19.07.2017
Kolumne Smarthome

Der Feind in meinem Heimnetz

Die Vernetzung in den eigenen vier Wänden boomt: Fernseher, Kameras, Rasenmäher, Espressomaschinen und selbst Kühlschränke sind heutzutage online. Das smarte Zuhause macht Spaß und mag in vielen Fällen praktisch sein, verbindliche Sicherheitsstandards fehlen allerdings. Das kann fatale Folgen haben. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

„Der Feind in meinem Netz“, ist der Titel eines Magazins, das wir für den deutschen Mittelstand produziert haben. Tenor: „IT-Risiken erkennen, vorbeugen und versichern.“ Prävention ist hier das A und O. Dennoch lassen sich nicht immer alle Gefahren erkennen und ausschließen. Mit der Veröffentlichung unverbindlicher Musterbedingungen durch unseren Verband wird sich der junge Markt der Cyber-Versicherungen für den Mittelstand hoffentlich dynamisch weiterentwickeln.

Und was ist mit Privatpersonen? „Der Feind in meinem Heim-Netz“ ist auch hier nicht zu unterschätzen, wie Nachrichten über massenhaft gekaperte E-Mail-Accounts, Online-Betrug und gestohlene Identitäten regelmäßig aufs Neue belegen.

Global wird mit 8,4 Milliarden vernetzten Geräten gerechnet

Daneben wächst jedoch in deutschen Haushalten ein zweites Problemfeld mit exponentieller Geschwindigkeit heran: Fernseher, Kameras, Rasenmäher, Espressomaschinen, Haushaltswaagen und selbst Kühlschränke sind heutzutage online. Das smarte Zuhause macht Spaß und mag in vielen Fällen praktisch sein, verbindliche Sicherheitsstandards fehlen allerdings. Spätestens mit dem Angriff des Mirai-Botnetzes wurde deutlich, wie leicht sich vernetzte Heimgeräte als Angriffsziel nutzen lassen. Und das Problem nimmt gewaltige Ausmaße an: So rechnet die Marktforschungsgesellschaft Gartner für das aktuelle Jahr global mit 8,4 Milliarden vernetzten Geräten. Das wäre immerhin fast ein Drittel mehr als noch im vergangenen Jahr.

Die Anbieter von Heimnetzwerktechnik schlicht zu verpflichten, sichere Geräte anzubieten, ist keine Lösung. Schon die Steuersoftware einfacher Hardware für das Heimnetzwerk ist zu komplex. Ein Beweis im engeren Sinne, dass das Programm fehlerfrei ist, kann kaum erbracht werden. Wirklich sicher ist so betrachtet kein Gerät. Vor allem aber ist Sicherheit nicht statisch, da sich Risiken mit dem technologischen Fortschritt verändern.

Wir brauchen also einen anderen Weg: Hersteller müssen ihre Produkte auch nach dem Verkauf im Blick behalten und sie im durchschnittlichen Nutzungszeitraum in Bezug auf die Cybersicherheit per Software-Updates weiter pflegen. Dies ist noch nicht selbstverständlich. Viele der Produkte werden in einer Preisklasse angeboten, die es dem Hersteller schwer macht, große Summen für die Softwareentwicklung auszugeben, geschweige denn, den Support für viele Jahre zu gewährleisten. Wenn die Risiken dieser Geräte aber auf Dauer tragfähig sein sollen, müssen sich Produkt- und Supportphilosophie grundlegend ändern. Unser Verband macht sich daher für die Kennzeichnung solcher Smarthome-Produkte stark, welche bestimmte Mindestanforderungen an die Cybersicherheit über den Lebenszyklus hinweg erfüllen. Die Details können Sie hier nachlesen.

GDV-NEWSLETTER

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Der GDV-Newsletter bietet einen aktuellen Überblick über die wichtigsten Themen der Versicherungswirtschaft – immer donnerstags in Ihrem E-Mail-Postfach.
Hier abonnieren

Muss jeder Wasserhahn am Internet hängen?

Hausrat-, Haftpflicht und Rechtsschutzversicherungen bieten bereits heute Bausteine an, mit denen sich Privatpersonen gegen bestimmte Formen von Cyberkriminalität absichern können. Was für Mittelständler gilt, gilt allerdings erst recht für das Zuhause: Prävention ist das A und O. Das beginnt ganz grundsätzlich: Bei allem Glauben an die Fortschritte durch Digitalisierung muss sicher nicht jeder Wasserhahn am Internet hängen. Der Grundsatz der Datensparsamkeit nimmt bei dieser Betrachtung eine völlig neue Bedeutung an. Viel wichtiger aber ist mir: Jede Milchtüte, jede Müsli-Packung hat heute ein aufgedrucktes Verfallsdatum – nur Smarthome Elektronik nicht. Einmal ausgeliefert sind viele dieser Produkte auf Gedeih und Verderb einem sicherheitstechnischen Verfall ausgeliefert.

Hier müssen wir gegensteuern – damit aus dem Spaß am smarten Zuhause kein digitaler Albtraum wird.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth