Poli­ti­sche Posi­tio­nen 2018

Ana­log und digi­tal: Ver­brau­cher sind geschützt

Verbraucherpolitisch hat sich die neue Bundesregierung für die 19. Wahlperiode viel vorgenommen. Dass sie dabei insbesondere auch in der digitalen Welt verbraucherschützende Akzente setzen will, ist sowohl für Verbraucher als auch für die Wirtschaft eine gute Nachricht – wenn Produktinnovationen dabei nicht gefährdet werden.

Die digitale Vernetzung verändert die Gesellschaft und damit auch das Verbraucherverhalten. Angesichts neuer, zunehmend digitaler Lebenswelten erwarten Verbraucher auch von der Versicherungswirtschaft ein entsprechendes Produktangebot. Versicherer sind gefordert, ihre Anpassungsfähigkeit mit der Entwicklung attraktiver Produkte stetig unter Beweis zu stellen. Dabei gilt: Es setzen sich nur jene Produkte durch, die Verbraucher auch nachfragen.

Um den Wünschen ihrer Kunden gerecht zu werden, setzen immer mehr Versicherer moderne Technologien ein – mit vielen Vorteilen für Verbraucher, die noch individuellere Versicherungsprodukte erhalten können und von maßgeschneiderten Angeboten zur Risikoprävention profitieren. Mit der rasanten technologischen Entwicklung der vergangenen Jahre (z. B. bei der Datenanalyse) gehen jedoch verbraucherpolitische Vorbehalte einher. Eine verantwortungsvolle, offene und faire gesellschaftliche Debatte über den ethischen Einsatz von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz könnte helfen, vielfach vorhandenen Missverständnissen zu begegnen. Denn häufig bilden irrtümliche Annahmen zum Einsatz von Algorithmen die Grundlage für weitreichende Regulierungsforderungen. Vereinzelte Rufe nach einem Algorithmen-TÜV und einer Regulierung von Entscheidungen, die auf Künstlicher Intelligenz basieren, sind jedoch keineswegs im Sinne einer nachhaltigen Verbraucheraufklärung und ignorieren die Reichweite bestehender Gesetze und Aufsichtsstrukturen. 


Neue Regeln wirken lassen

Unabhängig von der technologischen Entwicklung bleibt der Kontakt zum Kunden Kern des Versicherungsgeschäfts. Bei komplexen Entscheidungen zur Absicherung von Risiken, die oft weit in die Zukunft reichen, nutzen Verbraucher neben digitalen Produkt- und Informationsangeboten auch weiterhin vor allem die persönliche Beratung. Mit der Umsetzung der Richtlinie für den Versicherungsvertrieb (IDD) und den im Rahmen der EU-Datenschutz-Grundverordnung getroffenen Regelungen hat der Gesetzgeber umfangreiche Maßnahmen ergriffen, die unabhängig vom Vertriebsweg die Rechte der Verbraucher weiter stärken. Nun gilt es, diese neuen gesetzlichen Bestimmungen wirken zu lassen und die erreichten klaren Rahmenbedingungen für Verbraucher und Unternehmen nicht durch erneute Regulierungsdiskussionen zu gefährden. Die von der Bundesregierung beabsichtigte Evaluierung bisheriger Maßnahmen zum finanziellen Verbraucherschutz ist deshalb der richtige Ansatz für einen reflektierten und nachhaltigen Verbraucherschutz. Angesichts einer überbordenden Dokumentations- und Informationsflut sollte bei verbraucherschützenden regulatorischen Maßnahmen die grundsätzliche Leitfrage sein: Was nützt Verbrauchern wirklich?

Die Versicherungswirtschaft reagiert auf diese verbraucherpolitischen Entwicklungen mit einem differenzierten Verbraucherleitbild und Initiativen zur Selbstregulierung. Sie unterstützt so einen wirksamen Verbraucherschutz auf der Höhe der Zeit.


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