26.07.2017
Kolumne Standort-Wettbewerb

Vom deutschen Silicon Valley der Finanzbranche

Die Versicherungswirtschaft wandelt sich rasant – begleitet und befördert auch durch Fin- und Insurtechs. Die Folge ist ein Wettbewerb deutscher Standorte um Gründer und Ideen der Startup-Szene. Gut so – denn Versicherer sind mehr denn je gefordert, das Beste aus den Chancen zwischen der 1 und 0 herauszuholen. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Mehrere Städte Deutschlands bringen sich in Stellung: München und Köln werben um Insurtechs, Frankfurt vor allem um Fintechs, welche das Bankgeschäft umkrempeln wollen. Und da ist Berlin: Die Hauptstadt hat zwar in Sachen Finanzbranche weniger in die Waagschale zu werfen, dafür aber ist sie unangefochtenes Zentrum für digitale Start-ups in Deutschland. Egal wo wir uns befinden – überall ist die Rede von einem deutschen Silicon Valley der Finanzbranche.

Europäische Fintech-Strategie unter Wahrung gleicher Wettbewerbsbedingungen

Gut so – denn Versicherer sind mehr denn je gefordert, das Beste aus den Chancen zwischen der 1 und 0 herauszuholen. Wenn etablierte Versicherer es nicht tun, tun es neue und agile Wettbewerber. Sogar die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer europäischen Strategie zur Förderung von Fintechs. Hier spielen Schlagwörter wie Big Data, künstliche Intelligenz oder Blockchain eine Rolle – und natürlich der Verbraucherschutz. An der öffentlichen Konsultation der EU-Kommission zu diesem Thema hat sich der GDV beteiligt und macht sich für eine europäische Fintech-Strategie unter Wahrung gleicher Wettbewerbsbedingungen stark.

Viele Fragen die dort im Kleinen diskutiert werden, betreffen unsere Branche auch im Ganzen: Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt verändern. Das heißt aber eben nicht, dass der Computer den Menschen unweigerlich ersetzt. Viele Berufe werden sich verändern – und die Beschäftigten werden sich diesem Wandel anpassen. Weiterbildung wird zentral für den Erfolg des einzelnen Arbeitnehmers wie auch für den Erfolg von Unternehmen. Die Versicherungswirtschaft befördert diesen Wandel – und ja: holt sich dafür auch neue Impulse von außen – durch Übernahmen, Inkubatoren, Beteiligungen und das Investieren von Venture Capital.

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Die Voraussetzungen dafür, dass Versicherer den digitalen Kulturwandel schaffen, stehen gut. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Insurtechs etablierte Versicherer verdrängen. Im Gegenteil: Traditionelle Versicherer haben Stärken und Alleinstellungsmerkmale, die von neuen Wettbewerbern nur schwer nachgebildet werden können: Umfassenden Kenntnis der gesamten Wertschöpfungskette, die Erfahrung mit komplexen Regulierungsvorgaben und nicht zuletzt die Finanzkraft.

Berlin als Fintech-Hauptstadt Europas? Stimmen Sie ab!

Dennoch bleiben wir wachsam und beweglich: Gerade deshalb passiert gerade etwas– mit Unterstützung von Versicherern – in vielen Städten Deutschlands. Wir haben übrigens schon vor einiger Zeit im GDV-Magazin „Positionen“ gefragt: „Profitiert Berlin vom Brexit – und löst London als Fintech-Hauptstadt Europas ab?“ In einem Pro und Contra stehen sich Christopher Grätz, Gründer und Vorstand des Berliner Online-Kreditmarktplatzes Kapilendo, (Pro) sowie der Gründer der digitalen Vermögensverwalters Vaamo aus Frankfurt, Oliver Vins, (Contra) gegenüber.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth