11.10.2017
Zukunft der Lebensversicherung

Die wichtigsten Antworten zum so genannten „Run-off“

Unter dem Schlagwort „Run-off“ haben zahlreiche Medien über mögliche strukturelle Veränderungen in der Lebensversicherungsbranche berichtet. Was verbirgt sich dahinter und welche Veränderungen stehen für die Versicherten an?

Was ist ein „Run-off“?

Eine Versicherungsgesellschaft im so genannten „Run-off“ ist eine Gesellschaft, die kein Neugeschäft mehr betreibt. Der vorhandene Bestand an Versicherungsverträgen wird wie vertraglich vereinbart bis zum Ende der Laufzeit fortgeführt. Da keine neuen Verträge hinzukommen, reduziert sich der Bestand nach und nach und läuft aus.

Ein „Run-Off“ muss nicht an komplette Gesellschaften gebunden sein, sondern kann auch lediglich Teilbestände eines Unternehmens betreffen. In der unternehmerischen Praxis können Teilbestände in eigenen Gesellschaften zusammengefasst oder an andere Unternehmen übertragen werden.

Was bedeutet das für die Kunden?

Für die Kunden ändert sich nichts. Die Verträge werden unverändert fortgeführt. Die Versicherten erhalten auch zukünftig alle garantierten Leistungen, also insbesondere die garantierten Kapital- und Rentenzahlungen. Darüber hinaus werden Kunden unverändert an den anfallenden Überschüssen beteiligt. Dies ist im Versicherungsaufsichtsgesetz geregelt. Sämtliches Vermögen inklusive der zugehörigen Bewertungsreserven, das mit den Prämienzahlungen des Versichertenkollektivs geschaffen wurde, bleibt diesem Kollektiv erhalten.



Können Verträge an andere Unternehmen verkauft werden?

Eine Lebensversicherung, die ihr Neugeschäft komplett eingestellt hat, kann innerhalb eines Konzerns weitergeführt oder auch verkauft werden. Lebensversicherungsbestände ohne Neugeschäft können auch im Rahmen einer so genannten Bestandsübertragung an andere Lebensversicherer veräußert werden. Ein Verkauf einzelner Verträge ist ausgeschlossen. Wird eine ganze Gesellschaft veräußert, ist auch ein Verkauf an einen Investor möglich.

Können Kunden von einem Verkauf profitieren?

Versicherer, die Vertragsbestände übernehmen, können durch die Bündelung der Verträge auf darauf spezialisierten einheitlichen Plattformen erhebliche Kosteneinsparungen in der Verwaltung erzielen. Davon profitieren dann auch die Kunden: Denn an den entstehenden Kosten-Überschüssen müssen die Kunden zu mindestens 50 Prozent beteiligt werden. Das ist gesetzlich geregelt. Gleichzeitig können aufwändige Servicedienstleistungen wie beispielsweise die Kundenbetreuung auch außerhalb normaler Geschäftszeiten gewährleistet bleiben.

Was passiert mit dem Kundenvermögen?

Das gesamte Kundenvermögen eines Bestandes bleibt den betroffenen Verträgen erhalten. Es wird inklusive der zugehörigen Bewertungsreserven zusammen mit den Verträgen an die übernehmende Gesellschaft übertragen. Die BaFin stellt sicher, dass der Übernehmer über ausreichend Kapital verfügt, um alle vereinbarten Leistungen zu erfüllen. Gegebenenfalls kann die Aufsicht verlangen, dass Übernehmer zusätzliches Kapital bereitstellen.

GDV-NEWSLETTER

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Der GDV-Newsletter bietet einen aktuellen Überlick über die wichtigsten Themen der Versicherungswirtschaft – immer donnerstags in Ihrem E-Mail-Postfach.
Hier abonnieren

Wie ist sichergestellt, dass Kundeninteressen gewahrt bleiben?

Die Versicherungsaufsicht prüft jede Bestandsübertragung vorab. Sie genehmigt eine Übertragung nur dann, wenn diese die Kunden nicht benachteiligt. Unternehmen bzw. Investoren, die einen Versicherungsbestand übernehmen wollen, müssen nachweisen, dass sie über ausreichend Kapital zur Finanzierung aller bestehenden und künftig entstehenden Leistungsverpflichtungen gegenüber den Kunden verfügen. Außerdem müssen sie ihre Zuverlässigkeit nachweisen und darlegen, welche Geschäftsziele sie mit der Bestandsübernahme verfolgen.

Können Lebensversicherer ins Ausland verkauft werden?

Lebensversicherungen mit Überschussbeteiligung können nach Auffassung der BaFin grundsätzlich nicht ins Ausland verkauft werden, da die gesetzlichen Regelungen zur Überschussbeteiligung der Kunden nur in Deutschland gelten. Allerdings können sich ausländische Unternehmen an einer deutschen Gesellschaft beteiligen, die ihrerseits einen Lebensversicherungsbestand übernimmt.
Nicht jeder Investor kann sich an deutschen Versicherungsunternehmen beteiligen. Zuvor muss jeder in- oder ausländische Investor ein Inhaberkontrollverfahren durchlaufen, bei dem er von der BaFin „durchleuchtet“ werden. Unter anderem werden die Zuverlässigkeit, die Ziele, die Bonität und die Herkunft der Mittel für den Kauf untersucht.

Schlagworte