19.09.2016
Woche der Wiederbelebung

Hand anlegen für eine längere Lebenserwartung

Das Risiko, an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu sterben, ist so gering wie noch nie. Trotzdem könnten jedes Jahr tausende Menschen zusätzlich gerettet werden – wenn die Deutschen nur besser über Erste Hilfe Bescheid wüssten. Von Dennis Schmidt-Bordemann

Die Fortschritte im Kampf gegen Herzinfarkt und Schlaganfall sind gewaltig: In weniger als zwei Jahrzehnten hat sich das Risiko halbiert, an einer Herz-Kreislaufkrankheit zu sterben. Nach dem aktuellen Gesundheitsbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) verstarben vor 17 Jahren von 100.000 Männern knapp 200 durch eine Herz-Kreislauferkrankung. Heute sind es heute nur noch 105. Bei Frauen sank die Quote von 102 auf 51.

Das ist laut RKI einerseits die Folge des medizinischen Fortschritts. Aber auch Verhaltensänderungen der Menschen machen sich bemerkbar. Großen Anteil hat die immer stärker sinkende Zahl der Raucher. Die Reduzierung der Sterberaten sei wahrscheinlich zu etwa 50 Prozent auf ein verändertes Gesundheitsverhalten zurückzuführen, erklärt das RKI. Das zeigten Studien aus vergleichbaren europäischen Ländern und den USA.

Sechs Millionen Menschen leben mit stark erhöhtem Risiko

Doch Herzinfarkt und Schlaganfall gehören weiterhin zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Bei sechs Millionen Deutschen wurde in der Vergangenheit sogar bereits ein Herzinfarkt oder eine Durchblutungsstörung am Herzen diagnostiziert. Diese Menschen leben also mit einem erheblichen Risiko.

Für viele könnte das Leben im entscheidenden Moment von der richtigen ersten Hilfe abhängen. Pro Jahr könnten zusätzlich 5000 Menschen gerettet werden, wenn bei einem Herzstillstand die Herzdruckmassage richtig durchgeführt würde, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Wenn bei einem Herzstillstand nicht innerhalb von fünf Minuten richtig geholfen wird, sind die Überlebenschancen gering. Das passiert aber viel zu selten. Die Bundesregierung und Hilfsorganisation werben daher aktuell mit einer „Woche der Wiederbelebung“ dafür, sich besser auf den Fall der Fälle vorzubereiten.



Nur die wenigsten erinnern sich an Details zur Wiederbelebung

Wie groß der Nachholbedarf der Deutschen ist, zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“. Zwar sagen 53 Prozent der Deutschen von sich, sie fühlten sich imstande, Erste Hilfe zu leisten. Aber nur die wenigsten könnten tatsächlich einen bewusst- und atmungslosen Menschen richtig wiederbeleben. Gerade einmal elf Prozent wissen, dass sie den Brustkorb des Betroffenen mindestens 100-mal pro Minute eindrücken müssen, um den Blutkreislauf aufrechtzuerhalten.

Ein Problem ist, dass die Menschen ihr Wissen über die Notversorgung nicht auffrischen. Bei 53 Prozent der Deutschen liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs mehr als zehn Jahre zurück. In den oberen Altersgruppen ist der Anteil noch größer. Schlaganfälle oder Herzinfarkte treffen jedoch mehrheitlich Ältere, deren nahes Umfeld meist aus Personen im gleichen Alter besteht.

Fast ein Drittel hat bereits einmal erste Hilfe geleistet

Das Wissen aufzufrischen lohnt sich – nicht nur, um bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu helfen. Laut der Forsa-Befragung haben immerhin 31 Prozent aller Deutschen in ihrem Leben bereits Erste Hilfe geleistet, 19 Prozent sogar mehrfach. In so einem Fall ist es gut, zu wissen, was man tut. Denn dann heißt es ganz konkret: Hand anlegen für eine längere Lebenserwartung.

Gefährliche Ahnungslosigkeit
Antwort auf die Frage, wie oft bei einer Herzdruckmassage pro Minute auf den Brustkorb gedruck werden sollte

30 Mal 60 Mal 100 Mal 150 Mal Sonstiges / Weiß nicht
Insgesamt 41 % 32 % 11 % 1 % 15 %
Antworten bei Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses vor …
.. 1 bis 2 Jahren 39 % 36 % 20 % 1 % 4 %
.. 3 bis 10 Jahren 42 % 35 % 10 % 2 % 11 %
.. über 10 Jahren 43 % 31 % 8 % 0 % 18 %
.. noch nie 28 % 19 % 14 % 0 % 39 %

Quelle: Forsa-Umfrage im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“; fett markiert ist die richtige Antwort (100 Mal)