AssekuranzAgenda, Europa
Asse­ku­ran­zA­genda Nr. 48

Sol­vency II: Sta­bi­li­tät sicher­stel­len, Erfah­run­gen sam­meln

Solvency II ist das modernste Aufsichtssystem weltweit und zeichnet sich durch seinen risikoorientierten Ansatz, hohe Komplexität und ein überaus konservatives Design aus. Solvency II definiert Kapitalanforderungen an jeden Versicherer, sodass dieser auch bei extremen negativen Ereignissen die Verpflichtungen gegenüber seinen Kunden ohne Weiteres erfüllen kann.

Das neue Regime wird erst seit dem 1. Januar 2016 angewendet. Obwohl weder hinreichende Erfahrungen mit dem System gemacht, noch eindeutige Fehler identifiziert wurden, schlägt die europäische Versicherungsaufsicht(EIOPA) bereits grundlegende Änderungen vor. Die von EIOPA vorgeschlagene Anpassung der risikofreien Zinsstrukturkurve (Risk Free Rate, RFR) hätte eine enorme Tragweite.

Die RFR ist nicht nur ein zentraler Bestandteil von Solvency II, sie war auch der bestimmende Faktor der politischen Einigung zur Omnibus II-Richtlinie. Eine marktorientierte Bewertung, die stabil ist und künstliche Volatilität vermeidet, ist das übergeordnete Ziel. Die RFR ist ein hoch komplexes Konstrukt. Einzelne Parameter herauszulösen, und isoliert anzugehen, ist daher nicht zielführend. EIOPA unternimmt aktuell genau dies: EIOPA konsultiert eine Methode zur Ermittlung des langfristigen Zinses, der Ultimate Forward Rate (UFR), die eine Änderung der RFR zur Folge hätte.

Anstelle einer isolierten und unmittelbaren Anpassung sollte die UFR bis zur allgemeinen Überprüfung der Standardformel im Jahr 2018 auf ihrem aktuellen Niveau von 4,2 Prozent verbleiben. Die Versicherungswirtschaft verschließt sich nicht der ökonomischen Realität des Niedrigzinsumfeldes. Im Gegenteil ergreifen die Unternehmen Maßnahmen, um mit den veränderten Bedingungen umzugehen. Für die Modellwelt von Solvency II ist es jedoch unabdingbar, die notwendigen Erfahrungen zu sammeln.

Darüber hinaus ist auch der politischen Tragweite der Entscheidung Rechnung zu tragen. Sie sollte politisch legitimiert durch das Europäische Parlament, den Rat der EU und die Europäische Kommission und nicht durch technische Bestimmungen erfolgen.


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