18.10.2017
Kolumne Regierungsbildung

Die politische Agenda der Generation Mitte

Die Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Koalition haben begonnen. Das ist gut, denn wir brauchen angesichts des Wahlergebnisses zügig klare Perspektiven. Was die 30- bis 59-Jährigen von einer neuen Bundesregierung erwarten, hat unser Verband bereits vor der Wahl erhoben – unter den Antworten sind etliche Themen mit Versicherungsbezug. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Die 30- bis 59-Jährigen sind traditionell am meisten gefordert: Sie stehen mitten im Berufsleben, finanzieren die sozialen Sicherungssysteme, zahlen Steuern und sorgen oft zusätzlich für ihr Alter vor. Sie kümmern sich um die Erziehung ihrer Kinder. Viele wachsen gleichzeitig in die Rolle des Kümmerers für die Eltern hinein. Kurz: Die mehr als 35 Millionen Mitglieder der Generation Mitte sind die Leistungsträger unserer Gesellschaft.

Von der Gestaltungsmacht der Generation Mitte

Die Generation Mitte prägt die Gesellschaft. Ihr kommt gleichzeitig viel Gestaltungsmacht zu. Genau deshalb fühlen wir zusammen mit dem Institut für Demoskopie Allensbach den Bürgerinnen und Bürgern dieser Generation repräsentativ den Puls – mittlerweile schon zum fünften Mal in Folge. Ängste, Bedürfnisse, Ansprüche, Wünsche, Einstellungen – im November werden wir die diesjährige Studie im Detail vorstellen – und mit ihr ein Stimmungsbild der Gesellschaft skizzieren.

Die Auswertung aller Daten und ihre Interpretation läuft auf Hochtouren – angesichts der bevorstehenden Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, möchte ich allerdings vorab auf ein Ergebnis der Umfrage hinweisen: Mitte August haben wir gut 1000 Menschen gefragt: „Wenn Sie einmal an die Zeit nach der kommenden Bundestagswahl denken: Worum sollte sich die neue Bundesregierung besonders kümmern, was wäre Ihnen besonders wichtig?“

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Unter den Antworten (siehe Grafik) sind etliche Themen mit Versicherungsbezug: Ganz vorn platziert sich der Wunsch nach einem zukunftssicheren und bezahlbaren Gesundheitssystem, gefolgt von den Themen soziale Gerechtigkeit und innere Sicherheit. Schon auf Platz fünf steht dann das Anliegen: „Die Altersvorsorge an die zunehmende Alterung der Gesellschaft anpassen.“ Aber auch den „Umwelt- und Klimaschutz“ vorantreiben (Platz 14) oder den „Verbraucherschutz stärken“ (Platz18) gehen unsere Branche an.

Wir Versicherer sind uns unserer gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst – gerade auch in Sachen Altersvorsorge. Wir stecken mitten im demografischen Wandel – ein Prozess, der erst erkennbar wird, wenn man aus der Distanz und über größere Zeiträume darauf schaut – wie wir es etwa mit der Studie zur „Generation Mitte“ tun.

Was wir unter einer „Rentenpolitk mit Realismus“ verstehen, können Sie hier nachlesen. Das schließt natürlich nicht aus, dass unsere Branche auch Geld verdienen will und muss. Unsere Produkte ergänzen staatliche Instrumente der Altersvorsorge nicht nur – gerade in Zeiten der politischen Willensbildung konkurrieren sie teilweise auch mit ihnen, und zwar immer wenn es um die Frage geht: Wieviel staatliche Altersvorsorge ist nötig und wieviel private Altersvorsorge ist sinnvoll? Eine Frage, die absehbar und nachvollziehbar auch in den kommenden Koalitionsverhandlungen aufs Neue ausgelotet werden wird.

Ansprüche, die gerade an unsere Branche zu Recht adressiert werden

Privatwirtschaftliche Angebote müssen ihren Wettbewerbsvorteil dabei stets neu bestimmen, ihn stets klar und deutlich ausspielen können. Berechenbarkeit, Verlässlichkeit und Transparenz sind Ansprüche, die gerade an unsere Branche zu Recht adressiert werden. Gerade weil wir auch die Unterstützung der Politik brauchen, die die Vorteile unserer Angebotes für die Bürger erkennen und – wo sinnvoll und notwendig – auch fördern muss, wie es etwa bei Riester-Verträgen der Fall ist.

Wir freuen uns darauf, Ihnen im November die vollständige Erhebung zur Generation Mitte vorstellen zu können.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth
 

Jörg von Fürstenwerth