07.06.2017
Pro und Contra - Stimmen Sie ab!

Profitiert Berlin vom Brexit – und löst London als Fintech-Hauptstadt Europas ab?

Die Briten wählen ein neues Parlament. Ob Tory-Premierministerin Theresa May oder Labour-Chef Jeremy Corbin gewinnt, wird die Brexit-Verhandlungen mit der EU maßgeblich beeinflussen. Und damit auch die Chancen Berlins oder anderer deutscher Städte, London als Fintech-Hauptstadt Europas abzulösen. Was denken Sie? Schafft es Berlin? Oder eher doch nicht? Stimmen Sie ab!

Jetzt wird es ernst. Der Wille, im Zuge des Brexit etwas vom großen Kuchen des abbröckelnden Finanzplatzes London abzubekommen, wächst. Gleich drei große Finanzstandorte Deutschlands bringen sich in Stellung: München und Köln werben um Insurtechs, Frankfurt vor allem um Fintechs, welche die Bankenbranche revolutionieren. Und da ist Berlin: Die Hauptstadt hat zwar in Sachen Finanzbranche nur wenig in die Waagschale zu werfen. Dafür aber ist sie unangefochtenes Zentrum für digitale Start-ups in Deutschland. Wir haben deshalb im GDV-Magazin „Positionen“ gefragt: Profitiert Berlin vom Brexit – und löst London als Fintech-Hauptstadt Europas ab? In einem Pro und Contra stehen sich dort Christopher Grätz, Gründer und Vorstand des Berliner Online-Kreditmarktplatzes Kapilendo, (Pro) sowie der Gründer der digitalen Vermögensverwalters Vaamo aus Frankfurt, Oliver Vins, (Contra) gegenüber.

Köln will mit „Insurlab Germany“ punkten

Den jüngsten Anlauf, London den Rang abzulaufen, haben jetzt Versicherer am Rhein gestartet: Mit dem „Insurlab Germany“ wollen Schwergewichte wie Gothaer, R+V, Axa, Debeka, LVM Versicherung, Provinzial Rheinland sowie General Re über Kooperationen Start-ups den Zugang zu den eigenen Kunden ermöglichen. Zudem sollen mit den teilnehmenden Insurtechs Technologien und Angebote in Sachen Künstliche Intelligenz, E-Health und Virtual Reality entwickelt werden. „Gemeinsam haben wir das Potenzial, Köln zum nationalen und internationalen Insurtech-Standort auszubauen“, sagt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos).

Münchner Versicherer bringen sich in Stellung

Kampflos wird das kaum geschehen. Denn in München haben sich Bayerns Wirtschaftsministerium, Allianz, Nürnberger Versicherungsgruppe, Versicherungskammer Bayern, Munich Re und die ARAG aus Düsseldorf in einem „Werk1“ genannten Inkubator für Insurtechs zusammengeschlossen, zusätzlich zu vielen anderen Initiativen. Mit einem Förderprogramm will Werk1 Start-ups an die Branchenriesen binden.

Hessens Regierung trommelt für Frankfurt

In Frankfurt wiederum trommelt Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir immer wieder für den Finanzstandort am Main. In dem nach einem griechischen Halbgott genannten Pollux-Tower wurde im Beisein des Grünen-Politikers kürzlich ein neues Start-up-Zentrum eröffnet, hinter dem unter anderem das Land Hessen, die Stadt Frankfurt, die Förderbank KfW und die Frankfurter Goethe-Universität stecken. Kurz zuvor hatte die Deutsche Börse schon Ähnliches getan, im In-Viertel Bornheim.

Gegen die drei großen etablierten Finanzplätze Deutschlands tritt Berlin an – mit ganz anderen Qualitäten: Vergleichsweise günstige Lebenshaltung, geringere Büromieten sowie die große Tech-Community sorgen für Anziehungskraft. Auch die Fin- und Insurtech-Szene ist längst etabliert.

Berliner Start-up-Unternehmer sehen die Hauptstadt als Europas neues Fintech-Mekka

„In Deutschland“, sagt der Chef des digitalen Fest- und Tagesgeldvermittlers WeltSparen aus Berlin, Tamaz Georgadze, „zeichnet sich ein klares Bild: Waren im vergangenen September 179 Unternehmen (aus der Fin- und Insurtech-Szene) in Berlin ansässig, konnten München und Frankfurt nur mit einer Anzahl von 62 beziehungsweise 58 Unternehmen aufwarten.“ Malte Klussmann, Mitgründer des Berliner Start-up-Zahlungsdienstleisters Cringle, glaubt, dass Berlin zu Gute kommt, gerade keine Bankenstadt zu sein: „Innovation ist nichts, wo einfach ein Hebel umgelegt werden kann. Innovation ist ein Mindset, eine Unternehmenskultur.“ Und diese gebe es vor allem in Berlin.

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