08.08.2017
Karriere in der Versicherungsbranche

„Das Ausbildungsniveau steigt“

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleibt die Zahl der Lehrstellen in der Versicherungsbranche in diesem Jahr stabil. Um qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen, müssen die Unternehmen inzwischen einiges bieten. Dazu gehören duale Studienplätze, deren Zahl immer weiter steigt. Von Karsten Röbisch

Ungeachtet sinkender Beschäftigtenzahlen wird die Versicherungsbranche in diesem Jahr mindestens so viele Lehrstellen anbieten wie 2016. Diese Ansicht vertritt Michael Gold, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (AGV): „Ich rechne mit rund 4.200 neuen Ausbildungsplätzen in den Unternehmen und Vermittleragenturen. Das würde dem Vorjahresniveau entsprechen.“

Gold erwartet zudem, dass das Angebot an ausbildungsbegleitenden Studienplätzen weiter zunimmt – und sich die Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzt. Waren 2010 erst 7,8 Prozent der Auszubildenden in der Versicherungsbranche Teilnehmer eines dualen Studiengangs, so lag der Anteil 2015 bereits bei 12,9 Prozent. „Der Trend hält an. Dadurch steigt das Ausbildungsniveau insgesamt“, so Gold.

Der AGV-Geschäftsführer sieht in den Studienangeboten ein erfolgreiches Rezept, mit dem Versicherer im schärferen Konkurrenzkampf um Nachwuchs bestehen können. Denn die klassische Klientel für Ausbildungsberufe schrumpft. Laut Prognose des Bundesinstituts für Berufsbildung wird die Zahl der nichtstudienberechtigten Schulabgänger von derzeit gut 500.000 bis zum Jahr 2025 auf 450.000 sinken. Zum einen gibt es insgesamt weniger Schüler, zum anderen legt ein größerer Anteil von ihnen das Abitur ab, um im Anschluss zu studieren.

Um eben auch diese Talente für sich zu gewinnen, bieten Versicherer immer mehr duale Studienplätze an. Praktikumsangebote, Schnuppertage und Kooperationen mit Schulen sollen gleichzeitig helfen, das Interesse von Schülern an einer Lehre in der Versicherungsbranche zu wecken. Die Branche wirbt auch um neue Bewerbergruppen wie Studienabbrecher – und ködert Interessenten mit Vergünstigungen wie flexible Arbeitszeiten oder Zuschüsse zum Nahverkehr. „Die Unternehmen müssen inzwischen einiges bieten, um qualifizierten Nachwuchs zu bekommen“, sagt der AGV-Geschäftsführer.

Häufigster Ausbildungsberuf ist weiterhin der Kaufmann beziehungsweise die Kauffrau für Versicherungen und Finanzen – mit einem Anteil von rund 85 Prozent. Doch er schrumpft beständig. Dafür werden andere Spezialisten stärker gesucht, etwa Fachinformatiker. „Die Vielfalt nimmt zu. Das liegt sicherlich auch an neuen Anforderungen, die die Digitalisierung an die Branche stellt“, so Gold.

Insgesamt beschäftigten die Versicherer und die von ihnen mitfinanzierten Agenturen Ende 2016 zusammen 13.700 Auszubildende. Die Ausbildungsquote – der Anteil der Lehrlinge an der Gesamtbeschäftigung – lag nach AGV-Angaben bei 6,5 Prozent. Dieser Wert ist in den vergangenen Jahren zwar leicht gesunken, liegt aber noch über dem Durchschnitt. Über alle Branchen hinweg kamen 2015 auf 100 Beschäftigte durchschnittlich 5,1 Auszubildende – wie Berechnungen des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen zeigen.

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