24.01.2017
Verkehrsgerichtstag 2017

Unfallforscher wollen Radfahrer mit besserer Infrastruktur schützen

Seit acht Jahren ist die Zahl der getöteten Radfahrer nahezu unverändert hoch (2015: 383), die der Schwerverletzten ist sogar seit 16 Jahren nicht gesunken (2015: 14.224). Jeder neunte Tote und jeder fünfte Verletzte im Straßenverkehr ist ein Radfahrer, jeder zweite davon älter als 65.

Und die Tendenz zu mehr Radverkehr, mehr älteren Radfahrern und mehr elektrisch unterstützten Fahrrädern dürfte künftig zu noch mehr Radverkehrsunfällen führen. Für eine höhere Sicherheit im Radverkehr müssen daher dringend Maßnahmen in den folgenden Bereichen ergriffen werden:

1. Verkehrsinfrastruktur

Obwohl Radverkehrsunfälle meist auf Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen sind, spielt eine mangelhafte Infrastruktur eine große Rolle. Aus diesem Grund fordert die UDV, dass die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) konsequent bundesweit umgesetzt werden. Eine ausreichend dimensionierte und gut erkennbare Radverkehrsführung sowie gute Sichtbeziehungen zwischen den Verkehrsteilnehmern sind dabei wesentliche Elemente.

Da die meisten Unfälle mit Fahrrädern an Kreuzungen und Einmündungen passieren, müssen diese besonders sicher gestaltet werden. Deshalb sollten – wo möglich – Rad- und Autofahrer beim Abbiegen eigene Ampelphasen bekommen. Sichthindernisse an Kreuzungen müssen beseitigt werden.

2. Verhalten im Straßenverkehr

Um Unfallgefahren zu verringern, muss das Verkehrsklima zwischen Radfahrern, Fußgängern und Kraftfahrern durch eine Kombination von Kommunikation, Verkehrserziehung und Kontrolle verbessert werden. Einen Beitrag dazu können auch die Fahrradstaffeln der Polizei leisten. Nach einer Untersuchung der UDV sorgen sie für mehr Akzeptanz von Verkehrsregeln und damit auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Der Nutzen des Fahrradhelms bei der Vermeidung von schweren Kopfverletzungen ist mehrfach nachgewiesen, deshalb sollte die Helmtragequote nicht nur bei Kindern und Jugendlichen erhöht werden. Auch bei Unfällen ohne Kraftfahrzeugbeteiligung ist der Radhelm wichtig.

3. Kraftfahrzeug-Technik

Unfälle von Radfahrern mit Autos oder Lkw können auch durch technische Maßnahmen abgeschwächt oder sogar ganz vermieden werden. Deshalb sollte die Entwicklung und Verbreitung von schützender Technik am Fahrzeug forciert werden. Dazu gehören in erster Linie aktive Systeme wie Notbremsassistenten mit Radfahrer- und Fußgängerkennung. Um die besonders schweren Abbiegeunfälle von Lkw mit Radfahrern zu vermeiden, müssen wirksame Abbiegeassistenten entwickelt und in die Serie gebracht werden, auch für Bau- und Entsorgungs-Lkw.

Service:

Zu diesem Thema bieten die Unfallforscher auch O-Töne sowie honorarfreie Fotos und Video-Footage-Material an.

Ansprechpartner für Presseanfragen:

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer
Tel.: 030 / 20 20 – 58 20
s.brockmann@gdv.de