16.05.2017
Kolumne Cyberangriff "WannaCry"

Wie Versicherer den Fortschritt unterstützen

Die Ransomware „WannaCry“ hat hunderttausende Rechner auf dem ganzen Erdball verseucht. Seit jeher sorgen Versicherer mit ihrer Expertise dafür, dass Risiken des Fortschritts versicherbar bleiben. Bestes Beispiel ist die Cyberkriminalität. Am Ende schafft unsere Branche damit eine wichtige Voraussetzung für den Fortschritt selbst. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Auch als unser Verband vor wenigen Wochen die unverbindlichen Musterbedingungen der Versicherungsbranche für Cyberpolicen vorgestellt hat, war viel die Rede davon: „Cyberpolicen sind die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts.“ Kein Wunder: Für Cyberkriminelle scheint ein goldenes Zeitalter anzubrechen – kaum ein Tag ohne neue Berichte über Hacker-Angriffe. Aktuelles Beispiel: WannaCry – die Schadsoftware hat sich von Freitagabend an rasend schnell verbreitet, hunderttausende Rechner infiziert und in vielen Firmen für Stillstand gesorgt. Dazu kann ich nur wiederholen: Es wird höchste Zeit für eine neue Risiko-Kultur im Cyber-Space, denn viele Menschen machen es den Angreifern schlicht zu leicht.

Das Ausbremsen der Digitalisierung würde gesellschaftlichen Stillstand bedeuten

Schon werden wieder Stimmen laut, die fragen: Sind wir zu stark vernetzt? Tatsächlich bin ich der Meinung, dass heutzutage nicht jeder Wasserhahn am Internet hängen muss. Gerade der Trend zur Heimvernetzung reißt derzeit veritable Sicherheitslücken in vielen häuslichen Netzwerken – schlicht weil die Geräte und ihre Software nicht oder zu wenig gewartet werden. Andererseits bin ich optimistisch genug, um zu sagen: Das Ausbremsen der Digitalisierung würde gesellschaftlichen Stillstand bedeuten. Am Ende ist es bei fast jeder neuen Technologie dasselbe. Eine Errungenschaft bahnt sich ihren Weg, wächst und gedeiht – und stößt schlussendlich in Risikobereiche vor, die drohen, unbeherrschbar zu werden. Immer dann kommen auch wir Versicherer ins Spiel. Wenn Sie so wollen, schafft unsere Branche in vielen Lebensbereichen ein Fundament dafür, dass Fortschritt entstehen kann – weil wir dafür sorgen, dass die Folgen des Fortschritts beherrschbar und damit auch versicherbar bleiben.

Cyberkriminalität ist hier das beste Beispiel: Versicherer sorgen für Prävention, indem sie zuerst die Prozesse zur Cybersicherheit ihrer Kunden abfragen, auf Sicherheitslücken hinweisen und – falls notwendig – technische und organisatorische Änderungen bei der Cybersicherheit der Unternehmen einfordern. Erst dann geht es um die Frage des Versicherungsschutzes. Unsere Kunden müssen folglich bestimmte Vorgaben erfüllen, damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie zum Opfer werden – und die damit verbundenen Schäden – beherrschbar und kalkulierbar bleiben. Würden wir das nicht tun und diese Vorgaben nicht stetig an den technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt anpassen, gäbe es keinen Versicherungsschutz.

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Großbrände mit zig Todesopfern verhindern

Dieses Prinzip ist nicht neu – unsere Branche verfährt seit jeher so. Ende des 19. Jahrhunderts etwa erreichten Gebäude ganz neue Größenordnungen. Der Brandschutz – und mit ihm die Feuerversicherung – kam an seine Grenzen. Versicherer waren daran beteiligt, technische und organisatorische Vorgaben zu entwickeln, die Großbrände mit zig Todesopfern verhindern helfen sollten. Die Ergebnisse sehen wir jeden Tag: etwa in Form von Brandmeldern, Vorschriften für Fluchtwege und der bewährten Sprinkleranlage. Niemand würde diese Mittel zur Risikobegrenzung heute in Frage stellen.

Genau an so einem Punkt sind wir jetzt beim Thema Cyberversicherung: organisatorische und technische Cybersicherheit muss eine Selbstverständlichkeit sein. In kleinen wie großen Unternehmen und im privaten Umfeld. Den ersten Schritt in Richtung einer nachhaltigen Beherrschung der Risiken und eines tragfähigen Versicherungsschutzes haben wir getan. Weitere werden folgen.

Auch so betrachtet sind Cyberpolicen tatsächlich die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth