13.09.2017
Kolumne Umbrüche

Von Arnoldi bis zum Versicherungstag 2017

Manchmal bleiben die Probleme im Grunde genommen dieselben, nur die Strategien, um sie zu lösen, passen sich der Zeit an. Aber natürlich ändern sich die Rahmenbedingungen einer Branche manchmal auch von Grund auf. Umbrüche erleben wir in jedem Fall – und „Beharrlichkeit übt sich an Hindernissen“. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Es gibt Dinge, die ändern sich nie: So wusste schon Ernst Wilhelm Arnoldi in seinen Sittentafeln für den Handlungslehrling aus dem Jahr 1818 zu berichten: „Selbstbeherrschung, wenn Du sie jetzt übst, wird in reiferen Jahren Dich beglücken.“ Worte, gerichtet an den kaufmännischen Nachwuchs, dessen systematische Ausbildung Arnoldi – dem wohl prominentesten Wegbereiter des deutschen Versicherungswesens – am Herzen lag.

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Ein Besuch im Deutschen Versicherungsmuseum in Gotha

Die Geschichte dieses Mannes ist eindrucksvoll zusammengetragen im Deutschen Versicherungsmuseum Ernst Wilhelm Arnoldi im thüringischen Gotha, dessen Besuch ich Ihnen hiermit ans Herz legen möchte. Unter den Exponaten findet sich auch eine Kollektion von Sparuhren, die von Versicherungen und Banken ab Mitte der 1930er Jahre an ihre Kunden verteilt wurden. Nur wenn regelmäßig Münzen in einen Schlitz eingeworfen wurden, konnte die Uhr aufgezogen werden. War die Uhr voll, kam der Versicherungsvertreter, um die Geldboxen zu leeren und die Beträge den Kunden als Prämienzahlung für die Lebensversicherung gutzuschreiben.

Mit Blick auf aktuelle Probleme in der Altersvorsorge denke ich manchmal, dass diese Sparuhren gar keine schlechte Erfindung waren. Das dahinter liegende Problem des Aufschiebens – neudeutsch Prokrastination – ist bis heute weit verbreitet: Der nächste Urlaub erscheint immer wertvoller, als die Vorsorge für den fernen Ruhestand – ein Problem auf das wir Versicherer stetig hinweisen, früher wie auch heute noch.

Sie sehen: Manchmal bleiben die Probleme im Grunde genommen dieselben, nur die Strategien, um sie zu lösen, passen sich der Zeit an. Aber natürlich ändern sich die Rahmenbedingungen einer Branche manchmal auch von Grund auf: Der demografische Wandel etwa verschärft die Folgen des Aufschiebens einer privaten Altersvorsorge enorm und entwickelt auch evidente volkswirtschaftliche Folgen. Digitalisierung, Klimawandel, Brexit sind weitere Schlagwörter, die unsere Branche unmittelbar betreffen und herausfordern. Umbrüche erleben wir so oder so: Wir erleben gar Zeiten des Wandels in einem Ausmaß, wie Viele es sich vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen konnten.

„Beharrlichkeit übt sich an Hindernissen“

„Umbrüche gestalten“ ist daher das Thema des Versicherungstages 2017, der wir am 27. September in Berlin veranstalten wollen. Ich freue mich sehr, dass wir den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie den Historiker Sir Christopher Clark als Redner gewinnen konnten. Beide wissen zweifellos, wovon sie sprechen, wenn es um das Thema „Umbrüche“ geht – und wie man diese produktiv gestalten kann.

Lassen Sie mich mit Arnoldi schließen: „Beharrlichkeit übt sich an Hindernissen. Hältst Du die Zeit zu Rate, so hast Du Zeit. Nützest Du sie, so wirst Du reich.“

Auch in diesem Sinne: Ich bin gespannt auf unsere Redner und die Diskussion.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth