Medieninformationen
Vor­stel­lung des "Ren­ten­mi­nis­ters"

“Rente mit 69 darf kein Tabu sein“ – GDV und Pro­gnos stel­len Online-Rechen­tool vor

Einen Tag vor der ersten Sitzung der Rentenkommission haben der Versichererverband GDV und die Prognos AG einen Online-Rechner vorgestellt, der einen Blick in die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung ermöglicht. Jeder Interessierte kann mit Hilfe dieses „Rentenministers“ an den zentralen Stellschrauben Beitragssatz, Rentenniveau und Renteneintrittsalter drehen und die Auswirkungen seiner Entscheidungen bis 2060 beobachten.

Das Tool ist auf Basis des geltenden Rechts Anfang 2018 erstellt worden. Die zugrunde gelegten Informationen zu Rentenniveau, Beiträgen und Steuerzuschuss basieren auf der geltenden Rentenformel. Mithilfe des „Rentenministers“ lassen sich unterschiedliche Reformoptionen, die  zum Beispiel während der geplanten fast zweijährigen Beratungsphase der Rentenkommission diskutiert werden, leichter nachvollziehen. Der Rechner gibt ein Gefühl dafür, wer welche finanziellen Lasten bei Reformvorschlägen tragen müsste.

Sollte die im Koalitionsvertrag für die Zeit bis 2025 vereinbarte „doppelte Haltelinie“ – Rentenniveau von 48 Prozent und Beitragssatz von nicht über 20 Prozent – auch für die weitere Zukunft festgeschrieben werden, ist nach Prognos-Berechnungen allein für das Jahr 2040 für den Bundeshaushalt eine Mehrbelastung von rund 100 Milliarden Euro zu erwarten.

Demografischer Wandel hat Fakten schon längst geschaffen

Fakten und Projektionen zur Zukunft der Rentenversicherung liegen seit langem auf dem Tisch. Insbesondere ab 2025 – mit der fortschreitenden Verrentung der Babyboomer – entwickelt sich die Schere zwischen Beitragszahlern und Rentner noch weiter auseinander. Daher ist sich Prognos-Experte Oliver Ehrentraut sicher: „Die gesetzliche Rente wird deutlich teurer. In den nächsten Jahrzehnten muss das System in jedem Fall mit hohen Milliardenbeiträgen aus dem Steueraufkommen zusätzlich finanziert werden.“

Davon müssen 60 Prozent die Arbeitnehmer und Rentenempfänger aufbringen, mit steigender Tendenz. „Eine Stabilisierung des Beitrags- bzw. Rentenniveaus durch politische Eingriffe muss zu einem Großteil von denjenigen bezahlt werden, die damit eigentlich entlastet werden sollen. Der demografische Wandel lässt sich nicht wegreformieren“, warnt der Vize-Direktor und Leiter des Bereichs Volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Grundsatzfragen.

 Längere Lebensarbeitszeit darf nicht tabu sein

Aus Sicht des GDV-Altersvorsorgeexperten Peter Schwark zeigen die rentenpolitischen Reformen in Folge der Rürup-Kommission Anfang der 2000er Jahre gerade erste Wirkungen: „Schon damals ging es darum, eine faire Verteilung der Lasten zu erreichen. Die Anhebung des Rentenalters auf 67 war ein wichtiger Schritt, um auf die ständig steigende Lebenserwartung der Menschen zu reagieren. Wenn wir diesen Kurs konsequent umsetzen, hätten wir für die Stabilisierung der gesetzlichen Rente bereits viel erreicht. Von einem gelebten Renteneintrittsalter von 67 Jahre sind wir allerdings noch weit entfernt. Das tatsächliche Renteneintrittsalter in Deutschland liegt aktuell im Durchschnitt bei 64,2 Jahren.“

Die Rentenkommission solle sich keine Denkverbote auferlegen, sagte das Mitglied der GDV-Geschäftsführung. Auch eine weitere Erhöhung auf 68 oder 69 Jahre jenseits von 2030 bzw. 2040 – mit Lösungen für diejenigen, die bereits vorher nicht mehr arbeiten können – dürfe angesichts einer immer weiter steigenden Lebenserwartung nicht tabu sein.


Zur Startseite