14.11.2017
Allensbach-Umfrage

Die Generation Mitte 2017 – Zentrale Ergebnisse im Überblick

Zum fünften Mal hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) beauftragt, die „Generation Mitte“ zu ihren Einstellungen sowie zu ihrer Einschätzung gesellschaftlich relevanter Themen zu befragen. In diesem Jahr standen Deutschlands Stärken und Schwächen, die Altersvorsorge und das Berufsleben und im Mittelpunkt der Studie. Dafür hat das IfD zwischen dem 1. und dem 23. August 2017 in einer repräsentativen Umfrage 1.053 Personen im Alter von 30 bis 59 Jahren befragt. Die zentralen Erkenntnisse der diesjährigen Studie.

Persönliche Lage

– Die „Generation Mitte“ bewertet ihre Lebensqualität so gut wie nie.

  • Vier von fünf Befragten (79%) bezeichnen ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut, 4 Prozent mehr als in den beiden Vorjahren.
  • 40 Prozent geben an, dass sich ihre Lebensqualität in den letzten fünf Jahren verbessert hat, nur 17 Prozent erkennen eine Verschlechterung.

– Die materiellen Sorgen der 30- bis 59-Jährigen erreichen neuen Tiefstand.

  • Für 34 Prozent hat sich die wirtschaftliche Lage in den vergangenen fünf Jahren verbessert, für nur 17 Prozent verschlechtert.
  • Angst vor eigener Arbeitslosigkeit äußern derzeit nur 23% der Befragten, im Vorjahr waren es noch 29%. Nur noch 16% sorgen sich, dass Familienangehörige arbeitslos werden könnten (Vorjahr: 26%).
  • Nur 34 Prozent sorgen sich um ihren derzeitigen Lebensstandard (Vorjahr: 40%), 50 Prozent um ihrem Lebensstandard im Alter (Vorjahr: 60%).

Deutschlands Stärken und Schwächen

– Die Generation Mitte zählt Demokratie und Marktwirtschaft zu den Stärken Deutschlands und hat ein überwiegend positives Staatsbild.

  • Eine klare Mehrheit von 56 Prozent der Befragten verbindet mit dem Staat überwiegend Positives, nur für 27 Prozent überwiegen negative Aspekte. Auch die EU-Mitgliedschaft wird weit überwiegend positiv gesehen: 49 Prozent sind der Meinung, sie würde die Chancen für die Generation Mitte verbessern, eine Verschlechterung vermutet nur eine kleine Minderheit von 6 Prozent.
  • Nichtsdestotrotz plädiert knapp die Hälfte der Befragen (47%) dafür, dass Deutschland zukünftig verstärkt die eigenen nationalen Interessen verfolgen sollte, 37% halten das nicht für den richtigen Weg. Auch eine verstärkte europäische Integration findet nur bei einer Minderheit der 30- bis 59-Jährigen Unterstützung: 13 Prozent sprechen sich dafür aus, jeder Dritte (32%) hält die derzeitige Verteilung der Zuständigkeiten für angemessen, 37 Prozent würden mehr Befugnisse an die einzelnen Mitgliedsstaaten zurückverlagern.
  • An der Spitze der Stärken Deutschlands stehen nach Ansicht der Generation Mitte das kulturelle Angebot (83%) und die hohe Lebensqualität (80%), gefolgt von der Meinungs- und Pressefreiheit (80%), dem Gesundheitssystem (79%), der Rechtssicherheit (67%) sowie der politischen Stabilität (67%). Eine weitere große Stärke des Landes sehen die Befragten in den Leistungen von Wissenschaft und Forschung (72%), der Leistungsbereitschaft der Menschen (70%) und der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen (69%).

– Politischen Handlungsbedarf sieht die Generation Mitte beim sozialen Ausgleich, der Integration von Zuwanderern und dem Pflege- und Rentensystem.

  • 77 Prozent der 30- bis 59-Jährigen sehen die Verteilung von Einkommen und Vermögen als Schwäche Deutschlands, ein wachsender Unterschied zwischen Arm und Reich wird zudem am häufigsten als Risiko für die weitere Entwicklung des Landes angesehen (72%). Ebenfalls als Schwächen wahrgenommen werden der soziale Ausgleich (54%), die Chancengleichheit (53%) und die Absicherung gegen Armut (52%).
  • Im Gegensatz zum als Stärke wahrgenommenen Gesundheitssystem sehen 66 Prozent bzw. 59 Prozent der Befragten das Pflege- sowie das Rentensystem als Schwächen in Deutschland.
  • Eine stärkere staatliche Unterstützung wird daher insbesondere für Pflegebedürftige und deren Angehörige (80 bzw. 87%) gefordert, gefolgt von Alleinerziehenden (77%), Kindern aus Familien mit geringem Einkommen (68%) und Bewohnern strukturschwacher Regionen (66%).
  • 62 Prozent der Generation Mitte erkennen bei der Integration von Zuwanderern eine Schwäche. 65 Prozent sehen die hohe Zahl der Flüchtlinge als Risiko für die weitere Entwicklung Deutschlands.
  • Als wichtigste Aufgaben für die neue Bundesregierung nennen die 30- bis 59-Jährigen die Sicherung des Gesundheits- und des Rentensystems (84% bzw. 76%), die Verringerung sozialer Unterschiede (79%) und die Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität (78%). Persönliche Vorteile erhoffen sich die Befragten zudem von sinkenden Steuern und Abgaben (66%) und stabilen Preisen (62%).



