02.01.2017
Jahresausblick

Das bringt 2017 für die Versicherungsbranche

Ergänzende Vorgaben für den Vertrieb, neue Berichte der Unternehmen und bedeutende Konferenzen: 2017 wird für die Assekuranz ereignisreich. GDV.DE wirft einen Blick voraus und stellt die wichtigsten Termine und Themen des Jahres vor, das von der Bundestagswahl im Herbst geprägt wird.

Januar

Das neue Jahr beginnt mit einem Rückblick auf das alte: Am 26. Januar findet in Berlin die Jahrespressekonferenz des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) statt. An diesem Tag gibt es frische Zahlen zum Geschäftsverlauf der Branche 2016. Ein wichtiges Ereignis nicht nur für Journalisten, die der Branche auf den Zahn fühlen. Sondern auch für die Unternehmen, die ihr eigenes wirtschaftliches Abschneiden nunmehr besser einordnen können. Erfolg ist schließlich immer auch relativ.

Februar

Mit Spannung blickt die Versicherungsbranche dem 1. Februar entgegen. Spätestens an diesem Tag wird die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA der EU-Kommission ihre technischen Ratschläge für die delegierten Rechtsakte vorlegen, die die Vermittlerrichtlinie IDD in wichtigen Details konkretisieren. Dabei geht es gerade auch um die Frage, unter welchen Bedingungen Provisionen bei der Vermittlung von Versicherungsanlageprodukten künftig noch zulässig sind. Wie beim Vertrieb dieser Produkte Interessenskonflikte erkannt und vermieden werden können, dazu enthält das Dokument ebenfalls Vorgaben. Darüber hinaus werden die Anforderungen an die Produktprüfungsprozesse konkretisiert. Die EIOPA-Ratschläge sind deshalb so wichtig, weil die EU-Kommission in der Regel den Empfehlungen der europäischen Aufsicht folgt. Die Kommission wird die finalen Rechtsakte voraussichtlich im Spätsommer vorlegen. Anschließend erhalten Rat und EU-Parlament noch die Gelegenheit, Einwände zu erheben. Bis zum 23. Februar 2018 müssen die europäischen Regeln zum Versicherungsvertrieb in Deutschland umgesetzt sein.

März

Kaum ein Monat vergeht, ohne dass ein neuer Hacker-Angriff bekannt wird. Deutsche Telekom, Yahoo, Thyssen-Krupp – drei prominente Fälle allein in den letzten Wochen 2016. Sie zeigen: Die Attacken nehmen zu, umso wichtiger werden Abwehrstrategien und ein ausreichender Versicherungsschutz. Wie dieser aussehen kann, dazu liefert die Cyber-Security-Konferenz des GDV am 28. März wichtige Antworten. Der Verband stellt erstmals ein Konzept vor, das es Versicherern erlaubt, Cyberpolicen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen anzubieten. Der Vorstoß könnte den Produkten in Deutschland zum Durchbruch verhelfen, die bislang noch in der Nische stecken. Für die Zukunft verspricht dieses Marktsegment aber großes Wachstum.

April

Von April an können Versicherer ihre gemeinsame Statistikarbeit sowie die Zusammenarbeit in sogenannten Mitversicherungsgemeinschaften nicht mehr auf Grundlage der Gruppenfreistellungsverordnung für die Versicherungswirtschaft (GVO) durchführen. Diese befreit bislang diese Formen der Kooperation von den EU-Kartellvorschriften, läuft aber im März 2017 aus. Damit gelten fortan die allgemeinen kartellrechtlichen Vorschriften sowie besonderen Leitlinien der EU-Kommission, die auch bei Kooperationen von Wettbewerbern in anderen Branchen greifen.

Mai

20 Wochen nach Ende des Geschäftsjahres läuft für die meisten Versicherer eine wichtige Frist ab: Alle Unternehmen, die dem Aufsichtssystem Solvency II unterliegen, müssen bis dahin ihren Bericht zur Solvenz- und Finanzlage (Solvency and Financial Condition; SFCR) veröffentlichen. Während die Versicherer der Aufsicht bereits seit dem Start von Solvency II Anfang 2016 regelmäßig über ihre Finanzlage Bericht erstatten, geben sie nun erstmals auch der Öffentlichkeit detailliert Auskunft, etwa zu ihren vorhandenen Eigenmitteln, den Risiken und der allgemeinen Geschäftsentwicklung. Die Berichte müssen einerseits allgemeinverständlich, gleichzeitig aber noch detailliert genug sein, damit sich Leser ein Bild von der Finanzlage machen können. Ob der Spagat gelingt, zeigt sich spätestens im Mai.

Juni

Ende Juni kommt der Bundestag zu seiner letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause zusammen. Es ist zugleich die letzte in dieser Legislaturperiode. Das heißt: Was bis dahin nicht erledigt ist, muss nach den Wahlen im Herbst von der neuen Regierung erneut ins Gesetzgebungsverfahren eingebracht werden – was eben dauert. Bei einigen Beschlüssen drängt aber die Zeit, das gilt aus Sicht der Versicherungsbranche etwa für die Anpassung des deutschen Datenschutzrechts an die Vorgaben der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Der GDV setzt sich dafür ein, dass dabei einige in der Verordnung verankerte Öffnungsklauseln genutzt werden. Das betrifft zum Beispiel die Verarbeitung von Gesundheitsdaten für statistische Zwecke. Sollte der Bundestag das Gesetz nicht bis zur Sommerpause auf den Weg gebracht haben, dürfte es mit der nationalen Anpassung eng werden bis 25. Mai 2018. Ab dann gilt nämlich die DSGVO unmittelbar in allen EU-Staaten. Ohne ein Anpassungsgesetz blieben viele Fragen offen – und die Versicherer hätten mit Rechtsunsicherheit zu kämpfen.

