15.02.2017
Transportversicherung

Versicherer warnen vor hoher Brandgefahr auf Autofähren

Die Feuergefahr auf Autofähren ist deutlich höher als auf allen anderen Schiffstypen. Das zeigen die Schadenbilanzen der internationalen Transportversicherer. Nach einer Statistik der Nordic Association of Marine Insurers (Cefor) bricht jährlich auf 1,5 Prozent der Autofähren Feuer aus – also auf jedem 65. Schiff. Bei Schüttgutfrachtern, Containerschiffen oder Tankern ist die Quote mit 0,3 bis 0,5 Prozent deutlich niedriger; reine Passagierschiffe liegen bei knapp einem Prozent.

Hunderte Passagiere, aber keine Rettungsübungen

„An Bord einer Autofähre sind oft mehrere hundert Passagiere, die bei einem Brand in Lebensgefahr sind – aber anders als auf Kreuzfahrtschiffen gibt es in der Regel keine Seenot-Rettungsübung“, sagt Uwe-Peter Schieder vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Der Sicherheitsexperte, der als Kapitän selbst zwölf Jahre zur See gefahren ist, verweist auf die Brände der Sorrento im April 2015 und der Norman Atlantic Ende 2014. „Auf beiden Schiffen brach Feuer an Deck aus, das von der Mannschaft nicht eingedämmt werden konnte. Die Besatzung und die Passagiere der Sorrento konnten gerettet werden, aber auf der Norman Atlantic kamen 11 der 500 Menschen an Bord ums Leben“, sagt Schieder.

Vier von fünf Bränden an Bord werden von Fahrzeugen verursacht

Eine Analyse der International Maritime Organisation (IMO) der Vereinten Nationen kommt zu dem Ergebnis, dass die eigentliche Gefahrenquelle auf Autofähren die Fahrzeuge sind. Fast 80 Prozent der untersuchten Brände auf Autofähren zwischen 1994 und 2011 gingen von einem Fahrzeug an Deck aus. Allein in Brand geratene Aggregate von Kühltrailern waren für mehr als 25 Prozent der Vorfälle verantwortlich.

„Ist an Deck erstmal Feuer ausgebrochen, wirken die Planen, die Ladung und die Treibstofftanks der dicht an dicht stehenden Lkws wie Brandbeschleuniger. Die Mannschaft kann den Brand also entweder sehr schnell kontrollieren oder gar nicht“, erklärt Schieder.

Der GDV fordert daher von den Reedern mehr Engagement beim Brandschutz: Gefährliche Ladung und Trailer mit laufenden Kühlaggregaten sollten separat gestellt und durchgängig überwacht werden. Die Besatzung müsse regelmäßig geschult und die Feuerlöschsysteme müssten verbessert werden, etwa durch leistungsfähige Sprinkleranlagen und Wasserwerfer. Sie könnten die Ausbreitung des Feuers wirkungsvoll verhindern.

Derzeit erschwere aber schon die Bauweise vieler Autofähren den Einsatz großer Mengen Löschwassers, so Schieder: „Das Löschwasser muss auch schnell wieder vom Deck abfließen können, sonst können große Wassermengen auf einem Fahrzeugdeck zu gefährlichen Schlagseiten führen.“

Weitere Informationen:
Positionspapier der International Union of Marine Insurance (IUMI) zu Bränden auf Autofähren.