Makro und Märkte kompakt
Makro und Märkte kom­pakt Nr. 22

Bre­xit: Ent­schei­dung naht – Vor­be­rei­tung zählt!

Großbritannien wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am 30. März 2019 aus der Europäischen Union ausscheiden. Weniger als sechs Monate vor dem Austritt ist aber immer noch offen, wie genau das Land die EU verlassen wird. Die Wahrscheinlichkeit für einen ungeordneten Brexit ist hoch.

Großbritannien wird im Finanzdienstleistungssektor zukünftig wohl eigene Wege gehen. Mit dem Übergang des Landes zu einem Drittstaat fällt spätestens nach der Übergangsphase zum 1. Januar 2021 der „EU-Pass“ weg; im ungünstigen Falle eines „harten Brexit“ sogar schon zum 30. März 2019.  Der Übergang Großbritanniens zu einem Drittstaat ist mit zahlreichen Konsequenzen für den Finanzdienstleistungssektor verbunden, sagt der Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Klaus Wiener: „Zu den wichtigsten Punkten für die Versicherungswirtschaft gehört die Vertragssicherheit, ein möglichst ungehinderter Datentransfer sowie Regelungen für das bestehende Derivategeschäft.“

Deutsche Versicherer sehen Brexit mit Sorge

Aufgrund der langen Vorlaufzeit und der bereits erfolgten Vorkehrungen dürfte sich ein harter Brexit  nicht als systemisches Risiko erweisen, meint Wiener. „Gleichwohl sollten die politisch Verantwortlichen in der EU auch für diesen Fall jetzt im Interesse einer größtmöglichen Planungssicherheit Notfallregelungen veröffentlichen.“ Natürlich gelte es auch für die Versicherungsbranche sich zu wappnen, betont Wiener: „Viele Versicherer könnten nicht nur direkt im grenzüberschreitenden Versicherungsgeschäft, sondern auch indirekt etwa in der Kapitalanlage betroffen sein.“

Die deutsche Versicherungswirtschaft sieht das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU mit Sorge. „In vielen Fragen zum Thema Finanzdienstleitungen waren die Vertreter Großbritanniens wichtige Impulsgeber, immer mit einem Blick für marktwirtschaftliche Lösungen“, sagt der GDV-Chefvolkswirt. „Bestes Beispiel ist die Entwicklung des Regelwerkes Solvency II, dessen Markt- und Risikoorientierung auch das Ergebnis einer konsequenten Positionierung der Briten ist. Es wäre mit Blick auf die aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Herausforderungen der EU besorgniserregend, wenn diese Marktorientierung in Zukunft verloren ginge.“

Eine detaillierte Analyse bietet die neue Ausgabe der GDV-Publikation „Makro und Märkte kompakt“ mit dem Titel „Brexit: Entscheidung naht – Vorbereitung zählt!“, die hier im Download verfügbar ist.

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