08.03.2017
Kolumne Regulierung Hypothekendarlehen

Damit die eigene Immobilie nicht zum Auslaufmodell wird

Die eigenen vier Wände sind seit jeher für viele Menschen auch ein Teil ihrer Altersvorsorge. Versicherer können dies auf vielfältige Weise unterstützen: über Lebensversicherungen, Wohn-Riester, Risikolebensversicherungen – oder als Anbieter von Hypothekendarlehen. Pläne, die Kreditvergabe für Wohnimmobilien bei Bedarf stärker zu regulieren, gehen deshalb auch unsere Branche an. Augenmaß ist angebracht. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Die Lektüre der „Süddeutschen Zeitung“ konnte Lesern, die über den Kauf einer Immobilie nachdenken, in der vergangenen Woche schon einen Stoßseufzer entlocken. „Nur ein Traum vom Haus“, überschrieb der Autor seinen Text. Trotz niedriger Bauzinsen bleibe Deutschland ein Mieterland – und er beschrieb „fatale Folgen“ für die Altersvorsorge und die soziale Gerechtigkeit. Der Grund: Die steil steigenden Immobilienpreise sowie die gleichzeitig anziehenden Nebenkosten. Bei vielen helfen da auch die extrem niedrigen Zinsen nicht mehr weiter.

Die Chance auf eine eigene Immobilie gehört zu einer ausgewogenen Rentenpolitik

Berichte wie diese finden sich quasi täglich in den Medien. Auch wir Versicherer sehen diese Entwicklung mit Sorge. Grundsätzlich, denn die eigenen vier Wände sind seit jeher für viele Menschen auch als Baustein ihrer Altersvorsorge gedacht. Die realistische Chance auf eine eigene Immobilie gehört zu einer ausgewogenen Rentenpolitik dazu – gerade für Normalverdiener.

Die Sorgen sind auch ganz konkret, denn unsere Branche kann den Traum vom Haus und seine Finanzierung auf vielfältige Weise unterstützen und absichern – über Lebensversicherungen, Wohn-Riester, Risikolebensversicherungen – und als Anbieter von Hypothekendarlehen. Allein im Jahr 2015 haben Versicherer ihren Kunden Finanzierungszusagen für Wohnimmobilien im Volumen von rund 8,9 Mrd. Euro gemacht. Das ist ein Plus von 41 Prozent gegenüber 2014.

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Eingriffe in den Markt stets mit Augenmaß durchführen

Aktuelle Pläne, die Kreditvergabe für Wohnimmobilien möglicherweise stärker zu regulieren, gehen deshalb auch unsere Branche an. Eingriffe in den Markt sollten stets mit Augenmaß durchgeführt werden – ich bin geneigt zu sagen: erst recht auf dem Immobilienmarkt. Sie sollten mit äußerster Vorsicht, nach genauer Analyse der Lage der Gesamtwirtschaft und erst nach einem Austausch mit allen Marktteilnehmern geschehen – dazu gehören auch wir Versicherer.

Worum geht es? Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, so sieht es ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vor, soll umfangreiche Eingriffsrechte erhalten, um die Neukreditvergabe beschränken und so einer möglichen Blase an den Immobilienmärkten begegnen zu können. Das ist sicher ein nachvollziehbares Ansinnen – bedenkt man die Finanzmarktkrise 2008, die vor allem durch die laxe Kreditvergabe auf dem US-Immobilienmarkt ausgelöst wurde. Auch in Irland, Großbritannien, Spanien haben Krisen des Wohnimmobilienmarktes zu volkswirtschaftlichen Problemen geführt.

Allerdings liegen die Verhältnisse hier völlig anders: Für die Immobilienfinanzierung in Deutschland sind vergleichsweise hohe Eigenkapitalquoten gängig. Langfristige Finanzierungen mit festen Zinssätzen, die dem Verbraucher Stabilität und Planbarkeit bieten, sind die Regel. Hinzu kommt, dass es in Deutschland längst nicht so viele Besitzer von Wohneigentum gibt, Mieter und Besitzer von Immobilien sind relativ gleichgewichtig verteilt. Auf dem deutschen Immobilienmarkt hätten kurzfristige Zinserhöhungen deshalb bei Weitem nicht so gravierende Folgen, wie etwa vor zehn Jahren in den USA. Hinzu kommt, dass die Kreditvergabestandards im letzten Jahr nochmals erhöht wurden, obwohl die Kreditvergabe in Deutschland anders als in anderen Ländern traditionell sehr konservativ ausgerichtet ist.

Positiv ist allerdings, dass mit dem Gesetzentwurf nun auch ein anderes Problem angegangen wird: Im vergangenen Jahr hatten junge Familien und Senioren vielfach Probleme, einen Kredit für das Eigenheim oder den altersgerechten Umbau ihrer Immobilie zu bekommen. Hintergrund dafür war die Umsetzung der europäischen Wohnimmobilienkreditrichtlinie in deutsches Recht. Die Formulierung des Gesetzes führte bei den Anbietern von Immobilienfinanzierungen zu Unsicherheiten, die eine rückläufige Kreditvergabe zur Folge hatte. Mit dem nun vorliegenden Gesetzentwurf sollen Wertsteigerungen von Wohnimmobilien durch Bau- und Renovierungsmaßnahmen bei der Kreditwürdigkeitsprüfung wieder stärker berücksichtigt werden können. Dies ist ein wichtiges Signal.

Lebensversicherer besetzen eine wichtige Nische

Mit einem Marktanteil an Neukrediten von 3,6 Prozent spielen Lebensversicherer zwar nur eine kleine Rolle auf dem Markt für Hypothekendarlehen. Sie besetzen aber eine wichtige Nische: Anders als Banken sind sie auch in der Lage, Kredite mit langen Laufzeiten jenseits von 10 oder gar 15 Jahren anzubieten. Der Grund: Während Kreditinstitute sich eher über kurzfristige Einlagen wie Girokonten und Termingelder oder über Pfandbriefe refinanzieren, können Lebensversicherer die Beiträge ihrer Kunden langfristig investieren.

Eine Regulierung mit Augenmaß bringt Vorteile für alle: Kunden erhalten langfristige Finanzierungen mit festen Konditionen – und Versicherer eine attraktive Kapitalanlage in Zeiten niedriger Zinsen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth
 

Jörg von Fürstenwerth