09.11.2017
Unfallforschung der Versicherer (UDV)

Drei Jahre Fahrradstaffel der Berliner Polizei – Zahl der schweren Unfälle sinkt um fast die Hälfte

Die Fahrradstaffel der Polizei in Berlin-Mitte ist aus Sicht der Unfallforschung der Versicherer (UDV) eine wichtige und notwendige Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. „Die Staffel hat sich in drei Jahren bewährt und für mehr regelgerechtes Verhalten, sowohl von Autofahrern als auch von Radfahrern geführt“, sagte UDV-Leiter Siegfried Brockmann bei der Vorstellung der Abschlussstudie über die Wirksamkeit der Fahrradstaffel in Berlin.

Befragung

Bei der im Rahmen der Untersuchung durchgeführten Befragung hielten fast 70 Prozent der Berlinerinnen und Berliner in Mitte die Fahrradstaffel für sinnvoll. Vor dem Start waren es nur 43 Prozent. Im Kontrollbezirk Neukölln, wo keine Fahrrastaffel unterwegs war, veränderte sich die Meinung zur Sinnhaftigkeit einer Fahrradstaffel im Untersuchungszeitraum dagegen kaum. Noch deutlicher ist der Unterschied bei den Fahrradfahrern. Während sich in Mitte die Zahl derer, die glauben, bei einer Rotfahrt erwischt zu werden, fast verdreifachte, halbierte sich diese Zahl in Neukölln. Insgesamt wurden fast 640 Verkehrsteilnehmer befragt.

Beobachtung

Während des Einsatzes der Fahrradstaffel wurde auch das Verhalten von über 20.000 Radfahrern beobachtet. Das hat sich zwar auch in Neukölln verbessert, jedoch nicht so stark wie in Mitte, wo es Fahrradfahrer vor allem im Zeitraum vor der Untersuchung mit der Einhaltung von Verkehrsregeln nicht so genau nahmen.

Statement

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) beim GDV:

„Die Staffel hat sich in drei Jahren bewährt und für mehr regelgerechtes Verhalten, sowohl von Autofahrern als auch von Radfahrern geführt“.

Ordnungswidrigkeiten

Während des dreijährigen Untersuchungszeitraums wurden durch die Fahrradstaffel knapp 54.000 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen. Von Jahr zu Jahr nahm die Ahndung von Fehlverhalten der Kfz-Nutzer zu und von Radfahrern ab. Häufigste Vergehen der Autofahrer waren Fehler beim Parken und Halten, während Fahrradfahrer oft wegen Rotlichtverstößen „erwischt“ wurden. Und dabei wurde nicht einmal jedes beobachtete Fehlverhalten auch geahndet. Bei weniger gravierenden Fehlern (rund 30 Prozent) beließen es die Rad fahrenden Polizisten bei Ermahnungen.

Positive Unfallbilanz

Auch die Verkehrssicherheit wurde durch den Einsatz der Fahrradstaffel verbessert. Insgesamt hat sich die Zahl der Unfälle sowohl in Mitte als auch in Neukölln in den vergangenen drei Jahren zwar nicht verringert. Allerdings gingen die schweren Unfälle mit Radfahrern um fast die Hälfte zurück. Deutliche Erfolge zeigten sich auch an einstigen Unfallschwerpunkten, an denen die Fahrradstaffel auch besonders häufig im Einsatz war. Insgesamt analysierte die UDV knapp 8000 Fahrradunfälle.

Fazit

  • Die Fahrradstaffel wird von Verkehrsteilnehmern positiv wahrgenommen
  • Typische Regelverstöße konnten häufiger geahndet werden
  • Es wird deutlich regelkonformer gefahren
  • Schwere Radverkehrsunfälle sind zurückgegangen
  • Die Entwicklung in Unfallschwerpunkten ist deutlich positiv

 
Deshalb empfiehlt die Unfallforschung der Versicherer, die Fahrradstaffel fortzuführen und das Einsatzgebiet auszuweiten. Die dazu erforderliche personelle Aufstockung darf allerdings nicht zu Lasten anderer polizeilicher Aufgaben gehen.

Polizeiliche Planungen zur Zukunft der Fahrradstaffel

Auch die Polizei Berlin bewertet ihre Fahrradstaffel nach Ablauf der dreijährigen Projektlaufzeit als Erfolgsmodell: „Die Fahrradstaffel begegnete den Radfahrenden und anderen Verkehrsteilnehmenden von Beginn an auf Augenhöhe. Meine Kolleginnen und Kollegen widmen sich hauptsächlich den Risiken des Radverkehrs. Dabei ahnden sie aber nicht nur die Fehler von Radfahrenden, sondern kümmern sich auch ganz besonders um Verstöße des Kraftverkehrs, der den Radverkehr gefährdet. Meine Kolleginnen und Kollegen haben sich in den zurückliegenden Jahren eine hohe Akzeptanz erworben.“, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt.

Die Fahrradstaffel wird deshalb als zentrale Einheit unter Beibehaltung der bisherigen Aufgaben fortbestehen. Die Personalstärke wird vorerst unverändert bleiben. Vorrangiges Ziel ist es, den für die Projektlaufzeit vorübergehend abgeordneten 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dauerhaft feste Planstellen zuzuordnen. Erst danach ist sukzessive ein moderater und maßvoller Personalzuwachs geplant. Das bisherige Einsatzgebiet im Bezirk Mitte wird in den kommenden Jahren ausgeweitet, wenn der angestrebte Personalzuwachs realisiert ist. Die Auswahl künftiger Einsatzräume wird sich wieder an der konkreten Risikolage für Radfahrende orientieren. Die Staffel kann ihre heutige Unterkunft im Bezirk Mitte weiter nutzen und wird auch künftig an ihrer bekannten und auffälligen Sonderbekleidung das ganze Jahr über zu erkennen sein.

Ansprechpartner der UDV für Presseanfragen:

Siegfried Brockmann
Leiter Unfallforschung
Tel.: 030 / 20 20 – 58 20
Mobil: 0172 / 399 58 56
s.brockmann@gdv.de

Ansprechpartner der Polizei:

PD Andreas Tschisch
Leiter Fachstab „Verkehr“
im Stab des Polizeipräsidenten
Tel: 030/4664902400
Andreas.Tschisch@polizei.berlin.de