08.09.2016
Allensbach-Studie

„Generation Mitte“ 2016 – Die Studienergebnisse im Überblick

Zum vierten Mal hat der GDV das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) beauftragt, die „Generation Mitte“ zu ihren Einstellungen sowie zu ihrer Einschätzung gesellschaftlich relevanter Themen zu befragen. In diesem Jahr standen die Themen Gerechtigkeit, Zuwanderung und Altersvorsorge im Mittelpunkt der Studie. Dafür hat das IfD in einer repräsentativen Umfrage 1.100 Personen im Alter von 30 bis 59 Jahren befragt. Die zentralen Erkenntnisse der diesjährigen Studie.

Die „Generation Mitte“ bewertet ihre Lebensqualität weiterhin äußerst positiv.

  • Drei von vier Befragten (75%) bezeichnen ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut.
  • 36 Prozent geben an, dass sich ihre Lebensqualität in den letzten fünf Jahren verbessert hat, nur 21 Prozent erkennen eine Verschlechterung.

Die 30- bis 59-Jährigen sehen sich überwiegend als Wohlstandsgewinner und soziale Aufsteiger.

  • Für 39 Prozent der Befragten hat sich die wirtschaftliche Lage in den vergangenen fünf Jahren verbessert, für nur 20 Prozent verschlechtert.
  • Im Vergleich zur Elterngeneration fällt die Bilanz noch positiver aus: 42 Prozent erkennen für sich persönlich einen sozialen Aufstieg, nur 10 Prozent einen Abstieg. Selbst in der Gruppe der Befragten mit niedrigem sozioökonomischem Status überwiegen die Aufsteiger (28%) die Absteiger (20%).

Die weiterhin sehr positive Bewertung der persönlichen Lage steht im deutlichen Gegensatz zur Einschätzung der gesellschaftlichen Lage und Entwicklung. Diese wird von der „Generation Mitte“ mit wachsender Skepsis betrachtet.

  • Ein Drittel (32%) der Befragten meint, dass die Lebensqualität in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren gesunken ist, nur 12 Prozent sehen eine Verbesserung.
  • 62 Prozent sind überzeugt, dass die Gefahr eines sozialen Abstiegs in Deutschland in den letzten Jahren größer geworden ist.
  • Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Zukunftsoptimismus der 30- bis 59-Jährigen deutlich eingetrübt: 43 Prozent sehen den kommenden zwölf Monaten mit Hoffnungen entgegen, während für 42 Prozent Befürchtungen und Skepsis überwiegen. 2015 lagen die Hoffnungen (57%) noch klar vor den Befürchtungen (30%).

Die 30- bis 59-Jährigen erkennen hohe Risiken für die weitere Entwicklung Deutschlands.

  • Als größte Gefahren für die Entwicklung Deutschlands werden wachsende Unterschiede zwischen Arm und Reich und eine steigende Fremdenfeindlichkeit angesehen (jeweils 68%). Nur knapp dahinter liegen das Risiko terroristischer Anschläge (65%) sowie die hohe Zahl der Flüchtlinge in Deutschland (64%).

Persönliche Sorgen wachsen vor allem im Hinblick auf die materielle Absicherung im Alter und der inneren Sicherheit.

  • 60 Prozent der Befragten treibt die Sorge um, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können (2015: 54%). 44 Prozent befürchten, dass ihr Einkommen schon in den nächsten Jahren nicht ausreichen könnte (2015: 39%).
  • Viele 30- bis 59-Jährige machen sich Sorgen, Opfer von Kriminellen zu werden. Zwei Drittel der Befragten (68%) haben den Eindruck, dass die Zahl der Verbrechen in Deutschland zunimmt. Der Anteil der Befragten mit Angst vor einem Einbruch oder einem Diebstahl ist im Vergleich zum Vorjahr von 28 auf 35 Prozent gewachsen; am stärksten gestiegen sind die Befürchtungen, Opfer eines Gewaltverbrechens (25%) oder eines Terroranschlags (22%) zu werden (2015: jeweils 10%).

Die Generation Mitte beklagt wachsende soziale Unterschiede und schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt.

  • 70 Prozent der befragten 30- bis 59-Jährigen nehmen in den letzten Jahren einen wachsenden Abstand bei Einkommen und Vermögen wahr, zwei Drittel (64%) halten die Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland für ungerecht.
  • Zwei von drei Befragten (66%) halten den gesellschaftlichen Zusammenhalt für schwach oder sehr schwach, 56 Prozent meinen, dass der Zusammenhalt in den letzten Jahren schwächer geworden ist.

Das Leistungsprinzip ist in den Wertvorstellungen der Generation Mitte fest verankert.

  • Die persönliche (Arbeits-)Leistung soll nach dem Willen der Befragten die Grundlage für wirtschaftliches Wohlergehen sein: Wer mehr leistet, soll auch mehr verdienen (72%); Arbeitslose sollen deutlich weniger bekommen als Berufstätige (66%); die Höhe der Altersversorgung soll sich nach der Höhe der Einzahlungen richten (52%).

Die 30- bis 59-Jährigen wollen Leistungsgerechtigkeit, nicht Gleichheit.

  • Neben gleichen Bildungschancen (83%) und gleichem Zugang zu guter Gesundheitsversorgung (81%) ist es für die Befragten vor allem sozial gerecht, wenn jeder vom Lohn für seine Arbeit auch leben kann (86%) und für gleiche Arbeit der gleiche Lohn bezahlt wird (76%). Die letzten beiden Anforderungen sehen aber nur 14 bzw. 10 Prozent der Befragten in Deutschland als erfüllt an.
  • An der Spitze der politischen Optionen für mehr Gerechtigkeit steht dementsprechend, die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit durchzusetzen (72%). Das Abschaffen von Steuerschlupflöchern (72%) findet deutlich mehr Zustimmung als eine Vermögenssteuer (47%) oder ein höherer Spitzensteuersatz (37%). 70 Prozent der Befragten wollen sicherstellen, dass Berufstätige mehr verdienen als die Empfänger staatlicher Unterstützung. Folgerichtig sprechen sich deutlich mehr Befragte für einen höheren Mindestlohn aus (48%) als für ein bedingungsloses Grundeinkommen (30%) oder höhere Hartz-IV-Sätze (23%).

Die hohe Zahl von Flüchtlingen hat die Einstellungen der 30- bis 59-Jährigen zum Thema Zuwanderung verändert – die lange Zeit gewachsene gesellschaftliche Offenheit für Zuwanderung schrumpft.

  • Im Vergleich zu 2014 sehen weniger Befragte Zuwanderung als Beitrag zur Bewältigung des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels. Hingegen bejahen mehr Befragte einen Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Kriminalität.
  • Das Thema Zuwanderung polarisiert die Generation Mitte: Für 30 Prozent der Befragten macht Zuwanderung die Gesellschaft offener und lebendiger – 29 Prozent meinen hingegen, Deutschland könne keine weiteren Ausländer mehr aufnehmen.

Die Generation Mitte fordert Integration, nicht Assimilation.

  • Gute Deutschkenntnisse (87%) und die Akzeptanz der in Deutschland geltenden Grundprinzipien und Wertvorstellungen (81%) sind für die weit überwiegende Mehrheit der 30- bis 59-Jährigen die Voraussetzungen für eine gelungene Integration. Nur eine kleine Minderheit fordert von Zuwanderern, deutscher Staatsbürger werden zu wollen (16%) oder die kulturellen Eigenheiten des Herkunftslandes abzulegen (11%).
  • Die Generation Mitte bewertet die Integration der schon länger in Deutschland lebenden Migranten weit überwiegend positiv….

  • 63 Prozent der Befragten haben Freunde oder Bekannte mit Migrationshintergrund; zwei Drittel (65%) von ihnen halten ihre Freunde und Bekannte für gut in die deutsche Gesellschaft integriert.
  • Befragte mit Migrationshintergrund sind für ihre wirtschaftliche Zukunft überdurchschnittlich optimistisch und sehen sich im Vergleich zu ihrer Elterngeneration überwiegend als soziale Aufsteiger (53%).

… sehen die Integrationschancen der Flüchtlinge aber skeptisch.

  • Zwei Drittel (67%) bewertet die Chancen für die Flüchtlinge, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, als weniger oder gar nicht gut, nur 22 Prozent sehen gute oder sehr gute Chancen.

In der Generation Mitte wachsen die Zweifel, dass sich der Lebensstandard im Alter halten lässt. Die aktuelle Rentendebatte verschärft die Unsicherheit weiter.

  • Zwei Drittel (65%) sind durch die laufende Debatte hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit des Rentensystems verunsichert.
  • 60 Prozent der 30- bis 59-Jährigen sorgen sich um ihren Lebensstandard im Alter, im vergangenen Jahr waren es noch 54 Prozent.
  • 57 Prozent der Frauen in einer Beziehung haben Zweifel, ob ihre Altersvorsorge nach einem Beziehungsende ausreichen würde, im Jahr 2013 waren es noch 51 Prozent.

Die 30- bis 59-Jährigen kümmern sich nur unzureichend um ihre finanzielle Zukunftsplanung.

  • Nur 9 Prozent der Befragten meint, die eigene finanzielle Zukunft 10 Jahre oder länger im Voraus planen zu können, 70 Prozent nennen einen Zeitraum von weniger als 5 Jahren oder trauen sich keine Angabe einer Zeitspanne zu.
  • Drei von vier Befragten (73 %) geben an, ihre finanzielle Zukunft gar nicht zu planen oder nur eine grobe Vorstellung zu haben.

Die Generation Mitte ist sich der Auswirkungen des demografischen Wandels bewusst…

  • Vier von fünf Befragten erwarten durch den demografischen Wandel eine längere Lebensarbeitszeit (79%) und steigende Rentenbeiträge (78%); 73 Prozent rechnen damit, dass man verstärkt privat vorsorgen muss.

… und plädiert für mehr staatliche Unterstützung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge.

  • 62 Prozent sprechen sich für eine stärkere finanzielle Förderung der privaten Vorsorge aus, 54 Prozent wollen die betriebliche Altersvorsorge stärker unterstützt sehen.
  • Nur ein Drittel der Befragten (33%) befürwortet einen staatlichen Rentenfonds, ein Viertel (27%) eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge.