14.06.2017
Brandschutz

So sind Hochhäuser in Deutschland gegen Brände geschützt

Bei einem schweren Brand in einem Londoner Hochhaus sind bis zu 79 Menschen ums Leben gekommen. Nun steht der Brandschutz in der Kritik. Versicherer arbeiten mit daran, technische und organisatorische Vorgaben zu entwickeln, die Großbrände verhindern helfen sollen. Welche Bestimmungen für deutsche Hochhäuser gelten – ein Überblick.

Das Feuer brannte im Londoner Grenfell Tower über Stunden hinweg, Trümmerteile stürzten herunter. Nach dem Feuer soll das Gebäude nun einsturzgefährdet sein. In dem Hochhaus, das 1974 gebaut wurde, war keine Sprinkleranlage eingebaut. Auch bei einer aufwändigen Renovierung im vergangenen Jahr war auf eine Nachrüstung verzichtet worden. Die britischen Brandschutzvorschriften gelten, ähnlich wie in Deutschland, nur für Neubauten und nicht für bestehende Gebäude.



Welche Brandschutzbestimmungen gelten für Hochhäuser in Deutschland?

Hochhausbrände haben ihre ganz eigene Dynamik. Brände entstehen nicht häufiger als in anderen Gebäuden, aber sie breiten sich wesentlich schneller aus. Auch das Londoner Hochhaus soll recht schnell in Flammen gestanden haben. Der Faktor Zeit spielt deshalb eine große Rolle, da meistens sehr viele Menschen in Gefahr sind. Für Gebäude, die höher als 22 Meter sind, gelten deshalb vergleichsweise strenge Vorschriften:

– Bei Hochhäusern bis 60 Meter Höhe sind zwei notwenige Treppenhäuser oder ein Sicherheitstreppenhaus mit Druckbelüftungsanlage vorgeschrieben.

– Bei Hochhäusern über 60 Meter müssen alle notwendigen Treppenhäuser als Sicherheitstreppenhäuser gebaut werden.

– Auch der Einbau von automatischen Feuerlöschanlagen (Sprinkleranlagen) ist vorgeschrieben. Ausgenommen sind Hochhäuser in Zellenbauweise, die niedriger als 60 Meter sind. Jede einzeln genutzte Fläche darf nicht größer als 200 m² sein.

Außenwände: An den Außenwänden dürfen grundsätzlich keine brennbaren Baustoffe verwendet werden.

Abfallschächte sind inzwischen verboten, um das Übergreifen des Feuers auf obere oder untere Etagen zu verhindern.

Elektrische Leitungen oder Datenleitungen, die über mehrere Geschosse führen, müssen in Installationsschächten angeordnet werden. Diese Schächte müssen entraucht werden können.

– Das Gebäude muss mit einer Brandmeldeanlage vollständig überwacht werden, um im Brandfall Bewohner und Rettungskräfte zu alarmieren.

Ziel der Brandschutzbestimmungen ist es, in erster Linie Menschenleben zu retten, die Brandbekämpfung zu ermöglichen sowie eine Ausbreitung von Feuer und Rauch zu verhindern. Versicherer arbeiten stets daran, technische und organisatorische Vorgaben zu entwickeln, die Großbrände wie aktuell in London verhindern helfen sollen.

Brandschutzvorschriften auch für bestehende Bauten anwenden

Ab einer Höhe von 22 Metern gilt ein Deutschland ein Gebäude als Hochhaus. Der Brandschutz für die hiesigen Wolkenkratzer ist über das Baurecht geregelt, vielfach über die „Muster-Hochhaus-Richtlinie“ (PDF). Darin ist unter anderem geregelt, welches Baumaterial verwendet werden darf, wie widerstandfähig dieses gegen Feuer sein muss und ob eine Feuerlöschanlage vorgeschrieben ist. Aber auch die Anzahl der Flucht- und Rettungswege ist in den Brandschutzbestimmungen geregelt.

Brandschutzbestimmungen gelten jedoch lediglich für Neubauten. Angesichts immer wieder auftretender Brände sollten sie jedoch auch für bestehende Hochhäuser gelten. Die baurechtlichen Vorschriften sollten entsprechend angepasst werden. Im Zuge der Diskussion über die mögliche Kostensenkung beim Wohnungsbau in einzelnen Bundesländern wird die Gestaltung der Rettungswege ebenfalls immer wieder thematisiert. Schwere Brände wie aktuell in London zeigen jedoch auf, dass ein Abbau der Brandschutzbestimmungen höchstkritisch zu sehen ist.