rückkehr zur Rente mit 65 fordert, verkennt die Realität. Diese und andere Fragen gilt es zu klären. Dafür müssen sich alle Beteiligten – Politik, Rentenversicherung, Verbraucher und Wirtschaft – an einen runden Tisch setzen. Wir stehen dafür bereit.

Das vergangene Jahr war, gemessen an den Bedingungen, ein ordentliches Jahr für die Versicherer – und damit auch für viele Millionen Versicherte. Darüber, und die große Resonanz auf unsere Jahrespressekonferenz, freue ich mich sehr. Damit das auch in Zukunft so bleibt, bewegen wir Versicherer uns – sei es bei der Altersvorsorge, der Digitalisierung oder der Kundennähe. Der launige Spruch von Mark Twain – auf unsere Branche trifft er erst recht zu.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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