Beruf

– Die Generation Mitte stellt hohe und weiter wachsende Anforderungen an ihr berufliches Umfeld.

  • Vor dem Hintergrund der guten Beschäftigungslage ist die Arbeitsplatzsicherheit nur noch ein Faktor neben vielen anderen, die für die Generation Mitte relevant sind: Der Beruf soll in einem Gesamtpaket aus weichen und harten Faktoren rundum zufriedenstellen.
  • Neben dem sicheren Arbeitsplatz (91%) stehen ganz oben auf der Wunschliste nette Kollegen (89%) und gute Vorgesetzte (79%), eine gute Altersversorgung (76%) und die Vereinbarkeit der beruflichen Anforderungen mit der Familie (74%).
  • Im Vergleich zu 2015 sind fast sämtliche Anforderungen an den Arbeitsplatz gewachsen. Wichtiger geworden sind den Befragten insbesondere eine gute Altersversorgung (+9% auf 76%), wenig Überstunden (+10% auf 65%), ein kurzer Arbeitsweg (+9% auf 63%), ein hohes Einkommen (+9% auf 57%) und flexible Arbeitszeiten (+8% auf 56%).

– Die tatsächliche berufliche Situation der 30- bis 59-Jährigen erfüllt die hohen Anforderungen nur zum Teil.

  • Die größte Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit besteht hinsichtlich einer guten betrieblichen Altersversorgung. Sie wird von 76 Prozent als wichtiger Aspekt genannt, aber nur 26 Prozent sehen dies als erfüllt an. Ähnlich große Abstände existieren bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (74% zu 37%), guten Aufstiegschancen (51% zu 14%) und dem beruflichen Stress (49% zu 14%).
  • Ärger, Leistungs- und Termindruck bei der Arbeit sind für die Generation Mitte der mit Abstand größte Stressauslöser (56%). Unter den 30- bis 59-Jährigen leiden 28 Prozent häufig, 51 Prozent gelegentlich unter Stress.

Altersvorsorge

– Die Generation Mitte sieht das Rentensystem als Schwäche, befürwortet aber nur wenige Reformmaßnahmen.

  • 59 Prozent der Befragten nehmen das Rentensystem als eine Schwäche Deutschlands wahr, dennoch stoßen nur wenige Reformmaßnahmen auf mehrheitliche Zustimmung: 71 Prozent der Befragten befürworten, alle Berufsgruppen in die gesetzliche Rente einzahlen zu lassen, 58 Prozent sprechen sich für eine stärkere Förderung betrieblicher und privater Altersvorsorge aus.
  • Mehrheitlich nicht unterstützt werden ein staatlich vorgegebenes Produkt für die private Altersversorgung (39%), die Gründung eines staatlichen Rentenfonds (28%), eine Pflicht zur privaten Vorsorge (16%), die Erhöhung der Rentenbeiträge (13%) oder des Renteneintrittsalters (7%).

– Trotz guter finanzieller Lage kein Geld für die private Altersvorsorge.

  • Auch wenn 55% der Befragten ihre wirtschaftliche Lage als (sehr) gut und weitere 31% zumindest als teilweise gut bezeichnen, ist der meistgenannte Grund für eine unzureichende Altersvorsorge fehlender finanzieller Spielraum (62%).

– Eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit findet nicht viele Anhänger – ist für die Generation Mitte aber unter bestimmten Umständen denkbar.

  • 40 Prozent der Befragten können noch nicht sagen, wann sie in Rente gehen wollen bzw. machen den Renteneintritt von den Umständen abhängig. 24 Prozent wollen bis zum gesetzlichen Eintrittsalter arbeiten, 29 Prozent früher aufhören und nur 7 Prozent wollen länger arbeiten.
  • Nur eine Minderheit der Befragten schließt einen späteren persönlichen Renteneintritt kategorisch aus. Von den Befragten, die nicht länger arbeiten wollen, könnten 47% mit höheren Rentenansprüchen, 37% mit weniger Wochenstunden und 24% mit einem höheren Stundenlohn zu einer längeren Lebensarbeitszeit bewegt werden. 23 Prozent würden nur noch bestimmte Aufgabengebiete übernehmen, 23 bzw. 21 Prozent knüpfen die Bereitschaft zu einer längeren Lebensarbeitszeit an zusätzliche Urlaubstage oder Zusatzprämien.

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Generation Mitte 2017

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