18.05.2017
Internationale Rechnungslegung

IFRS 17 schafft Grundlage für weltweite Vergleichbarkeit der Versicherer

Mit dem neuen internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS 17 gibt es nach langjährigen Diskussionen erstmals eine weltweit einheitliche Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen. Allerdings muss bei der Umsetzung in europäisches Recht darauf geachtet werden, dass der Umstellungsaufwand für die Unternehmen in einem vertretbaren Rahmen bleibt, betont der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat den IFRS 17 heute veröffentlicht und damit den seit 2005 geltenden Interimsstandard IFRS 4 abgelöst. Die neuen Bilanzierungsvorgaben gelten ab 1. Januar 2021, verpflichtend sind sie allerdings nur für die Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Versicherer. Für alle übrigen Abschlüsse, insbesondere für die Einzelabschlüsse, sind unverändert die Vorgaben des Handelsgesetzbuchs anzuwenden.

„Bei der Beurteilung des neuen Standards ist anzuerkennen, dass das IASB den Portfoliogedanken als Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen akzeptiert hat. Damit wird dem für die Versicherer zentralen Konzept des Risikoausgleichs im Kollektiv Rechnung getragen“, betont Axel Wehling, Mitglied der GDV-Geschäftsführung.

Auf EU-Ebene muss vor der Erstanwendung noch das formale Übernahmeverfahren (Endorsement) durchlaufen werden. Der GDV wird sowohl den europäischen Endorsement-Prozess als auch die Arbeiten der noch einzurichtenden Transition Resource Group (TRG) des IASB intensiv begleiten.

Mit der Veröffentlichung des IFRS 17 liegt erstmals der genaue Wortlaut der künftigen Bilanzierungsvorgaben insgesamt vor. Daher wird noch im Detail zu prüfen sein, inwieweit das IASB das Ziel erreicht hat, einen qualitativ hochwertigen Standard zu entwickeln.

Unternehmen müssen erstmals Gewinnmarge veröffentlichen

Mit dem neuen Standard wird eine für andere Industrien bislang nicht geforderte Transparenz eingeführt – durch das prospektive und auf diskontierten, risikoangepassten Zahlungsströmen basierende Bilanzierungsmodell und die künftig in der Bilanz zwingend offenzulegende Gewinnmarge (CSM, contractual service margin). Während sich die Änderungen für die eher kurzfristig laufenden Verträge im Bereich Schaden/Unfall in Grenzen halten dürften, bringen die neuen Vorgaben für die Bilanzierung von langlaufenden Lebensversicherungsverträgen signifikante Änderungen mit sich.

Ursprünglich hatte das IASB eine einzelvertragliche Sicht auf das Versicherungsgeschäft. Insofern bildet der Standard das Geschäftsmodell der Versicherer zutreffender ab, nachdem vom IASB das Portfolio als Bilanzierungseinheit akzeptiert worden ist. Erfreulicherweise ist das IASB auch Lösungsvorschlägen gefolgt, mit deren Hilfe die künstliche Volatilität im Ergebnisausweis gemindert werden kann, die aus der Stichtagsbewertung der Versicherungsverbindlichkeiten resultiert.