12.08.2016
Riester & Co.

Wie Sterbetafeln, Lebenserwartung und Rente zusammenhängen

Lebensversicherer stehen vor der Herausforderung, einerseits lebenslange Rentenleistungen zu garantieren ohne andererseits zu wissen, wie alt ein Mensch genau werden wird. Bei dieser Kalkulation helfen ihnen Sterbetafeln. Diese bilden auf statistischer Grundlage Sterbewahrscheinlichkeiten ab. Gleichzeitig müssen Lebensversicherer die weiter steigende Lebenserwartung im Blick behalten. Wie diese unterschiedlichen Faktoren genau zusammenhängen, erklären wir in diesem Überblick.

1. Warum spielt die Lebenserwartung für private Rentenversicherungen eine Rolle?

Mit einer privaten Rentenversicherung können Sparer auf eine lebenslange Rentenzahlung vertrauen – ein wesentlicher Unterschied zu Banksparplänen, Fonds oder anderen Finanzprodukten. Um dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen, müssen Lebensversicherer vorsichtig und mit Weitblick kalkulieren.

Aus der Perspektive der Versicherer gilt: Je älter die Versicherten werden, desto länger müssen die Renten bezahlt werden. Hierfür braucht der Versicherer ausreichend Kapital, um die garantierten Leistungen zum Beispiel bei Riester-Renten auch tatsächlich erfüllen zu können. Für die Kalkulation von Rentenversicherungen ist die statistische Lebenserwartung deshalb entscheidend.

2. Was ist eine Sterbetafel?

Aus einer Sterbetafel lässt sich ablesen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person eines bestimmten Alters in einem bestimmten Zeitraum sterben wird, also wie alt diese Person voraussichtlich wird. In der Regel sind die Tafeln nach Geschlechtern differenziert. Experten können aus Sterbetafeln beispielsweise ablesen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein 1980 geborenes Mädchen das 90. Lebensjahr erreicht.

Prinzipiell gibt es zwei Arten von Sterbetafeln:

  • Die Periodensterbetafel: Sie betrachtet die Sterblichkeitsverhältnisse einer Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt, ist also eine Momentaufnahme. Für jedes Alter listet die Tafel auf, wie hoch die Sterblichkeit von Personen dieses Alters zum Zeitpunkt der Ableitung der Tafel ist.
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  • Die Generationensterbetafel: Sie betrachtet den Verlauf der Sterblichkeit von Geburtsjahrgängen. Für die Menschen jedes betrachteten Geburtsjahrgangs spiegelt die Tafel den gesamten Verlauf der Sterblichkeit von der Geburt bis zum Tod. Dadurch berücksichtigt sie auch Veränderungen der Sterblichkeitsverhältnisse wie Verbesserungen der Lebenserwartung.

Häufig werden diese Sterbetafeln synonym verwendet – ein Fehler. Periodensterbetafeln machen „keine Annahmen darüber, wie sich die Sterblichkeitsverhältnisse in Zukunft verändern werden”, schreibt das Statistische Bundesamt. Genau dieser Aspekt ist jedoch für die Kalkulation von Rentenversicherungen unverzichtbar, da diese Policen die Lebenserwartung in 40 oder 50 Jahren im Blick haben müssen.

3. Welche Sterbetafel nutzen Lebensversicherer?

Lebensversicherer kalkulieren in der Regel mit einer Generationensterbetafel (PDF), die von der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), der Berufsvereinigung der Versicherungsmathematiker, herausgegeben wird. Bei der Entwicklung der Sterbetafeln der Lebensversicherer werden folgende Daten berücksichtigt:

  • Daten der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Angaben des Statistischen Bundesamtes und
  • Erfahrungswerte der Versicherungsunternehmen

Entscheidend ist dabei, dass Lebensversicherer mit dieser Sterbetafel nicht nur den Status quo in Sachen Sterblichkeit und Lebenserwartung abbilden. Würden sie so vorgehen, hätte das unangenehme Konsequenzen für die Sparer: Höchstwahrscheinlich wäre dann nicht genug Geld im kollektiven Sparschwein, um alle Renten lebenslang zahlen zu können.

Vielmehr versuchen die Sterbetafeln der Versicherer einen Blick in die Zukunft zu werfen. Das heißt konkret: Trends, die die Lebenserwartung erhöhen, müssen in der Kalkulation berücksichtigt werden. Erfahrungen der Vergangenheit werden dafür genutzt. Sie zeigen auch, welche Faktoren uns häufig älter werden lassen als unsere Eltern:

  • Medizinischer Fortschritt
  • Gesündere Lebensweise
  • Steigender Wohlstand
  • Humanere Arbeitsbedingungen
  • Höheres Bildungsniveau

Für Versicherer bedeutet das: Ein zukünftiges Ansteigen der Lebenserwartung muss mitgedacht werden – und zwar von Anfang an. Hinzu kommt, dass mit jedem dazugewonnenen Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit steigt, ein höheres Alter zu erreichen. Auch aus diesem Grund betrachten Versicherer das Thema Lebenserwartung immer nach vorne gerichtet und dynamisch.

Allerdings gibt es bei diesem Blick in die Zukunft einige Unwägbarkeiten. Deshalb müssen die Versicherer in ihrer Kalkulation Sicherheiten einrechnen. Dadurch kann der Versicherer auch dann alle Leistungen zahlen, wenn die Lebenserwartung stärker steigt als erwartet. Entwickelt sich die Lebenserwartung aber wie vorhergesagt, bekommen die Versicherten das für die Sicherheiten einkalkulierte Geld über die Überschussbeteiligung zurück.