23.11.2016
Kolumne Versicherungstag 2016

An der Schnittstelle zwischen Risiko und Sicherheit

Risiken wandeln sich. Sie werden komplexer und vor allem globaler. Das betrifft nicht weniger als das Kerngeschäft von Versicherern. Mit Folgen: Die Branche wandelt sich – wohl schneller als je zuvor. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung Jörg von Fürstenwerth.

Lassen Sie mich einige Nachrichten der vergangenen Wochen Revue passieren: Da hat der Regierungschef des vom Klimawandel besonders bedrohten Inselstaates Fidschi den künftigen US-Präsidenten, Skeptiker in Sachen Klimawandel, zu einem Besuch eingeladen. Da mahnt Bundesinnenminister Thomas de Maizière in einem Gastbeitrag eindringlich vor den zunehmenden Gefahren der Cyberkriminalität. Und da betonen die fünf Wirtschaftsweisen die Risiken der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank – und sehen deshalb zunehmend eine Gefahr für die Finanzstabilität.



Risiken sind verkettet und machen an keiner Ländergrenze mehr halt

Wir erleben, wie sich Risiken wandeln. Sie werden komplexer und scheinbar unberechenbarer. Vor allem aber werden Risiken globaler. Bestes Beispiel: Am Mittwoch räumte der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, in seiner Rede auf unserem Versicherungstag ein: Zur Vorbereitung auf seinen Auftritt habe er im Entwurf des kommenden „Global Risks Reports“ des Forums geblättert und Folgenschweres festgestellt. Angesichts der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sei der Bericht nicht mehr aktuell – und müsse überarbeitet werden.

Risiken sind heute in der Regel verkettet und machen an Ländergrenzen längst nicht mehr halt. Wir Versicherer sind wie alle anderen Branchen davon betroffen. Mehr noch: All das betrifft früher oder später nicht weniger als unser Kerngeschäft. Grund genug, den diesjährigen Versicherungstag zu diesem Thema zu veranstalten: „An der Schnittstelle zwischen Risiko und Sicherheit.“

Jede neue jede Technologie, jeder Trend führt immer zur Frage nach der passenden Versicherung: Und je besser wir Versicherer Risiken kalkulieren können, desto besser können wir unseren Job erfüllen – und unseren Kunden gute Angebote machen und sinnvollen Service bieten.

GDV-NEWSLETTER

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Der GDV-Newsletter bietet einen aktuellen Überblick über die wichtigsten Themen der Versicherungswirtschaft – immer donnerstags in Ihrem E-Mail-Postfach.
Hier abonnieren

Da macht uns kein Insurtech etwas vor

Auch die Titelgeschichte der neuen Ausgabe unseres Verbandmagazins „Positionen“ behandelt dieses Thema. Versicherer verstehen die Risiken von Krankheiten, Wetterphänomenen oder Cyberkriminalität immer besser. Da macht uns kein Insurtech etwas vor. Auf den Punkt gebracht: „Wir haben mehr Risiken im Griff.“

Deshalb dürfen wir uns aber nicht zurücklehnen: Das größte Risiko für unsere Branche besteht darin, sich den Herausforderungen der Zeit nicht zu stellen. Eine Chance, die Folgen der Digitalisierung auszurichten und zu lenken, haben wir nur, wenn wir uns bewegen. Und das tun wir: Noch nie haben unsere Unternehmen etwa in digitale Projekte so viel investiert wie heute.

Auch deshalb erleben wir eine Branche, die sich in den vergangenen zwölf Monaten vielleicht so schnell verändert hat wie noch nie zuvor: Das fängt mit der Digitalisierung an, geht über einen breiten kulturellen Wandel, Kostendisziplin und einen neuen Gründergeist.

„Es ist eine verdammt interessante Zeit“, sagte Professor Schwab während des Versicherungstages und verwies auf die vielen Risiken – und die vielen Chancen – dieser Zeit. Und kam zu einem Resümee, das ich für unsere Branche nur unterstreichen kann: „Es liegt an uns, diese Chancen zu nutzen.“

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth