12.11.2017
Ermittlungspanne im Dresden-Tatort

Schlecht versichert zur besten Sendezeit

Und – wie fanden Sie den jüngsten „Tatort“ über den „strukturellen Wahnsinn der Versicherungsbranche“? Kein geringerer als Stromberg-Autor Ralf Husmann lieferte die Story für 90 Minuten schonungslose Einblicke in die sächsische Welt von Pegida – und die örtliche Assekuranz. Der Reiz-Plot schürt Zweifel an der Branche und ihrer Zahlungsmoral in Sachen Berufsunfähigkeit. Die ganze Wahrheit erfahren Sie nur hier!

Ein Top-Manager wird in Minute 5 eiskalt erschossen. Ein vermeintlich geprellter Versicherungskunde macht übellaunig vor der Firmenzentrale auf sich aufmerksam. Am Ende läuft das Motiv auf eine dramatische Erkenntnis hinaus: Viel zu viele Kunden teilen sein Schicksal. Berufsunfähigkeitsversicherungen werden viel zu oft nicht ausgezahlt.

Der Versicherer weigert sich, verschleppt die Zahlung, stellt sich quer. Viel zu oft. Cut. Ende. Bleiben sie dran – es folgt Anne Will.

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Die Wahrheitsfindung in Sachsen ist unvollständig

Einspruch! Dürftige Beweislage. Die Wahrheitsfindung in Sachsen ist unvollständig:

Die Leistungen der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung sind im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Versicherte erhielten 2016 rund 3,6 Milliarden Euro ausgezahlt, das sind fast 160 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Ein sich fortsetzender Trend: Schon 2015 war dieser Betrag um 5,5 Prozent auf 3,44 Milliarden gestiegen. Bei 77 Prozent der rund 62.000 Leistungsanträge des Jahres 2014 wurde ein Leistungsfall festgestellt – und in der Folge geleistet. Über Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es zudem relativ wenige rechtliche Auseinandersetzungen. So gingen beim Ombudsmann für Versicherungen in 2015 nur rund 400 Beschwerden ein – bei 4 Millionen Verträgen für selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen und 12,9 Millionen Verträgen für Berufsunfähigkeitszusatzversicherungen. Übrigens: Nur bei knapp sechs Prozent aller Leistungsanträge beauftragten die Versicherer im Jahr 2015 einen Gutachter. Rund 60 Prozent dieser Gutachten stellten eine Berufsunfähigkeit fest und führten damit zu einem Ergebnis zu Gunsten der Versicherten.

Die Faktenlage ist klar: Jeder kann berufsunfähig werden. Trotzdem wird das Risiko unterschätzt. Auf die über 42 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland kommen lediglich gut 17 Millionen Versicherungsverträge, die Berufsunfähigkeit voll oder teilweise absichern.

„Sorry, wir wollen Stromberg zurück“

Die ALVA-Versicherung aus dem „Tatort“ könne nicht Strombergs Capitol sein, befindet „Spiegel Online“. Aber man müsse sich doch beim Mitteldeutschen Rundfunk etwas dabei gedacht haben, wenn ausgerechnet bei einem der renommiertesten Autoren des Landes, dessen Meisterstück eben eine Versicherungs-Comedy war, ein Versicherungs-Krimi in Auftrag gegeben werde.

Resümee des Spiegel-Kritikers: „Sorry, wir wollen Stromberg zurück.“