28.06.2017
Regulierung und Aufsicht kompakt

IFRS 17 und die Folgen für die Versicherungswirtschaft

Der internationale Rechnungslegungsstandard IFRS 17 schafft erstmals eine weltweit einheitliche Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen. Welche Änderungen damit auf deutsche Versicherungsunternehmen zukommen, erläutert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in der aktuellen Ausgabe von „Regulierung & Aufsicht kompakt“.

Die neuen Bilanzierungsvorgaben gelten ab 1. Januar 2021, verpflichtend sind sie zunächst nur für die Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Versicherer. Für alle übrigen Abschlüsse, insbesondere für die Einzelabschlüsse, gilt unverändert das Handelsgesetzbuch (HGB). Zur Orientierung: Das Jahr 2015 bilanzierten in Deutschland 15 Versicherungskonzerne nach IFRS, 43 Konzerne nach HGB.

„Positiv ist insbesondere, dass der Bilanzierungsstandard das für die Versicherungswirtschaft zentrale Konzept des Risikoausgleichs im Kollektiv berücksichtigt. Bei der Umsetzung des Standards in europäisches Recht muss allerdings darauf geachtet werden, dass der Umstellungsaufwand für die Unternehmen in einem vertretbaren Rahmen bleibt“, betont Axel Wehling, Mitglied der GDV-Geschäftsführung.

Neues Bewertungsmodell für Versicherungsverträge

Von besonderer Bedeutung ist – insbesondere für die Lebensversicherung – das neue Bewertungsmodell für Versicherungsverträge. So müssen auch die langfristigen Garantien für Versicherte unter IFRS 17 zu jedem Stichtag aktuell bewertet werden. Im Ergebnis führt die Stichtagsbewertung von Zahlungsströmen, Zinseffekten, der vom Versicherer geforderten Risikomarge und vor allem der Gewinnmarge des Unternehmens zu einer im Branchenvergleich einmaligen Transparenz.

Nächste Schritte

Damit der Standard ab 2021 greifen kann, muss er auf EU-Ebene beschlossen werden (sog. Endorsement-Prozess). Dazu fordert die EU-Kommission die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) auf, eine Übernahmeempfehlung für den neuen Standard zu erarbeiten. Da in den Endorsement-Prozess auch der Rat und das Parlament der EU einbezogen sind, ist mit einer abschließenden Entscheidung der Kommission erst 2019 zu rechnen.

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IFRS 17 Versicherungsverträge: Inhalte, Implikationen und Ausblick

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