10.05.2017
Wohnimmobilienfinanzierung

Hypothekengeschäft der Lebensversicherer wächst erneut stärker als der Markt

2016 wurden in Deutschland 375.000 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt, ein Fünftel mehr als im Jahr zuvor. Den Boom spürt auch die Assekuranz, deren Hypothekengeschäft erneut wächst.

Die anhaltend starke Immobiliennachfrage beflügelt weiterhin das Hypothekengeschäft der deutschen Lebensversicherer. Im Vorjahr vergaben sie Wohnungsbaukredite in Höhe von rund 7,9 Mrd. Euro. Das waren rund vier Prozent mehr als 2015, wie aus aktuellen Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht.

Die Unternehmen legten damit stärker zu als der Gesamtmarkt. Nach Berechnungen des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp) stieg das Gesamtvolumen der ausgezahlten Wohnimmobilienkredite 2016 nur um 0,4 Prozent auf 209,4 Mrd. Euro. Darin erfasst sind alle Anbieter – das sind neben Lebensversicherern auch Geschäftsbanken, Sparkassen, Kreditgenossenschaften oder Bausparkassen. Bereits 2015 hatten die Versicherer mit einem Plus von 33 Prozent ein überdurchschnittliches Wachstum erzielt.

35 Versicherer bieten Baukredite an

„Die Lebensversicherer nutzen angesichts der Niedrigzinsphase zahlreiche Möglichkeiten, um ihre Kapitalanlagen breiter zu streuen“, sagt GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener. Baudarlehen seien wegen der hinterlegten Immobilien relativ sicher, würden aber eine höhere Rendite als Staatsanleihen bester Bonität abwerfen. „Wegen der ausgedehnten Laufzeiten und regelmäßigen Zinszahlungen passen Hypotheken auch gut zum langfristigen Geschäftsmodell der Lebensversicherer“, betont Wiener. Das Finanzierungsgeschäft ist jedoch mit einem höheren Aufwand verbunden. Rund 35 Gesellschaften bieten Baukredite an – zum Teil auch als geförderte Wohnriester-Variante oder in Verbindung mit einer KfW-Förderung.

Mit einem Marktanteil von 3,8 Prozent (2015: 3,6 Prozent) spielen die Lebensversicherer in der Wohnimmobilienfinanzierung zwar nur eine kleine Rolle. Sie besetzen aber eine wichtige Nische. Denn während die meisten Banken vor allem Darlehen mit einer Laufzeit von bis zu 15 Jahren anbieten, vergeben Versicherer problemlos auch Kredite mit einer Zinsbindung von 20 oder gar 30 Jahren. Der Grund: Kreditinstitute refinanzieren sich überwiegend über kurzfristige Einlagen wie Girokonten und Termingelder, die Lebensversicherer können die Beiträge ihrer Kunden dagegen sehr viel langfristiger investieren.

Versicherer finanzieren vor allem Wohnungen zur Selbstnutzung

Lebensversicherer finanzieren mit rund 90 Prozent vorwiegend Eigenheime und Eigentumswohnungen, nur ein kleiner Teil entfällt auf größere Mietshäuser. Die von ihnen bereits bewilligten Kreditzusagen lagen Ende 2016 bei knapp 8,2 Milliarden Euro. Sie verteilen sich auf die Finanzierung von Neubauten (25,7 Prozent), den Erwerb von Bestandsimmobilien (38,3 Prozent) und die Ablösung von Altkrediten (36,0 Prozent).