07.03.2017
Die schönste Versicherungssache der Welt

Das begehrte Vieh

Vom Laufstall auf den Laufsteg: „Madame“ ist Deutschlands schönste Milchkuh und der Stolz ihres Besitzers Henrik Wille. Sollte sie bei Beauty Contests zu Schaden kommen, springt die Versicherung ein – genau wie bei vielen Weidekühen, die derzeit in Ostdeutschland gestohlen werden. Von Carola Felchner

Sie kommen in der Nacht und schlagen bevorzugt im Spreewald oder der Uckermark zu: Eine Serie von Viehdiebstählen setzt derzeit Bauern in den neuen Bundesländern zu. Die Polizei vermutet Profis am Werk, die es vor allem auf Zuchtbullen abgesehen haben. Aber auch ganze Herden wurden schon gestohlen.

Die Schäden werden den Bauern zwar erstattet. Sogenannte Tierlebenversicherungen zahlen bei Notschlachtungen, Diebstählen oder auch Transportschäden. Gerade bei Zuchttieren ist der wirtschaftliche Schaden allerdings oft größer als die ausgezahlte Versicherungssumme. Schließlich kann es Jahre dauern, bis sich die Tiere einer Zuchtherde aneinander gewöhnt haben.

Der Hof von Henrik Wille liegt im niedersächsischen Essen bei Cloppenburg. Viehdiebstahl in großem Maßstab kennt man hier nicht, aber auch er hält seine schwarz-bunte Kuh Madame lieber im Laufstall. Allerdings nicht aus Furcht, sie könne gestohlen werden. Er will vielmehr sichergehen, dass Madame bestes Futter und intensive Pflege genießt. Nicht umsonst wurde sie jüngst auf der „44. Schau der Besten“ zur schönsten Milchkuh Deutschlands gewählt. „Wir arbeiten Tag und Nacht für unsere Kühe und bereiten uns das ganze Jahr über auf diese Schau vor“, verrät Wille. Offenbar mit Erfolg: Auch Madames Vorgängerin Lady Gaga stammte aus Willes Stall.

Schaulauf auf rotem Teppich: Deutschlands schönstes Milchvieh, die Kuh Madame, mit ihrem Besitzer, Landwirt Henrik Wille, bei der Auszeichnung zur „Miss Schau der Besten“ Ende Februar in Verden an der Aller.

Das wichtigste Kriterium ist der Euter

Zur Pflege gehört ein spezielles Futter, das Madame ab drei bis vier Wochen vor dem Beauty Contest bekommt. Es soll das sechs Jahre alte Holstein-Rind schlank halten und das Fell zum Glänzen bringen. Das allein reicht aber noch nicht. „Die Kühe müssen breit in der Vorhand und im Becken sein sowie lang im Hals. Die Beine müssen parallel eingeschient sein und sehr trocken, also feinzellig“, doziert Wille.

Das wichtigste Kriterium jedoch ist der Euter: fest angesetzt, breit und von Adern durchzogen – mit solchen Attributen erobern Milchkühe die Herzen der Juroren. Außerdem müssen die Zitzen perfekt stehen und dürfen nicht zu nah über dem Boden hängen. Dass Madame schon drei Kälber auf die Welt gebracht hat, sieht man ihr nicht an. Mit ihren 1,66 Metern Körpergröße und rund 900 Kilogramm ist sie eine echte Prachtkuh, die täglich 58 Liter Milch gibt.

Auf der „Schau der Besten“ werden alle Teilnehmerinnen von Stylisten, sogenannten Kuh-Fittern, auf Hochglanz poliert. Und zwar im Wortsinne, denn neben einem akkuraten Bürstenschnitt der Rückenhaarlinie sowie peniblem Striegeln und Absaugen des Fells erhält der Euter mittels Babyöl besonderen Glanz.

Sollte sich Madame beim Schaulaufen verletzten, springt eine Versicherung ein

Da sie im Gegensatz zu Lady Gaga, der ihre Allüren eine Einzelbox eingebracht haben, sehr umgänglich ist, darf sie zuhause mit anderen Kühen des Wille-Hofs laufen. Versichert ist sie dabei nicht, weder gegen Diebstahl noch gegen Tritte ihrer Kolleginnen.

Auf Schönheitsschauen genießt aber auch Madame über den jeweiligen Veranstalter Versicherungsschutz, und zwar in einer Höhe zwischen 2500 und 3000 Euro. Die Summe entspricht ungefähr dem Auktionswert eines Hochklasserinds und würde fließen, wenn Madame sich im Ring oder der Box verletzen würde. Schließlich ist ihr Körper ihr Kapital – wie bei allen Supermodels.

Dass Madame trotz ihres Titelgewinns auf dem Boden geblieben ist, bewies sie übrigens während der Siegerfoto-Session: Da setzte sie nämlich einen dicken Fladen auf den roten Teppich.

Fotos: dpa/Picture Alliance