Kolumne
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1981

Vielleicht ist es Ihnen heute Morgen wie mir ergangen und Sie haben bei der Zeitungslektüre einige Meldungen zum Datenschutz entdeckt. Kein Wunder: Heute ist der Europäische Datenschutztag. Ich verfolge die spannende Debatte über die Zukunft unserer Daten sehr genau – aus privatem Interesse, aber es gehört eben auch zu meinem Job: Bei uns Versicherern steht der Datenschutz nicht nur am 28. Januar auf der Tagesordnung.

Das liegt auch daran, dass in unserer Branche die elektronische Datenspeicherung eine lange Geschichte hat. Als der erste Computer in einem europäischen Versicherungsunternehmen seinen Dienst aufnahm, war ich gerade mal zwei Jahre alt. Der IBM 650 rechnete ab 1956 in München für die Allianz. Mittlerweile sind aus Magnetbändern moderne Festplatten in Serverschränken geworden. Dass wir Versicherer in vielen Sparten sensible persönliche Daten für die Risikokalkulation und Schadenabwicklung benötigen, hat sich nicht geändert.

Mit vielen Daten kommt aber viel Verantwortung. Auch für die eigenen Geschäftszahlen: Verlorenes Vertrauen unserer Kunden wird sich auch immer in der Bilanz niederschlagen. Laut einer Studie lagen die durchschnittlichen Kosten einer Datenpanne in einem deutschen Unternehmen bei 4,2 Millionen Euro. Den Versicherern ist deshalb schon aus Eigeninteresse daran gelegen, das Vertrauen ihrer Kunden in den Datenschutz nicht zu gefährden.


Als die Europäische Datenschutzkonvention am 28. Januar 1981 unterzeichnet wurde, arbeiteten die Rechner in den Versicherungen bereits seit einem Vierteljahrhundert. Über die künftige EU-Datenschutzgrundverordnung wird auch schon wieder bereits seit drei Jahren verhandelt – ein Ende ist noch nicht in Sicht. Gerade weil die Digitalisierung so rasant verläuft, brauchen wir aber einen Datenschutz, der den Herausforderungen der Zeit gerecht wird: Die Daten der Kunden müssen geschützt, aber das Versicherungsgeschäft weiterhin möglich bleiben.

Wir Versicherer haben 2012 einen ganz neuen Weg eingeschlagen: Mit den Verhaltensregeln für den Umgang mit personenbezogenen Daten haben wir als erste Branche Deutschlands eine freiwillige Selbstverpflichtung erarbeitet, die vom Datenschutzbeauftragten Berlin genehmigt wurde. Zum einen konkretisieren wir damit die gesetzlichen Regelungen, und wie diese in der Versicherungsbranche auszulegen sind. Zum anderen gehen wir aber auch über das Gesetz hinaus: So müssen unsere Unternehmen beispielsweise innerhalb von 14 Tagen auf Datenschutzbeschwerden antworten.

Man könnte also sagen: Wir haben für unsere Branche den Datenschutz mit dem Placet der Aufseher weiterentwickelt. Dieser Weg über branchenweite Lösungen mit Einbindung der Datenschützer kann auch ein Modell für die Zukunft sein, um zu schnellen und passgenauen Lösungen zu kommen. Nun stehen wir vor den großen Fragen, die Big Data bereithält – gerade in Sachen Datenschutz. Niemand kennt hier bereits alle Antworten. Aber wir haben uns schon auf die Suche begeben.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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