07.02.2017
Eisenbahnhaftpflicht

Besserer Schutz für Dampflok-Passagiere

Bis zum 2. März müssen Eisenbahngesellschaften den Aufsichtsbehörden eine höhere Versicherungssumme nachweisen. Das betrifft auch die vielen Museumseisenbahnen in Deutschland.

Bis Anfang März müssen Eisenbahnunternehmen und Schienennetzbetreiber einen höheren Versicherungsschutz nachweisen. Anstatt 10,23 Millionen Euro muss die Deckungssumme in der Eisenbahnhaftpflichtversicherung mindestens 20 Millionen Euro pro Schadenereignis betragen. Die Neuregelung gilt auch für Museumsbahnvereine, die oft von ehrenamtlich tätigen Privatpersonen getragen werden. „Jede Eisenbahn ist davon betroffen“, erklärt Günther Steinhauer, Vorsitzender des Verbands Deutscher Museums- und Touristikbahnen.

Grund ist eine Anpassung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes: Im Sommer 2016 hatte der Gesetzgeber beschlossen, die Mindestversicherungssummen in der Eisenbahnhaftpflichtversicherung anzuheben. Auch das verheerende Zugunglück von Bad Aibling am 9. Februar 2016 spielte in den Diskussionen über das Gesetz eine Rolle. Die Eisenbahnhaftpflicht schützt Mitfahrer oder Außenstehende, die durch die Lok geschädigt werden könnten. Auch wenn die Eisenbahn Sachschäden am Eigentum anderer verursacht, springt die Versicherung ein. Damit ähnelt sie der Kfz-Haftpflichtversicherung, die jeder Autohalter in Deutschland abschließen muss.

Museumsbahnen verursachen meist Bagatellschäden

Gerade bei Eisenbahnen mit Dutzenden oder sogar Hunderten Fahrgästen in einem Zug könnten bei einem schweren Unfall schnell hohe Summen entstehen. Beim Zugunglück in Bad Aibling waren zwölf Menschen getötet, 89 Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Für einen Schwerverletzten müsse ein Versicherer drei bis vier Millionen Euro Entschädigung bis ins Rentenalter einkalkulieren, sagt Versicherungsmaklerin Gabriele Rodatz. Sie hat sich auf die Absicherung von Lok und Wagen spezialisiert. „Auch eine Museumseisenbahn könnte einmal einen Großschaden verursachen.“

Im täglichen Geschäft würden Millionensummen bei Museumsbahnen jedoch so gut wie nie erreicht, erklärt Steinhauer. „Das meiste sind Bagatellschäden.“ Zum Beispiel wenn Kleidungsstücke durch die Dampflok verrußt werden. Nur in ganz seltenen Fällen würden überhaupt einmal sechsstellige Summen erreicht, erklärt der Vorsitzende des Museumseisenbahnverbandes. Auch die Unfallhäufigkeit sei bei den Museumsbahnen gering.

Eisenbahner müssen Versicherungsschutz überprüfen

Trotzdem müssen die Museumsbahner ihren Versicherungsschutz überprüfen. „Bei uns geht es jetzt aber nur noch um die Bestätigung gegenüber dem Landesbahnamt“, erzählt Steinhauer, der selbst beim Kleinbahnmuseum Selfkantbahn im Kreis Heinsberg aktiv ist. Ihre Haftpflichtversicherung hat die Selfkantbahn bereits angepasst. Bis zum 2. März müssen alle Eisenbahnbetreiber die Versicherungsscheine bei den zuständigen Landesbahnämtern vorlegen. Wenn Museumseisenbahnen ein eigenes Schienennetz betreiben, muss dieses ebenfalls versichert sein.

Die Erhöhung der Versicherungssumme gibt es zumeist nicht umsonst. „Es gibt natürlich eine Preissteigerung“, sagt Maklerin Rodatz. Anders als in anderen Ländern gibt es in Deutschland keine Ausnahmeregelungen für die Kleinbahnen. „Die Gleichstellung ist nun einmal da“, sagt Rodatz. Die Museumsbahnen könnten mit der geringen Preissteigerung aber leben.