16.11.2016
In eigener Sache "GDV.2017"

„Unsere Stärke ist die sehr enge Verbindung zwischen Verband und Mitgliedsunternehmen“

In der digitalisierten Mediendemokratie müssen Verbände auf vielen, sich verändernden Themenfeldern dynamisch agieren. Das setzt schnelle Entscheidungsprozesse voraus. Deshalb strafft der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seine Gremien und verändert den Zuschnitt seiner Dienstleistungen. Fragen an den Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Herr von Fürstenwerth, der Veränderungsdruck in der Versicherungswirtschaft ist groß, zollt dem jetzt auch der GDV mit seinem Programm „GDV.2017“ Tribut?
Jörg von Fürstenwerth: Der GDV ist heute gut aufgestellt. Wir waren gestern und wir sind heute erfolgreich. Und das wollen wir erst recht auch morgen sein. Das ist im Kern die Motivation, die uns treibt in unserem Strukturprojekt „GDV.2017“. Und das ist in einigen der Meldungen in der vergangenen Woche auch berichtet worden.

Strukturprojekt – geht das etwas genauer?
von Fürstenwerth: Das Umfeld unserer Arbeit ändert sich in einem völlig neuen Tempo und großer Intensität. Die Unternehmen verändern sich, die Wirtschaft, die ganze Gesellschaft. Müssen sich da die Anforderungen an Interessenvertreter in der Mediendemokratie nicht auch grundlegend verändern? Stetig steigen auch die Ansprüche der Mitgliedsunternehmen an unsere Dienstleistungen, sowohl was die Qualität als auch den Umfang betrifft. Kurzum, wir müssen schnell sein, präzise, themenorientiert und vernetzt arbeiten. Die Digitalisierung eröffnet dabei völlig neue Chancen. Die wollen wir nutzen.

Und deshalb gehen der Verband und der Geschäftsführer IT getrennte Wege?
von Fürstenwerth: Das hatte nichts mit dem Programm zu tun. Mein Kollege wird sich neuen Herausforderungen stellen. Und deshalb verlässt er den Verband. Wenigen ist bekannt, in welch großem Umfang der GDV auch für die Infrastruktur in unserem Land Dienstleistungen betreibt. Denken Sie beispielhaft nur an den Notruf an den Bundesautobahnen. Seit Jahren schon arbeiten wir gerade auf Drängen der IT-Vorstände unserer Mitgliedsunternehmen an der Schaffung einer zentralen IT- und Dienstleistungsgesellschaft. In dieser neuen Gesellschaft sollen unser Rechenzentrum und alle bisherigen Servicegesellschaften zusammengefasst werden. Das ist ein großer Schritt, der nun – endlich – zum Jahresende gelingen soll.

Zurück zu „GDV.2017“. Sie sprechen von Strukturprogramm. Neudeutsch heißt so etwas Change?
von Fürstenwerth: Natürlich geht es um eine grundlegende Veränderung. Unsere Stärke ist die sehr enge Verbindung zwischen Verband und Mitgliedsunternehmen. Das soll, das muss auch in der Ära der digitalen Transformation so bleiben. Es ist „das Pfund, mit dem wir wuchern können“, wie es so schön heißt. Die digitalisierte Welt setzt aber an die Schnelligkeit unserer Aktionen und Reaktionen und die Verknüpfung des Know-how andere Maßstäbe als die heute geltenden. Zurzeit sind wir hier mit einer umfassenden Gremienstruktur, die in ihrer Komplexität wohl ihresgleichen sucht, noch „klassisch“ unterwegs. Der Kern von „GDV.2017“ ist eine Neuausrichtung dieser Gremienstruktur. Und das wollen wir auch in der hauptberuflichen Organisation spiegeln. Künftig werden drei Kompetenzzentren im Mittelpunkt des fachlichen Know-hows stehen. Ein Kompetenzzentrum „Altersvorsorge und Zukunftssicherung“, ein Kompetenzzentrum „Risikoschutz für Wirtschaft und Gesellschaft“ und ein Kompetenzzentrum „Unternehmenssteuerung und Regulierung“. Zugleich stärken wir die politische Koordinierung. Und natürlich wird die Kommunikation weiter eine herausragende Rolle spielen.

In den Medien war zu lesen, dass beim GDV netto 54 Stellen auf dem Spiel stehen. Können Sie das bestätigen?
von Fürstenwerth: Ich will nicht über Zahlen reden, jedes einzelne Schicksal liegt uns am Herzen. Wir suchen hier nach sozialverträglichen Lösungen und sind mit freiwilligen Lösungen schon sehr weit. Natürlich arbeiten wir eng mit dem Betriebsrat zusammen, der sich sehr besorgt zeigt und uns auch drängt, bei Wegfall einer Funktion nach alternativen Verwendungen zu suchen. Hier und da funktioniert das auch. Klar ist, dass eine Neuausrichtung der Gremienstruktur auch Folgen für die hauptberufliche Organisation hat. Die Konsequenz aus „GDV.2017“ ist eben auch, dass Funktionen wegfallen und Kosten sinken. Die Anforderungen an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ändern sich. Neue Funktionen werden geschaffen. Dank der hohen Qualifikation der Kolleginnen und Kollegen haben wir im Change-Prozess bislang für fast alle Betroffenen bereits Lösungen finden können.

Wie geht es weiter?
von Fürstenwerth: Die neuen Strukturen machen eine Änderung unserer Vereinssatzung erforderlich. Das macht es ein wenig kompliziert und langwieriger als wir uns das wünschten. In Teilen stammt die Satzung noch aus dem Gründungsjahr des Verbandes 1948, andere Partien stammen aus der Zeit der Verschmelzung von vier Versicherungsverbänden auf den GDV im Jahr 1996. Insofern war die Erneuerung der Satzung gewissermaßen an der Zeit. Unsere Mitgliedsunternehmen haben Ende November auf unserer Mitgliederversammlung das letzte Wort. Sie geben das „go“, um den GDV fit für die Zukunft zu machen.