10.08.2016
Verkehrsklima 2016

Deutsche fühlen sich sicherer im Straßenverkehr als 2010

Das Klima auf Deutschlands Straßen hat sich verbessert. Das ist ein Ergebnis der repräsentativen Befragung „Verkehrsklima 2016“ der Unfallforschung der Versicherer (UDV), bei der die Einstellungen zu vielen Fragen der Verkehrssicherheit erhoben wurden. Fühlten sich im Jahr 2010 nur 11 Prozent der Befragten sehr sicher, waren es in diesem Jahr 23 Prozent.

Gleichzeitig hat sich die Zahl derer, die sich nicht sicher fühlen, von 12 auf 7 Prozent fast halbiert. Vor allem Frauen fühlten sich 2016 deutlich sicherer als noch 2010. Für die Studie wurde Anfang 2016 eine repräsentative Befragung von 2.061 Verkehrsteilnehmer(inne)n durchgeführt, darunter auch Nutzer des ÖPNV, Fußgänger, Fahrradfahrer und Pedelecfahrer.

Sicheres Gefühl trotz Stress und Aggression

Bei der Analyse der Ergebnisse fällt auf, dass sich viele Verkehrsteilnehmer zwar sicher fühlen, die Mehrheit den Straßenverkehr aber trotzdem als „stressig“, „aufreibend“ oder „chaotisch“ empfindet.

Gut die Hälfte der Autofahrer, die in der Studie befragt wurden, bezeichnet ihr Verhalten selbst nicht als aggressiv, wobei es deutliche Unterschiede in den Altersgruppen gibt. Am aggressivsten sind die 25 bis 34-Jährigen, am wenigsten die über 75-Jährigen. Erstaunlich: Autofahrer mit hohem Monatseinkommen und höherem Bildungsgrad geben sich als aggressiver zu erkennen. Was weniger erstaunt: Diejenigen, die öfter eine Strafe (Bußgeld, Punkte, Fahrverbot) kassierten, schätzen sich auch als aggressiver ein. Mit anderen Worten: Die Strafen treffen zwar die Richtigen, auf deren Verhalten haben sie aber wenig Einfluss.

Das Vorurteil, dass nur Männer ihre Aggressionen im Straßenverkehr nicht im Griff haben, entkräften die Frauen in einigen Punkten: So „wehren“ sich Frauen häufiger als Männer gegenüber Dränglern durch kurzes Bremsen oder gegenüber Überholern durch kurzes Beschleunigen. Auch fahren Sie eher schneller, wenn sie sich ärgern. Beim dichten Auffahren, beim Drängeln oder bei der Nutzung der Lichthupe liegen die Männer allerdings deutlich vorne.

Aggressiv sind immer die anderen

Eine große Diskrepanz gibt es beim beobachteten und beim selbst zugegebenen aggressiven Fehlverhalten. Während fast alle der Befragten schon einmal das „absichtliche Zufahren“ einer Lücke oder das zu dichte
Einscheren beobachtet haben, geben nur rund 20 Prozent zu, dies auch selbst zu tun.

Noch extremer sind die Aussagen zum rücksichtsvollen Überholen von Radfahrern: 97 Prozent der Befragten gaben an, dass sie „besonders viel Rücksicht“ dabei nehmen, fast ebenso oft beobachten sie aber, wie Radfahrer zu dicht überholt werden.

Risiko Handynutzung

Obwohl die mobile Kommunikation in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, ist das Problembewusstsein der Autofahrer für dieses Thema nicht gesunken. Eher im Gegenteil: 2016 geben mehr Pkw-Nutzer als 2010 an, dass SMS und E-Mail schreiben oder ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren risikoreich ist. Auch das Lesen von SMS oder E-Mails sowie das Surfen im Internet werden sowohl als risikoreich eingestuft als auch nach eigenem Bekunden selten gemacht.

Regeln – regelmäßig missachtet?

Um festzustellen, wie regelkonform die Verkehrsteilnehmer in Deutschland sind, wurden Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer nach ihrem Verhalten an roten Ampeln, bei Geschwindigkeitsbegrenzungen und nach Alkoholgenuss befragt. Hier hat es zum Teil deutliche Verbesserungen gegenüber 2010 gegeben: Autofahrer fahren seltener unter Alkohol, Radfahrer halten sich eher an rote Ampeln und Pkw-Fahrer rasen deutlich seltener. Das kann damit zusammenhängen, dass vor allem die Autofahrer bei Alkohol-, Rotlicht- und Geschwindigkeitsverstößen von einer höheren Entdeckungswahrscheinlichkeit ausgehen als noch 2010.

Welche Maßnahmen werden befürwortet?

Obwohl die befragten Autofahrer 2016 eine etwas bessere „Geschwindigkeitsmoral“ an den Tag legten als noch 2010, werden Tempolimits weniger als wirksame Verkehrssicherheitsmaßnahme angesehen als noch vor sechs Jahren. Das liegt vor allem an den jüngeren Autofahrern.

Beim Thema „Radhelm“ liegen die Meinungen zur Schutzwirkung einerseits und die tatsächliche Nutzung des Helmes andererseits deutlich auseinander. Fast 80 Prozent halten den Helm bei Kopfverletzungen für wirksam, selbst die Nichtnutzer noch zu über 70 Prozent. Nur einer von 100 Radfahrern spricht ihm komplett die Wirksamkeit ab. Tatsächlich nutzen aber nur 23 Prozent der Befragten regelmäßig einen Helm. Immerhin: Dieser Wert ist seit 2010 (17 Prozent) deutlich gestiegen.

Weitere Informationen dazu unter www.verkehrsklima.de.

Ansprechpartner für Presseanfragen:

Siegfried Brockmann
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