22.05.2017
SFCR-Veröffentlichung

Versicherer erreichen Solvency-II-Meilenstein

Gut ein Jahr nach dem Inkrafttreten von Solvency II haben die Versicherungsunternehmen erstmals ihre Solvenzberichte (SFCR) veröffentlicht. Damit hat die Branche bei der Umsetzung des hochkomplexen Aufsichtssystems in die Praxis einen weiteren Meilenstein erreicht, betont der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Fristgerecht zum 22. Mai haben gut 350 deutsche und mehrere tausend europäische Versicherungsunternehmen erstmals ihren „Bericht zur Solvabilität und Finanzlage“ – kurz SFCR – vorgelegt. Im SFCR veröffentlichen die Unternehmen neben einer Vielzahl von Informationen zu Kapitalausstattung, Kapitalanlagen und Risikokalkulation auch ihre Bedeckungsquoten zum Stichtag 31.12.2016. Die Bedeckungsquote – also das Verhältnis der verfügbaren zu den aufsichtsrechtlich geforderten Eigenmitteln – prognostiziert der GDV in etwa auf dem Vorjahresniveau. Zum 31.12.2015 waren es 305 Prozent. Für die Lebensversicherer dürfte die Quote ebenfalls nahe dem Vorjahreswert (283 Prozent) liegen.

„Mit dem Solvenzbericht veröffentlichen die Unternehmen eine Fülle von Informationen, die für die Interpretation der Bedeckungsquoten wesentlich sind. Ein Unternehmensvergleich allein auf Basis der Bedeckungsquoten ist wenig aussagekräftig – zumal die Quoten in Abhängigkeit von der Zins- und Marktentwicklung von Stichtag zu Stichtag schwanken können“, kommentiert Axel Wehling, Mitglied der GDV-Geschäftsführung.

Infografik

Anschaulich erklärt:

  • Solvency II: So viel Kapital muss sein
  • Bedeckungsquote: 100% sind mehr als genug


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Gegen voreilige Änderungen am System

Für eine vollständige Interpretation der Solvency-II-Ergebnisse und ein umfassendes Verständnis der Wechselwirkungen im System benötigen Unternehmen und Aufsicht allerdings noch Zeit. Änderungen am System wären voreilig und würden den Lernprozess nur erschweren. Dies gilt insbesondere für Überlegungen, die Ultimate Forward Rate bereits ab kommendem Jahr zu verändern. Eine Absenkung wäre zudem ökonomisch nicht gerechtfertigt.