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Titel Autobumser

Autobumser

Beim Betrug in der Kraftfahrtversicherung entsteht jedes Jahr ein Schaden von rund 2 Milliarden Euro.

Die Versicherungsbranche geht davon aus, dass etwa jeder zehnte Kfz-Schadenfall typische Anzeichen einer Manipulation aufweist. Die Spannbreite ist dabei groß: Oftmals wird das Ausmaß von tatsächlichen Schadenfällen nachträglich vergrößert oder bereits vorhandene Schäden werden erneut abgerechnet. Unfälle werden aber auch mit Bekannten abgesprochen, vorgetäuscht oder vorsätzlich herbeigeführt. Besonders skrupellos sind die sogenannten „Autobumser“, die ahnungslose Fahrzeughalter in einen Unfall verwickeln, um dann Geld von der Autoversicherung zu kassieren.

Der Versicherungsbranche zufolge liegt der Schaden, der durch Versicherungsbetrug in der Schaden- und Unfallversicherung pro Jahr entsteht, bei rund vier Milliarden Euro. Rund 2 Milliarden Euro entfallen auf die Kraftfahrtversicherung – ein Großteil davon verursacht durch Unfälle mit Vorsatz.

Motive und Ziele

Ziel der Täter ist es, sich über den abgerechneten Blechschaden möglichst viel Geld von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallopfers zu erschleichen. Rechtlich gesehen handelt es sich bei einem vorsätzlich herbeigeführten Unfall, bei dem sogar zum Teil schwere Verletzungen der Unfallbeteiligten in Kauf genommen werden, um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Habgier, finanzielle Not, kriminelle Energie – auch bei den Autobumsern finden sich allgemeine Motive für den Betrug und solche, die sich speziell aus dem Besitz eines Kraftfahrzeugs ableiten, unter anderen diese:

  1. drohende Insolvenz
  2. Geldwäsche
  3. vorzeitiger Ausstieg aus Leasing- oder Kreditverträgen
  4. teures, reparaturanfälliges Fahrzeug
  5. hoher Preisverfall nach Neukauf
  6. Änderung gesetzlicher Vorgaben (z.B. Abgasnormen)

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Unfall nach Plan

Sich untereinander für einen Unfall zu verabreden, ist die eine Masche der Autobumser. Die andere, ahnungslose Verkehrsteilnehmer in einen Unfall zu verwickeln.

Dafür suchen sich die Täter meist Verkehrssituationen mit entsprechender Regelung: Fußgängerüberwege, Ampelanlagen oder die Einmündung paralleler Fahrstreifen – letztere sind übrigens ein ganz besonders bevorzugter Tatort.

Meist winkt der Täter dem Fahrer im Auto hinter oder neben ihm, er könne die Fahrbahn wechseln oder einscheren, um dann im geeigneten Moment aufs Gas zu treten und sein Opfer, am besten allein im Auto sitzend, zu rammen oder sich rammen zu lassen.

Der so in den Unfall Verwickelte ahnt oft nicht, dass er in eine Falle geraten ist und sich meist gleich mehreren Tätern gegenüber sieht, die seine angebliche Schuld später bezeugen.

Methode 1:
Die Täter nutzen ihnen bekannte Besonderheiten der Verkehrsführung aus (z.B. Fahrbahnverengungen oder Kreisel) und erzwingen beim Spurwechsel einen Streifschaden

Methode 2:
Die Täter provozieren einen Auffahrunfall, in dem sie bei einer Ampel, die von Gelb auf Rot schaltet, im letzten Moment abrupt bremsen.

Methode 3:
Die Täter warten an einer Kreuzung mit „Rechts-vor-links”-Regelung gezielt auf ein Fahrzeug, um dann im letzten Moment noch in die Kreuzung einzufahren.

Das Unfallopfer kann nicht mehr ausweichen und es kommt zum Unfall.

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Die Folgen

Für das Opfer

Die Betrüger nehmen dabei billigend in Kauf, dass ihr Opfer möglicherweise verletzt wird. Auch wer als Opfer bei einem provozierten Unfall unverletzt bleibt, trägt Schaden davon: Hat er keinen Vollkaskoversicherungsschutz, muss er den Schaden am eigenen Fahrzeug selbst zahlen oder er wird in der Schadenfreiheitsklasse hochgestuft. Möglicherweise muss er als vermeintlicher Verursacher ein Bußgeld zahlen oder muss gar mit Punkten beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg rechnen.

Für den Täter

Ungesühnt bleibt das in der Rechtsprechung natürlich nicht. Der provozierte Unfall ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, er erfüllt den Tatbestand des § 315 StGB. Tat und Versuch können mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren sanktioniert werden.

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Betrugsaufklärung

Einen provozierten Unfall zu beweisen, ist nicht ganz einfach, denn er ist von einem wirklichen Unfall oft nicht zu unterscheiden. Der Polizei kommt deshalb eine wichtige Rolle bei der Unfallaufnahme zu. Sie ist vor Ort, begutachtet den Unfall, protokolliert ihn und befragt die Beteiligten.

Die Polizei kann die ersten Hinweise auf einen Betrug erkennen. Zum Beispiel mit folgenden Fragen:

Weitere Möglichkeiten der Aufklärung:

Der Versicherer kann außerdem durch unfallanalytische Gutachten und Simulationen den Unfallhergang rekonstruieren und bei einer entsprechenden Beweislage Strafanzeige stellen.

Nur im Zusammenspiel zwischen Unfallopfer, Versicherer und Polizei ist eine effiziente Aufklärung möglich.

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Beispiele

Das Phänomen Autobumser in den Medien

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Tipps für Autofahrer

Die deutschen Versicherer raten bei einem Verdacht, dass der Unfall vorsätzlich herbeigeführt worden sein könnte, zur weiteren Beweissicherung unbedingt die Polizei hinzuziehen und seinen Versicherer zu informieren.

Wichtig sind beispielsweise Angaben darüber, ob der Unfallbeteiligte hätte bremsen oder ausweichen können oder ob er sogar sein Fahrzeug beschleunigt hat. Wichtig ist zudem, Fotos von den Unfallspuren, den Endlagen und von allen Seiten der beteiligten Fahrzeuge anzufertigen.

Hinweise auf einen provozierten Unfall

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