10.02.2017
Die schönste Versicherungssache der Welt

Ein Universum ohne Prinzessin Leia ertragen zu lernen, Du nicht musst!

Sie spielte eine zentrale Figur im wohl prägendsten Epos der Filmgeschichte: Die haarschneckenohrige Rebellenprinzessin Leia. Nach dem Tod der Darstellerin Carrie Fisher sorgen sich „Star Wars“-Fans um den Fortgang der Saga. Doch die Produzenten haben sich abgesichert – mit einer Rekordsumme.

Pathos gehört in Hollywood zum Geschäft, doch die tränenvollen Reaktionen auf den Tod von „Star Wars“-Schauspielerin Carrie Fisher im Dezember gingen über das übliche Maß der Anteilnahme weit hinaus. Es waren nicht nur Freunde und Kollegen, die ihren Verlust beweinten, die ganze Filmgalaxis zeigte sich erschüttert. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Fisher mit Prinzessin Leia Organa eine Figur verkörpert hat, die in der Fantasiewelt ganzer Generationen einen Stellenwert einnimmt, wie es in der Ära vor dem Kino nur Märchengestalten taten. Leia ist Hollywoods Antwort auf Schneewittchen.

Anders als die Märchenprinzessin, die trotz eines Bisses in einen vergifteten Apfel von den Toten zurückkehrt, ist Leias Abschied nach dem Tod von Fisher allerdings endgültig. Und das ist ein Problem für den Disney-Konzern, der die Rechte an „Star Wars“ hält. Denn Leia taucht nicht nur in der bereits abgedrehten Episode 8 „Star Wars: The Last Jedi“ auf, die zu Weihnachten 2017 ins Kino kommt, sondern war auch für Fortsetzungen eingeplant, die darauf aufbauen. Der Tod von Fisher, die kurz nach Heiligabend nur 60 Jahre alt den Folgen eines Herzinfarkts erlag, scheint die Planung nun zunichte zu machen.

Für Fishers Fehlen in „Episode IX“ zahlen Versicherungen bis zu 50 Millionen Dollar

Zumindest in finanzieller Hinsicht hat Disney allerdings vorgebaut. Der Unterhaltungskonzern hat bei Lloyd’s eine Versicherung gegen Einnahmeverluste durch den Tod von „Star Wars“-Schauspielern abgeschlossen, die sich im Fall von Fisher auf bis zu 50 Millionen US-Dollar belaufen soll. Sie deckt den ihren Ausfall bei Werbeauftritten für die achte Episode und beim Dreh der geplanten neunten.

Der „Economist“ schätzt die Summe auf die bislang höchste, die Versicherungen im Zusammenhang mit dem Tod eines Schauspielers zahlen müssen. Angesichts der wachsenden Bedeutung von prominenten Gesichtern für den Erfolg an der Kinokasse schließen die Studios zunehmend solche Policen ab.

Die Versicherung war allerdings nicht die einzige Vorsorge, die Disney getroffen hat. Die Produzenten haben zudem eine Möglichkeit geschaffen, Prinzessin Leia weiterleben zu lassen – mithilfe moderner Tricktechnik. Denn Carrie Fisher hat sich vor ihrem Tod einscannen lassen und so eine Art Kopie ihres Körpers aus Bits und Bytes angelegt.

Wie Leia wieder zum Leben erwachen könnte

Schon im aktuellen „Star Wars“-Ableger „Rogue One“ ist zu sehen, wie weit die Möglichkeiten der Digitaltechnik gediehen sind. In dem Film taucht die junge Leia mit dem Gesicht der 20-jährigen Carrie Fisher aus dem ersten „Star Wars“-Streifen von 1977 auf. Auch Gouverneur Tarkin, eine weitere Figur aus dem alten Film, hat einen Auftritt, obwohl der Schauspieler schon zwei Jahrzehnte tot ist. Nur wer genau hinschaut, erkennt, dass beide am Computer erschaffen wurden. Ihren Auftritt verdanken sie der von „Star Wars“-Schöpfer George Lucas gegründeten Spezialeffektfirma Industrial Light & Magic.

Bei Tarkin und der jungen Leia mussten sich die Techniker noch mit alten Aufnahmen behelfen. Dennoch ist das Ergebnis verblüffend gut. Für die gereifte Leia verfügen sie nun über ein umfangreiches digitales Archiv auf neuestem Stand der Technik. Noch ist nicht bekannt, ob oder in welchem Umfang sie für kommende Ausgaben davon Gebrauch machen werden. Doch eine digitale Wiederauferstehung von Fisher ist zumindest möglich. Fast wie bei Schneewittchen im Märchen.