20.09.2017
Naturgefahren

Die Starkregen-Bilanz eines Sommers

Am 22. September beginnt der kalendarische Herbst. Zeit, auf den Sommer zurückzublicken. Welchen Sommer, fragen sich die Menschen in Berlin und im Harz. Ihnen bleibt vor allem der viele Regen in Erinnerung. Doch das ist nur ein Ausschnitt des Wetters – das Fazit der Versicherer dürfte daher überraschen.

Von wegen Sommer, Sonne, Sonnenschein: Etliche Menschen haben das Wetter der vergangenen drei Monate ganz anders in Erinnerung. Starkregen und Überschwemmungen prägten in einigen Teilen Deutschlands das Sommerwetter. Gerade in und um Berlin gab es viele Niederschläge.

Der Deutscher Wetterdienst (DWD) gibt an, dass die Region Berlin-Brandenburg den nassesten Sommer seit Beginn der Messungen erlebt habe. Mit 420 Litern pro Quadratmeter fiel mehr als doppelt so viel Regen wie sonst zu dieser Jahreszeit üblich. Großen Anteil daran hatten die extremen Dauerregenfälle vom 20. Juni bis 2. Juli. Sie allein verursachten in Berlin und Brandenburg Schäden von rund 60 Millionen Euro: überflutete Keller, unterspülte Straßen sowie überschwemmte Wiesen und Felder. Insgesamt wurden in dem Zeitraum ein Schadenaufwand von 600 Millionen Euro durch Starkregen und Hagel, an Gebäuden, im Hausrat und an Autos festgestellt.

200 Liter Regen innerhalb von 24 Stunden

Am 29. Juni regnete es in Berlin-Tegel innerhalb von 24 Stunden fast 200 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind es im Schnitt im ganzen Jahr knapp 800 Liter pro Quadratmeter.

Auch im Harz bleiben vom Sommer vor allem die Unwetter in Erinnerung: Vom 24. bis 26. Juli sorgte das Tief Alfred in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen für besonders starke Niederschläge. An der Eckertalsperre im Harz maß der DWD innerhalb von drei Tagen 302 Liter Regen pro Quadratmeter. Auch dort überfluteten die Wassermassen viele Keller und verursachten Straßenschäden in Millionenhöhe.

2017 bislang kein außergewöhnliches Schadenjahr

Während die Bewohner des Harzes an den Regen zurückdenken, erinnern sich die Bayern und Baden-Württemberger hingegen an viele schöne Tage: Im Süden schien die Sonne besonders häufig. In Regensburg gab es sogar 27 heiße Tage mit über 30 Grad – mehr als in den „Jahrhundertsommern“ 1947 mit 23 und 1994 mit 25. Insgesamt sei der Sommer von den großen Unterschieden zwischen dem mäßig warmen Norden und dem sehr heißen Süden geprägt gewesen, urteilt der DWD.

Wegen dieser ungleichen Wetterverhältnisse wird der Sommer 2017 für die deutschen Versicherer wohl auch nicht als ein schadenträchtiger Rekord-Sommer in die Geschichte eingehen. „Die Starkregenereignisse haben zwar für deutliche Schäden gesorgt – aber eben nur lokal begrenzt“, sagt Olaf Burghoff, Leiter Sachstatistik beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Extreme Niederschläge nichts Außergewöhnliches

„Solche extremen Wetterlagen mit stärksten, aber lokal eingeschränkten Regenfällen sind in Deutschland nichts Außergewöhnliches“, betont Burghoff. Im Juli 2014 setzte beispielsweise ein Starkregen Münster fast komplett unter Wasser. In Erinnerung sind auch noch die schweren Sommerunwetter von 2016, die Schäden in Höhe von 1,2 Milliarden Euro anrichteten – vor allem in Bayern und Rheinland-Pfalz. Nie zuvor hatten Unwetter mit heftigen Regenfällen in so kurzer Zeit so viele Schäden verursacht.

Dagegen dürfte sich der diesjährige Sommer in der Schadenstatistik eher als durchschnittlich einordnen, so Burghoff. Eines habe die Jahreszeit aber erneut bewiesen: Heftige Niederschläge – verbunden mit lokal hohen Schäden – könnten potenziell überall auftreten. „Eine Vorhersage ist extrem schwierig“, so Burghoff.

GDV und Deutscher Wetterdienst erforschen Starkregen

Zurzeit erforschen der GDV und der DWD in einem gemeinsamen Projekt, in welchen Gebieten statistisch mehr Niederschlag fällt und welches Schadenpotential dort besteht. Die beiden Partner betreten damit wissenschaftliches Neuland, denn derart detaillierte und belastbare Erkenntnisse über Starkregenrisiken gibt es bisher in Deutschland nicht. Zudem wird mit einem weiteren Partner (IAWG) untersucht, welchen Einfluss verschiedene Landformen wie Bergkuppen und Senken haben.

Während die gefährdeten Gebiete für Flussüberschwemmungen vergleichsweise einfacher zu bestimmen sind, lässt sich das Starkregenrisiko wesentlich schwerer abschätzen. Oft liegen die betroffenen Häuser in Gebieten mit dem geringsten Überschwemmungsrisiko. Die Menschen in diesen Regionen können sich also relativ einfach gegen die finanziellen Folgen eines solchen Unwetterereignisses versichern.

Nur die erweiterte Naturgefahrenversicherung bietet ausreichend Schutz

Doch vielen Betroffenen wird erst nach einem Wasserschaden bewusst, dass sie gegen Sturzfluten nicht versichert sind. Denn grundsätzlich gilt: Überschwemmungsschäden an Häusern und Hausrat können nur von der Versicherung ersetzt werden, wenn der Zusatzbaustein der erweiterten Naturgefahrenversicherung abgeschlossen wurde. Bundesweit haben diesen nur rund 40 Prozent der Hausbesitzer. Feuer- und Sturmversicherung allein sind noch kein Vollkasko-Schutz für das Haus.