20.01.2017
Makro und Märkte kompakt

Eiszeit im Zins

Lange Zeit unvorstellbar, entwickelten sich negative Nominalzinsen über die letzten Jahre in vielen Segmenten des Anleihemarktes zusehends vom Sonder- zum Normalfall. Wir setzen diese Entwicklung in einen historischen sowie zinstheoretischen Kontext, beleuchten die verschiedenen Erklärungsansätze und zeigen auf, warum wir eine endogene Untergrenze bei negativen Zinsen für plausibel erachten.

– Negative Nominalzinsen sind in der gegenwärtigen Ausprägung historisch einmalig. Daran hat der leichte Zinsanstieg der letzten Wochen wenig geändert.

– Negativzinsen lassen sich schwer mit volkswirtschaftlichen Theorien zum Wesen und zu den Funktionen des Zinses in Einklang bringen. Zinsen im negativen Bereich verlieren viele ihrer effizienzfördernden Eigenschaften, ähnlich wie Wasser, das gefriert.

– Mehrere Faktoren haben zum Auftreten der neuen Eiszeit im Zins beigetragen. Neben einer zunehmenden Flucht in die Qualität ist unseres Erachtens die unorthodoxe Geldpolitik der Zentralbanken hierfür in hohem Maße mitverantwortlich.

– Wichtige ökonomische Wirkmechanismen sprechen jedoch dagegen, dass stark negative Zinsen ein lang andauerndes Phänomen sein können. Hierzu zählen insbesondere die Ausweichreaktionen der Kapitalanleger sowie die sich umkehrende Wirkung extrem expansiver geldpolitischer Maßnahmen.

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