24.01.2017
Verkehrsgerichtstag 2017

Auf der Suche nach mehr Sicherheit

Der am Mittwoch beginnende Deutsche Verkehrsgerichtstag ist seit über einem halben Jahrhundert die zentrale Veranstaltung für die Zukunft des Verkehrsrechts. Sei es die Gurtpflicht, das Handyverbot am Steuer oder der Führerschein mit 17 – entscheidende Weichen für diese Regeln wurden in Goslar gestellt. In diesem Jahr geht es unter anderem um Senioren am Steuer, Sicherheit für Radfahrer und um Smartphones und Tablets als Unfallursachen.

Die Empfehlungen der auf dem Verkehrsgerichtstag versammelten Experten sind nicht bindend, doch werden häufig von der Politik aufgegriffen. Eine zentrale Frage in diesem Jahr: Wie können die Risiken von und für Senioren im Straßenverkehr verringert werden?

Ein Lösungsansatz dafür könnten verpflichtende Fahrtests sein, wie sie Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), für alle Autofahrer ab 75 fordert: „Das Manko sind vor allem ihre nachlassenden kognitiven Fähigkeiten. Senioren verfügen zwar über viele Erfahrungen im Straßenverkehr. Doch die Geschwindigkeit, mit der Menschen Informationen verarbeiten, die lässt eben im Alter nach“. Brockmanns Vorstellungen nach sollten die Senioren zu einer Testfahrt verpflichtet werden, bei der eine geschulte Begleitperson den Fahrer beobachtet und nach der Fahrt eine Rückmeldung gibt. Die Testergebnisse sollen aber vertraulich bleiben und nur eine Empfehlung sein: „Niemand soll anschließend gezwungen werden, seinen Führerschein abzugeben“, so Brockmann.

Alle Arbeitskreise
auf dem 55. Verkehrsgerichtstag

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Verkehrssicherheit ist gleich mehrfach Thema

Ebenfalls um eine bessere Verkehrssicherheit geht es in weiteren Arbeitskreisen des Verkehrsgerichtstages. So stehen nicht nur Senioren, sondern auch Smartphones und Tablets im Fokus: Aktuelle Studien legen nahe, dass viele Fahrer von ihren Geräten abgelenkt sind und während der Fahrt nicht nur telefonieren, sondern auch Texte lesen und schreiben. Gerade das ist nach Erkenntnissen der UDV besonders gefährlich: Das Texten während des Fahrens erhöht das Risiko eines Beinahe-Auffahrunfalls um das Siebenfache und das Risiko eines Auffahrunfalls um das 3,5fache. Die UDV fordert die Bundesregierung daher auf, die Gesetze an diese Realität anzupassen: „Der sogenannte Handyparagraf ist völlig veraltet und spricht noch von Autotelefonen statt von Tablets oder Smartphones“, so Brockmann.

In einem anderen Arbeitskreis diskutieren Experten, wie Radfahrer insbesondere in Städten geschützt werden könnten. Hier setzt die UDV auf einen Mix aus einer anderen Verkehrsinfrastruktur, mehr Sicherheitstechnik in Autos und Lkw sowie einem neuen Miteinander von Radlern, Fußgängern und Autofahrern.