02.06.2017
Kolumne Klimawandel

Folgen der Erderwärmung begrenzen – jetzt erst recht

Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung – und genau deshalb hängt der bedauerliche und sehr kurzsichtige Ausstieg der USA aus dem internationalen Klimaabkommen eng zusammen mit einem sehr erfreulichen Vorstoß der Ministerpräsidentenkonferenz in Deutschland. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Der Klimawandel mit all seinen Folgen ist ein globales Problem. Es macht keinen Unterschied, ob Treibhausgase in China, Australien, dem amerikanischen Kontinent oder direkt vor unserer Haustür ausgestoßen werden – all diese Emissionen befördern die Erwärmung. Mit den Unwettern „Elvira“ und „Friederike“ in den fünf Tagen Ende Mai/Anfang Juni 2016 haben auch wir in Deutschland noch einmal vor Augen geführt bekommen, welche Szenarien bei einem weiteren Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf uns zukommen könnten. Denn noch nie haben Unwetter mit heftigen Regenfällen innerhalb so kurzer Zeit so hohe Schäden angerichtet wie diese Tiefs: Der geschätzte Schadenaufwand betrug 1,2 Mrd. Euro. Die vollständige Beseitigung der Schäden an der lokalen Infrastruktur wird teils Jahre in Anspruch nehmen.

Ein schwerer Schlag– für die internationale Politik und für die Weltgemeinschaft

Der Ausstieg Donald Trumps aus dem Pariser Klimaabkommen ist daher ein schwerer Schlag – für die internationale Politik und für die Weltgemeinschaft. Die Entscheidung des US-Präsidenten ist nicht nur höchst bedauerlich, sie auch kurzsichtig. Denn sie schadet der eigenen Bevölkerung, die mit Extremwetterereignissen, Tornados und lang anhaltenden Trockenperioden schon heute große Lasten tragen muss. Es bleibt zu hoffen, dass zukunftsorientierte US- Bundesstaaten und Kommunen gegen die Entscheidung des Präsidenten ein Zeichen setzen.

Es kann nur einen Weg geben: Wir müssen die Folgen der Erderwärmung begrenzen – jetzt erst recht. Wir Versicherer wollen unseren Beitrag leisten – bei der Vermeidung klimaschädlichen Verhaltens und bei der Anpassung an heute schon unvermeidlicher Folgen des Klimawandels. Wir werten Daten aus, damit die Folgen auch in Zukunft versicherbar bleiben. Wir schaffen die Voraussetzungen, um Schäden durch extreme Wetterlagen schnell und zuverlässig zu regulieren. Wir informieren unsere Kunden über Gefahren durch Wetterphänomene wie Überschwemmung, Starkregen oder Stürme – und setzen uns dafür ein, dass Schäden gar nicht erst entstehen. So fordern wir etwa seit Jahren, dass in Deutschland der Schutz von Gebäuden gegen Überschwemmungen verbessert und bautechnisch normiert wird, die Klimaforschung weiter gefördert und extrem überschwemmungsgefährdete Regionen nicht mehr als Bauland ausgewiesen werden.

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Es freut mich daher sehr, dass die Ministerpräsidentenkonferenz gestern umfangreiche Beschlüsse zur Verbesserung des Schutzes vor den Folgen von Naturgefahren getroffen hat: Die Länder appellieren geschlossen an Bürger und Wirtschaft, sich stärker gegen Schäden aus Überschwemmungen oder anderen Naturkatastrophen abzusichern – und an ihre Eigenverantwortung. Dazu sollen die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen werden, dass in von Naturgefahren besonders gefährdeten Gebieten möglichst wenig gebaut werden darf. Geplant sind zudem eine gemeinsame bundesweite Elementarschadenkampagne sowie ein bundesweites Naturgefahrenportal –allesamt Punkte, für die wir Versicherer uns schon lange stark machen.

Nahezu alle Besitzer von Gebäuden können sich versichern

Rund 40 Prozent der Hausbesitzer in Deutschland haben sich nach aktuellen Zahlen unseres Verbandes gegen Schäden durch Überschwemmungen, Starkregen und weitere Naturgefahren versichert. Das sind rund drei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr und mehr als doppelt so viele versicherte Häuser wie vor 15 Jahren. Das sind einerseits gute Nachrichten, andererseits sind das immer noch viel zu wenig Menschen, die sich schützen. Es gibt noch viel zu tun, wenn bundesweit knapp zwei Drittel aller Hausbesitzer nicht gegen Naturgefahren versichert sind – obwohl viele Schadenereignisse Jahr für Jahr auch fernab der großen Flüsse auftreten. Zumal sich heute nahezu alle Besitzer von Gebäuden gegen Elementargefahren versichern können. Insofern ist es nachvollziehbar, wenn die Länder nun geschlossen dem Beispiel Bayerns folgen wollen – und künftig nur noch Bürgerinnen und Bürger mit staatlicher Unterstützung über sogenannte Soforthilfen hinaus rechnen können, die sich erfolglos um eine Versicherung bemüht haben.

Es gibt wohl kaum einen komplexeren Prognose-Gegenstand als das Klima. Was wir aber heute sagen können, ist: Die Kosten, die Naturkatastrophen verursachen, werden sich perspektivisch wohl erhöhen. Wird die Erderwärmung spürbar begrenzt, dürften in Deutschland die Versicherungsbeiträge dennoch bezahlbar und die Risiken für die Versicherungswirtschaft tragfähig bleiben. Schreitet die Erderwärmung allerdings ungebremst voran, könnten sich die Rahmenbedingungen in Zukunft ändern. Deshalb dürfen wir keinesfalls nachlassen in unseren Bemühungen – in Deutschland, in Europa, in den USA – weltweit.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth