08.09.2016
Allensbach-Studie

„Generation Mitte“ sieht Zuwanderung skeptisch und beklagt wachsende soziale Unterschiede

Die hohe Zahl der Flüchtlinge hat in der „Generation Mitte“ zu einer gewachsenen Skepsis gegenüber Zuwanderung geführt. In einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bewerteten zwei Drittel der befragten 30- bis 59-Jährigen die Integrationschancen der Flüchtlinge als weniger oder gar nicht gut.

Im Vergleich zu 2014 haben sich die Einstellungen der „Generation Mitte“ zur Zuwanderung deutlich verschoben. Die Befragten betonen die Risiken von Zuwanderung mittlerweile weit stärker als ihre Chancen.

Zuwanderer sollen sich integrieren, nicht assimilieren

Hinsichtlich der Voraussetzungen für eine gelungene Integration herrscht bei der mittleren Generation weitgehend Einigkeit: Gute Deutschkenntnisse sowie die Akzeptanz der Grundordnung und zentraler Wertvorstellungen sind für jeweils über 80 Prozent die entscheidenden Faktoren. Nur eine kleine Minderheit verlangt, dass Zuwanderer auch die kulturellen Eigenheiten des Herkunftslandes ablegen müssten.



Wachsende soziale Unterschiede, mangelnde Leistungsgerechtigkeit

Kritisch bewertet die mittlere Generation neben der Zuwanderung auch die Unterschiede zwischen Arm und Reich. 70 Prozent nehmen einen wachsenden Abstand bei Einkommen und Vermögen wahr, zwei Drittel halten die Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland für ungerecht. Gleichwohl spricht sich die Mehrheit der „Generation Mitte“ gegen Gleichmacherei oder mehr staatliche Umverteilung aus – das Leistungsprinzip ist in den Wertvorstellungen fest verankert. Dass jeder vom Lohn für seine Arbeit auch leben kann und dass für die gleiche Arbeit das gleiche Geld gezahlt wird, gehört für die mittlere Generation zu den grundlegenden Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit. Derzeit sieht aber nur eine Minderheit der Befragten diese Anforderungen als erfüllt an.

Rentendebatte verunsichert

Unter den persönlichen Sorgen der 30- bis 59-Jährigen haben zwei besonders zugenommen: die Angst vor Kriminalität und die Zweifel, den Lebensstandard im Alter halten zu können. Zwei Drittel der Befragten geben an, durch die aktuelle Rentendebatte verunsichert zu sein. GDV-Präsident Alexander Erdland warnte deshalb davor, Grundsatzentscheidungen der Rentenpolitik alle paar Jahre infrage zu stellen: „Die Glaubwürdigkeit des Altersversorgungssystems hängt ganz maßgeblich von der Konsistenz der politisch Handelnden ab. Der aktuelle Bieter-Wettbewerb zur Wunschhöhe des Rentenniveaus sendet ein falsches Signal aus“, sagte Erdland am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Angesichts des demografischen Wandels sei ein intelligenter Ausbau der kapitalgedeckten Vorsorge unverzichtbar.

Generation Mitte 2016

Die Studienergebnisse im Überblick

  • Persönliche Lage und Entwicklung in Deutschland
  • Soziale Gerechtigkeit
  • Migration und Integration
  • Altersvorsorge

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Geschwundener Optimismus trotz guter persönlicher Bilanz

Die kritische Bewertung zahlreicher Themenfelder durch die „Generation Mitte“ führt auch insgesamt zu einer überwiegend negativen Einschätzung der gesellschaftlichen Lage und Entwicklung in Deutschland. „Die Verunsicherung der 30- bis 59-Jährigen ist gewachsen, ihr Zukunftsoptimismus steil zurückgegangen“, sagte die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher. In scharfem Kontrast zur Einschätzung der gesellschaftlichen Entwicklung steht allerdings die weiterhin positive Bewertung des eigenen Lebens: Mit ihrer persönlichen Lage zeigen sich die 30- bis 59-Jährigen außerordentlich zufrieden – 75 Prozent bezeichnen ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut; vier von zehn Befragten sagen, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in den vergangenen fünf Jahren verbessert habe.

Über die „Generation Mitte“

Die mehr als 35 Millionen 30- bis 59-Jährigen in Deutschland stehen mitten im Berufsleben, erziehen Kinder und finanzieren die sozialen Sicherungssysteme. Sie stellen 70 Prozent der Erwerbstätigen dar und erwirtschaften 82 Prozent der steuerpflichtigen Einkünfte. Die „Generation Mitte“ ist damit im wahrsten Sinne des Wortes der „Leistungsträger“ unserer Gesellschaft. Der GDV beauftragt das Institut für Demoskopie Allensbach seit 2013 dieser breiten Bevölkerungsschicht einmal jährlich „den Puls zu fühlen“ und ihre Einstellungen, Erwartungen und Ängste zu erforschen. In diesem Jahr standen die Themen Gerechtigkeit, Zuwanderung und Altersvorsorge im Fokus der Befragung. Für die repräsentative Untersuchung „Die Generation Mitte 2016“ hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des GDV vom 1. bis 22. Juni 2016 insgesamt 1.100 Männer und Frauen im Alter zwischen 30 und 59 Jahren befragt.

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Präsentation Renate Köcher

Generation Mitte 2016

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Pressemitteilung

„Generation Mitte“ sieht Zuwanderung skeptisch und beklagt wachsende soziale Unterschiede

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