05.07.2017
Kolumne Berufshaftpflichtversicherung

Viele kleine Schritte sichern freiberufliche Hebammen ab

Werdende Mütter können sich auch in Zukunft dafür entscheiden, die Geburt ihres Kindes von einer freiberuflichen Hebamme begleiten zu lassen. Der Gruppenvertrag über den notwendigen Versicherungsschutz wurde jüngst bis ins Jahr 2021 verlängert. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen leistet die Assekuranz ihren Beitrag dazu, dass freiberufliche Hebammen ihre wichtige Aufgabe in der Geburtshilfe wahrnehmen können. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Freiberufliche Hebammen leisten in der Geburtshilfe unschätzbare Dienste für werdende Mütter und für Neugeborene. Ihren Berufsstand zu erhalten ist das vorrangige Ziel aller beteiligten Akteure: Hebammen selbst, Versicherungen, Krankenkassen und die Politik müssen gemeinsam dafür sorgen, die Existenz freiberuflicher Hebammen in der Geburtshilfe auch in Zukunft zu gewährleisten.

Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen ist schwer kalkulierbar

Diese Aufgabe ist für die Versicherer keineswegs leicht, denn die Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen ist nur schwer kalkulierbar. Der Grund: Neugeborene, die bei der Geburt schwere gesundheitliche Schäden erleiden mussten, haben dank neuer Behandlungsmethoden und intensiver Pflege eine immer größere Lebensqualität – und zum Glück auch eine immer längere Lebenserwartung. Folgerichtig steigen damit auch die Ausgaben für die Behandlungs- und Pflegekosten, die sich für jeden einzelnen der jungen Patienten auf mehrere Millionen Euro belaufen können. Der erfreuliche medizinische Fortschritt kommt bei den Hebammen und damit bei ihren Haftpflichtversicherern dementsprechend als höhere Entschädigungszahlung an. In der Folge sind die Versicherungsbeiträge für freiberufliche Hebammen in der Geburtshilfe stark angestiegen – obwohl sie nicht mehr Fehler machen als früher und obwohl die Vergütung der Hebammen ihrer hohen Verantwortung kaum gerecht wird.

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Jedwede Einschränkung des Opferschutzes ist indiskutabel.

Was also kann in dieser Situation getan werden? Klar ist: In einer Gesellschaft, die der Würde des Menschen den höchsten Wert zuerkennt, stehen der Schutz und die umfassende Entschädigung der jungen Betroffenen und ihrer Familien an erster Stelle – jedwede Einschränkung des Opferschutzes ist von vornherein indiskutabel. Gleichzeitig folgt aus dem Prinzip der Eigenverantwortung, dass Hebammen wie andere Berufsgruppen auch für ihre Fehler verantwortlich gemacht werden – eine Übernahme der Kosten durch die Allgemeinheit würde grundlegenden rechtsstaatlichen Prinzipien widersprechen.

Die Lösung liegt wie so oft bei komplexen Problemlagen also nicht in einem großen, sondern in vielen kleinen Schritten, die alle Beteiligten gehen müssen. Die Versicherungswirtschaft hat dafür frühzeitig Vorschläge gemacht. Wie der Lösungsweg aussieht, steht inzwischen weitgehend fest: Hebammen verstärken die Prävention und das Risikomanagement, um die schon heute seltenen Fehler bei Geburten weiter zu senken. Damit sich auch Hebammen mit wenigen Geburten Versicherungsschutz leisten können, zahlen die Krankenkassen ihnen einen Sicherstellungszuschlag. Die Sozialversicherungsträger dürfen aufgrund gesetzlicher Regelungen unter gewissen Umständen, Hebammen nicht in Regress nehmen. Und die Versicherer schließlich werden ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht, indem sie das Risiko trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiterhin tragen und die Deckungssummen erhöhen – und Hebammen wie den werdenden Müttern damit Sicherheit geben.

Mit dieser gemeinschaftlichen Anstrengung aller Akteure kann es gelingen, eine ehemals nahezu ausweglos scheinende Situation zu lösen – und die Zukunft der rund 2.600 freiberuflicher Hebammen in der Geburtshilfe langfristig zu sichern.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth