13.07.2016
Kolumne Vermittlerrichtlinie IDD

Prägende Zeiten für das Miteinander von Kunden und Versicherern

Die Umsetzung der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) in deutsches Recht steht bevor. Dabei gilt es Rahmenbedingungen zu schaffen, die Verbraucherschutz gewährleisten, Bewährtes erhalten – und gleichzeitig Raum für Innovationen lassen. Die Kolumne vom Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung Jörg von Fürstenwerth.

Die Digitalisierung krempelt den Vertrieb sämtlicher Branchen um. Der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen wird oftmals schneller, effizienter und vergleichbarer. Versicherer mit ihrem traditionell starken Absatz über Vermittler stellt dies zweifellos vor besondere Herausforderungen, beschert ihnen aber auch massiv neue Chancen.

Zukunftsfähig und verbraucherfreundlich regulieren

Die Umsetzung der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) in deutsches Recht steht bevor: Sie soll dafür sorgen, dass der Vertrieb von Versicherungen zukunftsfähig und gleichzeitig verbraucherfreundlich reguliert wird – hier muss auch die Frage verbindlich beantwortet werden, was vor dem Hintergrund der Digitalisierung für Verbraucher wichtig und richtig sowie für Versicherer und Vermittler praktikabel ist. So denke ich etwa: Wer sich mit dem Klick auf Vergleichsportalen bewusst gegen ein Beratungsgespräch entscheidet, erwartet erfahrungsgemäß nicht die gleiche individuelle Beratung wie bei einem Vermittler vor Ort.

Bei IDD geht es aber längst nicht nur um die Frage, welche Regeln bei der Vermittlung von Versicherungen im Web gelten. Die Richtlinie wird das Miteinander von Kunden und Versicherern nachhaltig prägen. Der neue Regulierungsrahmen muss es möglich machen, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen – für Kunden, Vermittler und Versicherer. Schon deshalb wünsche ich mir von allen Beteiligten ein besonderes Augenmerk und das richtige Händchen für Rahmenbedingungen, die Verbraucherschutz gewährleisten, Bewährtes erhalten und gleichzeitig Raum für Innovationen lassen.

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EIOPA schlägt Regeln vor, die faktisch auf ein Provisionsverbot hinauslaufen

Nehmen wir das Beispiel Provisionen: Als die IDD-Richtlinie vom europäischen Gesetzgeber verabschiedet wurde, deutete alles auf eine gute Lösung für Verbraucher, aber auch Unternehmen und Vermittler hin. Den Mitgliedsstaaten wurde Handlungsspielraum gegeben, die EU-Regeln an ihre Märkte anzupassen, so lange nur jedem Kunden glasklar ist, wer die Beratung bezahlt: Kriegt der Vermittler ein Honorar vom Kunden oder eine Provision vom Versicherer? Diese verschiedenen Arten der Vergütung wurden ausdrücklich akzeptiert, so lange sie keinen „nachteiligen Einfluss“ für den Verbraucher haben.

Die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA hat nun aufgelistet, was beim Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten „nachteiligen Einfluss“ auf die Beratungsleistung hat und damit künftig unzulässig wäre. Das Problem: Die EIOPA schlägt Regeln vor, die faktisch auf ein Provisionsverbot hinauslaufen. Sollte die EU-Kommission diese Liste übernehmen, würde die Aussage der Richtlinie in ihr Gegenteil verkehrt.

Papierberge für Vorschläge zur Umsetzung der IDD

Auch in anderen Bereichen schlägt die Behörde viel vor. Dies zeigt sich auch im Umfang der dabei entstehenden Papierberge. Während die Richtlinie selbst mit gut 150 Seiten schon nicht gerade schlank ist, umfassen die ergänzenden Umsetzungsvorschläge und ihre Erläuterungen der EIOPA nun weitere 170 Seiten.

Entscheidend für einen besseren Verbraucherschutz ist aus meiner Sicht nicht die Vergütungsform, sondern die Beratungsqualität. Und als Branche haben wir uns frühzeitig Gedanken darüber gemacht, wie wir diese verbessern können. Das Ergebnis dieser Überlegungen sind der strenge Verhaltenskodex für den Vertrieb und eine gezielte Weiterbildungsinitiative.

Das Nebeneinander von Provisionsvertrieb und Honorarberatung erhalten

Kernanliegen der deutschen Versicherer ist, das Nebeneinander von Provisionsvertrieb und Honorarberatung zu erhalten. Warum? Der provisionsbasierte Vertrieb, der in Deutschland dominiert, hat sich bewährt: Er garantiert ein flächendeckendes Beratungsangebot für alle – und zwar unabhängig vom Geldbeutel. Nicht jeder kann oder will sich einen Berater mit einem üppigen Stundensatz leisten.

Sollte das nicht jeder Kunde selbst entscheiden dürfen? Genau das nenne ich Verbraucherschutz.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth