28.03.2017
Makro und Märkte kompakt - Zinswende

Gefahren eines abrupten Zinsanstiegs gering halten

Die Kapitalmarktzinsen haben sich in den letzten Monaten von ihren historischen Tiefständen gelöst. Damit stellt sich die Frage, ob dies der Beginn einer nachhaltigen Zinswende ist. Wir analysieren die fundamentalen Rahmenbedingungen für die Zinsmärkte und fragen, ob ein abrupter Zinsanstieg droht.

Die Zinsen auf den Bondmärkten kannten in den letzten Jahren nur eine Richtung. Im Verlauf dieses Prozesses sind sie auf nie da gewesene Niveaus gefallen. So wurde die Rendite der 10-jähigen Bundesanleihe im Juni letzten Jahres zum ersten Mal in ihrer Geschichte negativ. Im 2-Jahressegment wurde zu Beginn dieses Jahres mit -0,9 % ebenfalls ein historisches Tief erreicht, das sogar noch deutlich unter dem Einlagenzins der EZB von -0,4 % lag.

In den letzten Monaten haben sich die Renditen allerdings von ihren Tiefständen gelöst. Dies gilt vor allem für die längeren Laufzeiten. In den USA etwa ist die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe von 1,36 % auf aktuell 2,6 % gestiegen (siehe Grafik I), und auch die Rendite der Bundesanleihen hat im gleichen Laufzeitensegment rund 70 Basispunkte zugelegt. Natürlich hat es in den letzten Jahren immer wieder einmal Phasen gegeben, in denen die Renditen trotz des strukturellen Abwärtstrends eine Gegenbewegung anzeigten, nur um dann wieder neue Tiefstände zu erreichen.

Zwei Dinge sind im aktuellen Umfeld allerdings anders: Zum einen vollzieht sich der Anstieg von einem extrem niedrigen Zinsniveau aus, bei dem die Zinsänderungsrisiken zunehmend asymmetrisch geworden sind.1 Dies erhöht die Chancen, dass er sich als längerfristig erweisen könnte. Darüber hinaus hat sich das fundamentale Umfeld in den letzten Wochen und Monaten deutlich geändert; auch dies spricht dafür, dass sich der aktuelle Zinsanstieg nicht als Strohfeuer entpuppt. In diesem Papier werden wir daher der Frage nachgehen, ob sich der momentane Zinsanstieg als nachhaltig erweist und wie groß die Gefahr eines abrupten Zinsanstiegs ist.

Die zentralen Erkenntnisse:

  • Die Renditen wesentlicher Staatsanleihemärkte sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Wir erwarten, dass dies der Beginn einer nachhaltigen Zinswende ist.
  • Die Gründe hierfür sind zahlreich. Neben der fortschreitenden Erholung im Anschluss an eine der tiefsten Finanzkrisen der neueren Wirtschaftsgeschichte spielt die Abkehr der US-Notenbank von ihrer Nullzinspolitik eine wesentliche Rolle.
  • Die Wende auf den Anleihemärkten birgt angesichts des erreichten Renditeniveaus auch die Gefahr, dass die Zinsen abrupt steigen werden. Dies wäre dann zu erwarten, wenn die US-Konjunktur im Fahrwasser großer fiskalischer Impulse überhitzt und die Notenbanken zu langsam bzw. zu spät („too little, too late“) auf das geänderte fundamentale Umfeld reagieren.
  • Die Fed hat ihren Kurs zuletzt beschleunigt. Will die EZB in den Augen der Märkte nicht „hinter die Kurve zurückfallen“, muss auch sie möglichst bald mit dem „Einstieg in den Ausstieg“ beginnen.

Die vollständige Ausgabe der Makro- und Märkte kompakt zum Thema Zinswende, finden Sie im Downloadbereich auf dieser Seite.

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