05.12.2016
Altersvorsorge verstehen

Standmitteilungen auf den Punkt gebracht

Standmitteilungen sind der jährliche Kontoauszug einer Lebensversicherung. Mit diesem Schreiben erfahren Verbraucher, wie sich der Wert ihrer Lebensversicherung im zurückliegenden Jahr entwickelt hat und mit welchen Leistungen sie künftig rechnen können. Wie viel Rente ist garantiert? Wie ist das genau mit den Überschüssen? Und was bringt die Police im Todesfall? Wir klären die wichtigsten Begriffe.

Viele Lebensversicherungskunden bekommen am Jahresende Post von ihrem Versicherer – die jährliche Information zum Stand ihrer Versicherung, oder kurz: Standmitteilung. Manche Begriffe darin gehören nicht zum alltäglichen Wortschatz von Otto-Normal-Versicherungskunde. Wir machen sie verständlich.

Was steht in der Standmitteilung?

Was bedeutet das konkret?

Versicherte Person und Versicherungsnehmer Die versicherte Person ist diejenige, auf die sich der Versicherungsschutz bezieht. Häufig ist die versicherte Person identisch mit dem Versicherungsnehmer, bei dem die Rechte und Pflichten einer Police liegen. Es gibt aber auch Ausnahmen, ein Beispiel: Eine Mutter schließt für ihren Sohn eine Lebensversicherung ab. In diesem Fall ist die Mutter die Versicherungsnehmerin, die die Beiträge bezahlt, der Sohn jedoch die versicherte Person.

Versicherungsablauf Der Moment, in dem sich das Sparen auszahlt: Am Tag des Versicherungsablauf geht die Lebensversicherung von der Einzahl- in die Leistungsphase über. Kunden bekommen an diesem Tag das angesparte Kapital ausbezahlt. Bei manchen Lebensversicherungen beginnt zu diesem Zeitpunkt die Rentenphase.

Garantierte finanzielle Leistungen bei Versicherungsablauf Die Leistungen einer Lebensversicherung bestehen prinzipiell aus zwei Bausteinen:

  • Garantierte Leistungen, mit denen Versicherte fest rechnen können;
  • und nicht garantierte Leistungen, die variabel sind (z.B. der Überschussbeteiligung)

Ähnlich einem Kontoauszug gibt die Standmitteilung darüber Auskunft, welche Summe nach jetzigem Stand die Versicherten am Ende der Laufzeit garantiert ausgezahlt bekommen. Die laufende Überschussbeteiligung ist hier häufig schon eingerechnet, der Schlussüberschuss jedoch nicht.

Garantierte finanzielle Leistungen im Todesfall Lebensversicherungen sind nicht nur ein Instrument für die Altersvorsorge, sondern auch für die finanzielle Absicherung der Hinterbliebenen im Todesfall. Der Posten „Garantierte finanzielle Leistungen im Todesfall“ führt auf, welche Summe die Hinterbliebenen nach jetzigem Stand ausgezahlt bekämen, wenn die versicherte Person versterben würde.

Garantierter Auszahlungsbetrag bei vorzeitiger Vertragsbeendigung Wer vor dem vereinbarten Ende der Laufzeit seine Lebensversicherung kündigt, hat ein Recht auf das ihm zustehende Geld. Die Standmitteilung weist diese Summe aus. In der Regel sind vorzeitige Kündigungen jedoch mit finanziellen Einbußen für Versicherte verbunden – zur Kündigung gibt es deshalb auch sinnvollere Alternativen.

Rechenbeispiele: Mögliche finanzielle Gesamtleistungen Manche Standmitteilungen enthalten Rechenbeispiele, wie sich der Wert eine Versicherung künftig entwickeln könnte. Diese Rechenbeispiele gehen dabei unterschiedliche Szenarien am Kapitalmarkt durch, z.B. niedrigeres, gleichbleibendes und höheres Zinsniveau. Angesichts der langfristigen Perspektive einer Lebensversicherung hat jedes Szenario direkte Auswirkungen auf die Wertentwicklung. Diese Rechenbeispiele dürfen jedoch nicht mit den garantierten Leistungen der Police verwechselt werden. Die Beispielrechnungen sind unverbindlich.

Laufende Überschussbeteiligung Versicherer legen das Kapital ihrer Kunden an. Je nach Lage am Kapitalmarkt, erwirtschaften sie dabei Überschüsse, die sie an ihrer Kunden weitergeben. Die laufende Überschussbeteiligung wird jährlich neu festgelegt und den Lebensversicherungen jährlich gutgeschrieben. Diese Gutschrift findet sich auch in der Standmitteilung.

Schlussüberschuss Wer bis zum Ende einer Versicherung durchhält, wird mit dem Schlussüberschuss belohnt. Er wird am Ende der Versicherung verbindlich den Kunden zugeteilt. Der Schlussüberschuss wird jährlich neu festgelegt. Er kann daher im Verlauf der Versicherung schwanken. Da der Schlussüberschuss ein variabler Baustein einer Lebensversicherung ist, kann er ganz oder teilweise entfallen.

Bewertungsreserven Vereinfacht ausgedrückt entstehen Bewertungsreserven, wenn der aktuelle Marktpreis der Kapitalanlagen höher ist als der Kaufpreis. Der Wert der Bewertungsreserven ist stark
abhängig vom Kapitalmarkt.

Als Teil der Überschussbeteiligung geben Versicherer den Wert der Bewertungsreserven anteilig an ihre Kunden weiter. Die Beteiligung an Bewertungsreserven kann jederzeit stark schwanken. Sie kann deshalb ganz oder teilweise entfallen. Um diese Schwankungen abzumildern, erhalten Versicherte häufig eine Sockelbeteiligung aus Bewertungsreserven – eine Art Mindestbeteiligung.

 

Gut zu wissen

Der GDV gibt Muster-Standmitteilungen zu unterschiedlichen Lebensversicherungsprodukten heraus. Um diese Schreiben so verständlich wie möglich zu machen, hat der Verband seine Standmitteilungen sprachwissenschaftlich überarbeitet. Diese Muster-Standmitteilungen sind aus kartellrechtlichen Gründen für Versicherungsunternehmen unverbindlich. Das bedeutet: Versicherer können die Muster-Standmitteilungen verwenden, müssen aber nicht. Stattdessen können sie auch eigens angefertigte Standmitteilungen an ihre Kunden schicken.