29.03.2017
Kolumne Prokrastination

Schluss mit der Aufschieberitis

Viele vermeiden die Auseinandersetzung mit dem Alter, das scheinbar die Heimat von beiger Allzweckkleidung, Rollatoren und Pflegeheimbewohnern ist. Dieses Aufschieben, im Fachjargon Prokrastination, ist nur allzu menschlich, obwohl es einfache Tipps gibt, wie man Dinge gezielt anpacken kann. Wenn es um das Thema finanzielle Vorsorge geht, kommen dabei auch wir Versicherer ins Spiel. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Der Befund ist an sich nicht neu: Eine Studie des Sinus Institutes im Auftrag unserer Initiative „Du lebst 7 Jahre länger, als Du denkst“ hat gezeigt, dass viele der heute 40- bis 55-jährigen sich mit Blick auf ihr Alter große Sorgen machen. Es gibt zwar auch viele Optimisten, die davon ausgehen, dass es ihnen später gut oder sogar sehr gut gehen wird. Aber es überwiegt doch die Zahl der Pessimisten: So befürchtet über ein Drittel, dass es ihnen später einmal körperlich nicht so gut gehen wird. Ähnlich viele sehen sich im Alter vor großen finanziellen Problemen stehen. Und immerhin jeder zehnte erwartet, dass er im Alter einsam sein wird. Besonders ernst muss man nehmen, dass ein Viertel der Befragten gleichzeitig in wenigstens zwei von drei Bereichen – Geld, Gesundheit, Familie und Freunde – sehr pessimistisch in die Zukunft blicken.

Der nächste Urlaub erscheint wertvoller, als die Vorsorge für den fernen Ruhestand

Alles schrecklich und hoffnungslos also? Das nun auch nicht. Denn die Ergebnisse der Studie zeigen auch: Die Menschen wissen durchaus, dass sie ihre Zukunft selbst in der Hand haben. Dass sie heute etwas dafür tun können, damit es ihnen morgen besser geht: Sport treiben und sich besser ernähren. Etwas mehr Geld zur Seite legen. Endlich wieder einmal Freunde und Familie treffen.

Die Angst vor dem Alter ist vor allem bei den Menschen präsent, die heute zu wenig tun, um sich darauf vorzubereiten. Die spannende Frage ist also: Warum tun diese Menschen dann nicht mehr dafür? Jetzt! Es geht hier nicht nur um Geld und Einkommen. Es gibt Menschen mit niedrigen Verdiensten, die sich sehr gut auf das Alter vorbereiten – und umgekehrt auch jene mit mittleren oder auch großem Einkommen, die sich offenbar wenig mit ihrer Zukunft beschäftigen, auch das zeigen die Ergebnisse deutlich.

Die Antwort ist allzu menschlich: Dass viele von uns sich mit unangenehmen Fragen nur ungerne beschäftigen – vor allem, wenn diese weit in der Zukunft liegen. Die heutigen Probleme scheinen drängender oder der nächste Urlaub wertvoller als der noch so ferne Ruhestand. Viele vermeiden auch die Auseinandersetzung mit dem Alter, das scheinbar die Heimat von beiger Allzweckkleidung, Rollatoren und Pflegeheimbewohnern ist. Und zugleich scheinen die Probleme so vielfältig und überwältigend, dass sie gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Schluss mit dieser Aufschieberitis: Zur Vorstellung der Sinus-Studie hatten wir deshalb eine Expertin eingeladen, die genau auf dieses Problem einige ganz einfache Antworten mitgebracht hat. Denn das Aufschieben ist ein weit verbreitetes Problem. Und hat deshalb natürlich auch einen schlauen Namen in der Fachwelt: Prokrastination.

Klein anfangen – und sich nicht gleich überfordern

Die meisten Tipps gegen die Aufschieberitis sind ganz einfach. Klein anfangen und sich nicht gleich überfordern. Sich feste Ziele setzen – am besten mit einem konkreten Datum. Dinge so zu planen, dass sie zu einer festen Gewohnheit werden können. Und es hilft, wenn man die Sache nicht alleine angeht, sondern mit Freunden oder Gleichgesinnten.

Aber nicht nur der Einzelne kann etwas tun, um die Prokrastination aufzubrechen. Auch die Gesellschaft kann helfen. Vor allem, indem sie möglichst einfache und leichte Zugänge zu entsprechenden Angeboten schafft. Von Sportinitiativen für unsportliche Mitvierziger bis hin zu Treffpunkten für die Rentner von morgen.

Wenn es um das Thema finanzielle Vorsorge geht, kommen dabei auch wir Versicherer ins Spiel. Denn auf der einen Seite bringen wir mit unserem Angebot vieles mit, um Menschen aus der Wartehaltung herauszuholen. Mit unserem Vertrieb etwa haben wir einmalige Möglichkeiten, Menschen direkt anzusprechen und zu motivieren. Und mit einem Produkt, das eine regelmäßige Zahlung und eine sichere Rendite bringt, bieten wir ein einfaches Mittel – gewissermaßen „pay and forget“ auch für den Einzelnen.

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Ihr

Jörg von Fürstenwerth
 

Jörg von Fürstenwerth