Juli

Bis Mitte des Jahres will die Internationale Vereinigung der Versicherungsaufseher (IAIS) den ersten Schritt zu einem globalen risikobasierten Kapitalstandard (ICS) für Versicherungsgruppen verabschieden – Version 1.0 genannt. Alle international tätigen Unternehmen sollen auf Basis dieser Vorgaben fortan der IAIS über ihre Finanzlage vertraulich Bericht erstatten. Die Aufseher nutzen die Ergebnisse für die Weiterentwicklung in Richtung Version 2.0, welche Ende 2019 abgeschlossen und verabschiedet werden soll. Gänzlich unbedeutend sind die IAIS-Vorgaben auch für die übrigen Versicherer nicht: Denn es zeichnet sich ab, dass die neuen Anforderungen mittel- und langfristig auf die europäischen Aufsichtsregeln durchschlagen werden. Der GDV setzt sich daher dafür ein, dass der ICS kompatibel zu Solvency II ist.

August

Nach dem Ende der Urlaubssaison veröffentlicht der GDV eine seiner populärsten Zahlenwerke: die Regionalklassenstatistik. Sie spiegelt das Schaden- und Unfallgeschehen in den mehr als 400 Zulassungsbezirken wider. Wo gab es viele oder sehr teure Unfälle? Wo ist kaum etwas passiert? Die Zahlen bieten nicht nur Anlass für manch spöttische Schlagzeile in den Medien über die Fahrkünste in einer Region. Sie geben Autobesitzern auch einen Hinweis darauf, wie sich ihre Versicherungstarife entwickeln könnten. Denn die Regionalklasse ist ein wichtiges Tarifmerkmal in der Kfz-Versicherung. Gleiches gilt für die Typklasse, die das Schadengeschehen nach Fahrzeugmodellen ordnet. Diese veröffentlicht der GDV wenige Wochen später.

September

Am 26. und 27. September findet in Berlin der Versicherungstag statt. Das Präsidium des GDV wählt dann aus seiner Mitte einen neuen Präsidenten. Alexander Erdland – seit November 2012 an der Spitze des Verbandes und im Vorjahr für eine zweite Amtszeit wiedergewählt – tritt auf eigenen Wunsch ab. Bis dahin will der 65-Jährige die Branche weiter wahrnehmbar in der Öffentlichkeit vertreten und das Programm GDV.2017 vorantreiben. Sein Nachfolger wird einen neu strukturierten Verband vorfinden – und möglicherweise zudem eine neue politische Konstellation. Denn mit der Bundestagswahl findet auf politischer Bühne – voraussichtlich ebenfalls im September – auch eine wichtige Abstimmung statt.

Oktober

Vom 22. bis 26. Oktober richtet sich das Augenmerk der Branche auf Baden-Baden. Wie jedes Jahr treffen sich in der Kurstadt am Rand des Schwarzwalds Rückversicherer aus aller Welt, um mit Maklern und Erstversicherern die Prämien für den Rückversicherungsschutz auszuhandeln. Denn viele Verträge laufen zum Jahresende aus und müssen erneuert werden. Die Rückversicherer übernehmen eine wichtige Aufgabe, indem sie Erstversicherer von Risiken befreien und weltweit verteilen. Und auch wenn Baden-Baden beschaulich daherkommt, so ist der Ort ideal für das Global Business: Schließlich ist Deutschland gemessen am weltweiten Prämienaufkommen der größte Standort der Rückversicherer.

November

Tut sie es oder tut sie es nicht? Verlängert die Europäische Zentralbank (EZB) ihr umstrittenes Anleihekaufprogramm erneut oder stellt sie es ein? Hinweise darauf wird es spätestens im November geben – einen Monat vor dem geplanten Ende des Aufkaufprogramms. Ursprünglich sollte es bereits im März 2017 auslaufen, die Notenbanker entschieden sich jedoch vor wenigen Wochen für eine Verlängerung bis Ende 2017. Bis dahin wird die EZB knapp 2,3 Billionen Euro für den Kauf von Wertpapieren ausgegeben haben. Die Folgen ihres Markteingriffs sind unübersehbar: Die Renditen für Anleihen sind im Keller, das Angebot an handelbaren Papieren ist knapp. Darunter leiden unter anderem die Versicherer, die seit Längerem ein Ende der extrem expansiven Geldpolitik fordern.

Dezember

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen (…) werde.“ Dieser Satz hallt spätestens im Dezember durch den Deutschen Bundestag, wenn der Kanzler oder die Kanzlerin vereidigt wird. Dann übernimmt zugleich die neue Bundesregierung die Amtsgeschäfte. Arbeit gibt es genug, einiges ist schließlich auch liegen geblieben, etwa eine Lösung für die zukünftige Finanzierung der gesetzlichen Rente. Weil sich die Große Koalition nicht einigen konnte, wird sich die neue Regierung erneut mit dem Thema befassen müssen. Und dabei wird es wohl auch um die private Altersvorsorge gehen – ein Kernthema für die Versicherungsbranche, die erneut viele Anlässe bekommen dürfte, Position zu beziehen.