04.10.2016
Heta-Einigung

„Aus Sicht der Gläubiger bleibt ein fader Beigeschmack“

Zur heute vom österreichischen Finanzminister verkündeten Einigung zwischen Heta-Eigentümern und Gläubigern erklärt der Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Klaus Wiener:

„Die Einigung im Streit um die Heta-Papiere hat aus Sicht der Gläubiger einen fahlen Beigeschmack. Österreichs Rückzahlungsfähigkeit wird von den einschlägigen Ratingagenturen als sehr hoch eingeschätzt. Insofern wäre es ein Leichtes für die Republik Österreich gewesen, dem finanziell in Not geratenen Bundesland Kärnten beizuspringen. Dass dies nicht geschehen ist beweist, dass hier eher ein Fall von politisch motivierter Zahlungsunwilligkeit und nicht Zahlungsunfähigkeit vorliegt.

„Fall erinnert an Schuldenschnitt in Griechenland“

Die Investoren hätten das bescheidene Angebot natürlich erneut ablehnen können. Aber dann hätten Sie sich wohl auf jahrelange Rechtsstreitigkeiten eingelassen, deren Ende mehr als offen ist. Insofern erinnert der hier vorliegende Fall an den Schuldenschnitt in Griechenland, bei dem angesichts der nachträglich eingeführten Umschuldungsklauseln (Collective Action Clauses) von echter „Freiwilligkeit“ auch keine Rede sein konnte. Durch diese Klausel kann mit einer Zweidrittelmehrheit über alle Anleihen eine für die übrigen Gläubiger verbindliche Zustimmung zu dem Angebot erreicht werden.

Was bleibt, ist die Tatsache, dass mündelsichere Anleihen nicht im vollen Umfang bedient wurden. Der Reputationsschaden für Österreich als Schuldner ist beträchtlich. Dies mag sich derzeit wegen der extrem lockeren Geldpolitik in den Risikoprämien nicht zeigen, dürfte sich aber spätestens dann ändern, wenn der Prozess der Zinsnormalisierung beginnt.“

Zur Person

Dr. Klaus Wiener

ist Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Der promovierte Ökonom verantwortet als Geschäftsführer Fragen zur Gesamtwirtschaft, Finanzmärkten und Kapitalanlagen.

Wiener kommt von der Assicurazioni Generali, wo er zuletzt die taktische Vermögensverwaltung leitete und ebenfalls die Funktion des Chefvolkswirts im Asset Management der Generali Gruppe ausübte. Er bringt Erfahrungen aus akademischer Lehrtätigkeit mit und schreibt regelmäßig Gastkommentare in führenden deutschen und internationalen Publikationen.

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