16.12.2016
Lebensversicherung

EIOPA-Stresstest bringt erwartetes Ergebnis

Der Stresstest der europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA hat für den deutschen und europäischen Markt die zu erwartenden Ergebnisse gebracht. Da die Testszenarien auf sehr unwahrscheinlichen und teilweise ökonomisch nicht begründbaren Annahmen beruhen, lassen die Stressergebnisse keine Rückschlüsse auf die Stabilität der Branche zu, kommentiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Der Stresstest unterstellt zudem, dass die europäischen Lebensversicherer in keiner Weise auf den Stress reagieren, also ihre Geschäftsmodelle und Kapitalanlagestrategie unverändert beibehalten. Diese Annahme ist offenkundig extrem, da die Unternehmen nunmehr seit Jahren die Herausforderungen der Niedrigzinsphase berücksichtigen.

Axel Wehling
Mitglied der GDV-Geschäftsführung:

„Die Ergebnisse des EIOPA-Stresstests sind vor dem Hintergrund der herausfordernden Zinssituation und der extremen Testszenarien nicht überraschend. Gleichzeitig ist die Aussagekraft der Tests gering, da die Szenarien auf sehr unwahrscheinlichen Annahmen beruhen. Wesentlich wichtiger für die Beurteilung der Branchenlage sind die Solvenzquoten unter Solvency II, die sich seit Inkrafttreten des Regelwerks zu Jahresanfang erfreulich stabil gezeigt haben.“

100 Jahre ohne Wachstum

Im so genannten „low for long“-Szenario wird eine „säkulare Stagnation“ in der Eurozone, d.h. ein Null-Wirtschaftswachstum unterstellt – für die nächsten 100 Jahre. Die reale Verzinsung ist gleich null. Ein derartiges Szenario hätte sicherlich gravierende Folgen für die Lebensversicherer und noch schlimmere für Sozialsysteme und Staatshaushalte. Allerdings ist eine derart lange Phase wirtschaftlicher Stagnation kaum vorstellbar – zumal Wechselwirkungen mit der globalen Volkswirtschaft außerhalb der Eurozone in dem Szenario ausgeblendet werden.

Im „double hit“-Szenario hat EIOPA die Folgen einer deutlichen Absenkung der risikofreien Zinsen bei einem gleichzeitigen Wertverlust aller Kapitalanlagen getestet. Neben Immobilien, Aktien und sonstigen Kapitalanlagen sind insbesondere Staats- und Unternehmensanleihen von dem Wertverlust betroffen. Dies widerspricht der ökonomischen Logik. Einerseits sinkt der risikofreie Zins, andererseits steigt der Zins für Papiere, die gemeinhin als (so weit wie möglich) risikofrei gelten. Selbst nach dem „Brexit“, dem stärksten Kapitalmarktschock der vergangenen Jahre, haben sich keinerlei Indizien für dieses Szenario ergeben.

Vergleich mit Solvency II ist nicht zielführend

Die Szenarien des EIOPA-Stresstests unterscheiden sich grundlegend von den Szenarien, die Versicherungsunternehmen unter Solvency II analysieren. Ein Vergleich oder eine Übertragung der Ergebnisse in den Stresstestszenarien auf Solvency II ist daher nicht möglich.

Detaillierte Informationen zu den Stresstest-Szenarien zum Download.

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EIOPA-Stresstest bringt erwartetes Ergebnis

Informationen und Positionen zum EIOPA-Stresstest 2016

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