19.06.2017
Thüringen startet Infoportal

Nur 46 Prozent der Häuser ausreichend gegen Wetterextreme versichert

Wie stark ist ihr Wohnhaus durch Hochwasser, Starkregen, Blitz und andere Naturgefahren gefährdet? Das erfahren die Thüringer ab jetzt auf dem Internetportal „Kompass Naturgefahren“. Mit der Freischaltung des Portals durch die Landesanstalt für Umwelt und Geologie ist Thüringen das fünfte Bundesland, das seinen Bürgern diesen Service bietet.

Bisher boten bereits Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Berlin einen solchen Dienst an. In dem Portal wurden hydrologische und geologische Daten des Landes Thüringens und der Deutschen Versicherer verständlich aufbereitet. Verbraucher können sie adressgenau und ohne Vorkenntnisse abrufen und sich ein leicht verständliches Bild über die eigene Gefährdung durch Naturgefahren verschaffen. „Unsere Erfahrung zeigt: Erst wenn die Menschen die Gefahr kennen, schützen sie sich“, sagt Dr. Bernhard Gause, Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Der Kompass Naturgefahren zeigt für jede Adresse in Thüringen an, wie hoch das Risiko etwa für Starkregen ist.

Die meisten Hausbesitzer unterschätzen die Gefahren für ihr Eigenheim. Nach Zahlen des GDV sind nur 46 Prozent der thüringischen Wohngebäude gegen Starkregen, Überschwemmungen und andere Naturgefahren versichert. „Vielen Hausbesitzern ist nicht bewusst, dass die Naturgewalten genauso verheerend wirken können wie Feuer. In manchen Jahren wurden mehr Häuser durch Überschwemmungen zerstört als durch Brände“, sagt Gause. Versicherungsschutz gegen Wetterereignisse sollte daher ebenso selbstverständlich sein wie eine Feuerversicherung. Jedes Haus kann von Überschwemmungen, Starkregen und anderen Naturgewalten betroffen sein.

Eigenvorsorge wird immer wichtiger

Die Ministerpräsidentenkonferenz hatte sich vor zwei Wochen dafür ausgesprochen, dass nach Unwetterschäden nur noch diejenigen staatliche Hilfsgelder erhalten, die sich erfolglos um eine Versicherung bemüht haben. Wer sich nicht schützt, geht künftig möglicherweise leer aus. Die gute Nachricht für Verbraucher: „Nahezu alle Gebäude lassen sich problemlos versichern“, so Gause, „130 Versicherer sind mit entsprechenden Angeboten am Markt.“ Außerdem sprach sich die Ministerpräsidentenkonferenz dafür aus, ein bundesweites Naturgefahrenportal einzurichten zu wollen. Dort könnte sich dann jeder über seine eigene Gefährdung durch Naturgefahren informieren, um dann entsprechende Schritte zum Versicherungsschutz und geeigneten Präventionsmaßnahmen einzuleiten.

Die Versicherungswirtschaft unterstützt dieses Vorhaben ausdrücklich und ist bereit, am Aufbau dieses Portals mitzuwirken. Der Kompass Naturgefahren kann hierzu als Machbarkeitsstudie dienen.